Aufnahme: 2005
Der Schutz der Hennen hat jetzt Vorrang
André Sauder hat seine Freilandhühner vorsichtshalber schon vor einem Monat in den Stall geholt - Auch Hobbyhalter müssen ihr Federvieh im Siebengebirge unter Arrest stellen.
Siebengbirge. Peter Kreys Gänse machen lange Hälse und schnattern aufgeregt. Klar, sie wollen raus. Doch alles Drängen ist zwecklos, der Geflügelzuchtmeister schließt die Stalltür wieder zu.
Das Federvieh, seit Mai die grüne Wiese gewöhnt, kann sich nur schwer mit dem Arrest abfinden. Leere herrscht auch in der beliebten Außenvoliere an der Herresbacher Straße. Das Federvieh des Oberpleiser Geflügelhofes hat striktes Ausgehverbot. Krey hat nach der Eilverordnung des Bundes zur Vogelgrippe seine Tiere wie befohlen in den Stall gesperrt.
Bei dem Oberpleiser Geflügelzuchtmeister rufen täglich Hobby-Geflügelhalter an und bestürmen ihn mit Fragen. Krey verweist sie ans Veterinäramt des Kreises. Dort stehen die Telefone erst recht nicht mehr still: "Mehr als hundert Anrufe von besorgten Geflügelhaltern erreichen uns täglich", sagt Kreisveterinär Hanns von den Driesch.
Die meist gestellte Frage: "Müssen auch meine drei Hühner in den Stall?" Klare Anwort: Ja! Die am Samstag in Kraft getretene Eilverordnung gilt auch für das Federvieh von Hobbyhaltern. Die Tiere dürfen keinesfalls mit Wildvögelkot in Berührung kommen. "Überdachungen müssen dicht sein, Netze reichen nicht aus", stellt der Kreisveterinär klar. Das Amt prüft ab sofort die Einhaltung der Verordnung im Kreis und verhängt bei Zuwiderhandlung Ordnungsgelder von bis zu 25 000 Euro.
Konsequent-drastische Maßnahmen - die nach Meinung von André Sauder zu spät kommen. "Meiner Meinung nach hätte man die Tiere viel früher hereintun müssen", sagt der Chef von mehr als 80 000 Legehennen. Im Rhein-Sieg-Kreis besitzt er neun Legenhennenställe, verkauft die Eier in einem Umkreis von 600 bis 700 Kilometern an Lebensmittelmärkte, Hofläden, Direktvermarkter und Großhändler.
Sauder hat die Konsequenzen aus den Vogelgrippemeldungen für seinen Betrieb schon vor Wochen gezogen: Vor einem Monat hat er seine rund 30 000 Freilandhühner bereits in den Stall geholt. In Königswinter-Jüngsfeld etwa sind 2 600 Hühner von der Wiese in den Stall gezogen.
Nun hält Sauder seine sämtlichen 80 000 Hennen drinnen in Bodenhaltung. Die jetzigen Reaktionen kommen nach seiner Meinung zu spät. Warum wurde erst Alarm geschlagen, als das Virus das EU-Land Griechenland erreichte? Nicht-EU-Mitglied Rumänien liege doch viel näher, wundert sich Sauder. Ihm machen vor allem die kleinen Hobbyhaltungen Sorge. Kämen die Hennen Erna, Frieda und Gertrud, die in Nachbars Garten scharren, durch Kontakt mit Zugvögeln mit dem Virus in Berührung, hätte das fatale Folgen für die erwerbsmäßigen Geflügelhalter in der Nachbarschaft.
Würde bei einem Hobbyhalter ein Tier am Virus verenden, würde das das Todesurteil für sämtliche noch so gut abgeschirmten gesunden Hennen in nahegelegenen Betrieben bedeuten. "Im Umkreis von zehn Kilometern würde alles abgeschlachtet", weiß Sauder. Solch ein Fall könnte seine Existenz vernichten. Zwar gibt es eine Versicherung, "die Tierseuchenkasse. Die zahlt aber erst etwas später und es ist schwer, bis dahin zu überstehen."
Der Schutz seiner Tiere hat für Sauder daher jetzt absoluten Vorrang. Die neun Ställe und die Packstelle, in der den ganzen Tag die Eiersortiermaschine läuft, hält er akribisch sauber. "Verpackungsmaterial kostet uns im Monat 6 000 Euro. Kein Pappkarton wird zwei Mal verwendet", berichtet der Eierspezialist.
Die Auslieferungswagen werden noch gründlicher und häufiger gereinigt als sonst. Während früher nach einer Auslieferungsrunde gleich im Anschluss neue Eierkisten in den Ställen abgeholt und zur Packstelle gebracht wurden, fährt der Transporter jetzt zunächst zur Desinfektion in die Zentrale der Geflügelfarm.
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