Pfingstbräuche im Bergbereich

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Aufnahme: 2004

Pfingstbräuche im Bergbereich

„‘De Pingsbom witt jesez‘ hieß es auch in diesem Jahr beim Brauchtumsverein Rauschendorf, aber die am Kapellenplatz versammelten Helfer mussten lange warten, bis der Kran dort ankam. Als der Fahrer auf der Strecke zwischen Birlinghoven und Rauschendorf einem Bus ausweichen wollte, steuerte er das Mordsgefährt zu nah an den Graben und kippte zur Seite. Alle Versuche, den Kranwagen wieder flott zu kriegen, scheiterten und so musste man warten, bis ein 'großer Bruder' aus dem Hause Victor Baumann kam und den 'Kleinen' wieder auf die Straße zog. Dann nahm aber das Pfingstfest seinen geplanten Verlauf; der Baum wurde aufgestellt, Eier gesammelt und abends traf man sich zum Eierkuchenessen.

Auch in Pleiserhohn war die Kapelle der Treffpunkt für die fleißigen Eiersammler. Rira - röschen, Rosen das sind Blümelein, alles muss verzehret sein - so die hochdeutsche Fassung des auf Platt gesungenen Refrains - erschallte vor den Haustüren und bis 18.00 Uhr hatte man reichlichst Proviant zusammengetragen. Gebacken wurden die Pfingsteierkuchen dann am Sonntag, wo auch Spiele für Groß und Klein angeboten wurden und im Festzelt bis in die Nacht gefeiert wurde. Wiederbelebt wurde der Pfingstbrauch auch in Sand, wo sich über 100 Bewohner trafen, um auf der Festwiese, die an das Grundstück vom Geschäftsführer des Bürgervereins Königswinter-Ost angrenzte, zu feiern. Mit einem selbstverfassten Eiersong war man bereits am Freitag zum Eiersammeln aufgebrochen und hatte neben 600 Eiern auch jede Menge Speck und Euro erhalten.

Der Pfingstbaum prangte dann am Samstag über der Festwiese und war aufgrund seiner Beleuchtung weit sichtbar. Das lockte wohl auch Baumräuber an, die aber von der eigens aufgestellten Wache in die Flucht geschlagen werden konnten. Mit einem Debüt gastierten die „Drei Daddys" mit Sängerin Jenny, und die Kindertanzgruppe 'Die wilden Engel von Königswinter Ost' formierte sich. An der Zapfanlage kämpfte äußerst erfolgreich Matthias Nussbaum gegen den Durst der vielen Besucher unter denen auch erfreulich viele Neubürger waren, wie vom Vorstand angemerkt wurde. In Bockeroth hatten die Männer auch bereits am Samstag Eier und Speck gesammelt, wo sie am Abend auch gleich in der Küche der Gast-stätte "Op de Hüh" verbraten wurden, um den eigenen Hunger zu stillen. Für die Dorfbe-wohner hatte man am Sonntag am Milchbock eingeladen und verarbeitete den Rest der über 1.200 Eier ‚open-air‘ zu Eierkuchen.

Beim Tambourcorps Oelinghoven gab es beim traditionellen Pfingstfest im Dorfgemeinschafts-haus eine besondere Ehrung für die Mitglieder Günther Zobel und Berthold Koch, die beide seit 50 Jahren dem Tambourcorps angehören. Die Ehrennadel in Gold und einen Brief konnte ihnen Rudolf Krämer, der Ehrenvorsitzende des Volksmusikerbundes überreichen. Bereits um 11.00 Uhr startete man mit dem Frühschoppen und gegen 13.00 Uhr sorgte der MGV Oelinghoven für ein schmissiges Musikprogramm. Chorleiter Karl-Josef Dreckmann, der am Vortag seines 70. Geburtstages stand, ließ alle Lieder vom Siebengebirge und Oelinghoven erschallen, die der Chor im Repertoire hatte. Tombolalose gingen reißend weg, stand doch als Hauptgewinn eine Wochenendreise nach Paris mit Varietebesuch als Hauptpreis bereit. Am Abend sorgte die Band ‚Come on‘ für Stimmung und die Auftritte des Männerballetts ‚Die Lollies‘ und der Showtanzgruppe ‚Sweetkisses‘ sorgten für ein übriges.

Eine weitere traditionsreiche Station war für den überall rundreisenden Bürgermeister Peter Wirtz dann der Paiaskampf in Stieldorferhohn. Hier hatte Junggesellenverein und Dorfjugend am Samstag zum Eiersammeln aufgerufen und am Abend fand der gemütliche Abend mit Tanz in der Scheune des Höhnerhofs statt. Am Sonntag war der Paiaskampf, der wieder einmal sehr martialisch ausgetragen wurde, und nur gegen ein großzügiges Getränkegebot konnte der Dorfpaias von den Junggellen ausgelöst werden. So sehr sie sich auch beim Seilchenspringen, Wettsägen und -trinken bemüht hatten, die harten 'Männer' konnten sie nicht besiegen. Für die Kinder hatte Monika Kurenbach wieder ein tolles Belustigungspro-gramm zusammengestellt. Während die Kleineren auf dem Höhnerhof bei Käsebrett, Nagelklopfen, Eierlauf, Klammertierchen, Köpfe umwerfen und Negerküsse essen ihre Punkte sammeln konnten, um eine kleine Überraschung zu ergattern, hatten die Größeren ein mindestens ebenso tolles Angebot im Hof von Jacques und Elli Gartz vorgefunden. Hier konnten sie ihre Geschicklichkeit am Schwebebalken, beim Pfeilewerfen, Kricket und Wasser-tragen unter Beweis stellen. Ein Spiegelkasten und die Black Box standen ihnen für weitere Spiele ebenfalls zur Verfügung. Montags wurde zum Ausklang des Pfingstfestes noch ein Frühschoppen durchgeführt und jeder konnte sich am Kinderflohmarkt beteiligen.“

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 24 vom 09.06.2004
Zur Verfügung gestellt von
Friedrich Müller
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Brauchtum Presseberichte Presseberichte 3 (ab 2001)
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