Aufnahme: 1989

Georg Wilhelm aus Oberpleis schuf Siebengebirgslied

st. Seit knapp einem Jahr lebt der Komponist und Arrangeur Georg Wilhelm in Oberpleis, nachdem er aus der DDR in den Westen übersiedelte. Und schon komponierte er ein Siebengebirgslied auf seine neue Heimat, in der er sich mit seiner Frau recht wohl fühlt. Georg Wilhelm schuf sowohl den Text als auch die Musik zu „Siebengebirge, Siebengebirge, ewig halt ich dein Bild in meiner Hand. Siebengebirge, Siebengebirge, Nordrhein-Westfalen, schönes Heimatland." „Dort, wo Rhein und Sieg leis ineinander fließen, wo die Berge betten Königswinter ein, wird der Drachenfels dich aus der Feme grüßen, blickst du hinauf zum Berg von unserem Vater Rhein." Georg Wilhelm widmete dieses Lied der Stadt Königswinter. Bürgermeister Günter Hank dankte in einem Schreiben dem Komponisten für das der Stadt gewidmete, die Siebengebirgslandschaft besingende Lied, Hank freute sich über die Komposition. Bei einer Veranstaltung in Kürze soll das Heimatlied der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Als kleines Zeichen des Dankes ließ Hank dem Neubürger heimischen Wein überreichen. 25 Jahre war Georg Wilhelm Leiter des „Blasorchester Leipzig", wo er viele persönliche Erfolge verzeichnen konnte. Dort, in der malerischen Stadt, konnte Georg Wilhelm zahlreiche Veranstaltungen mit Gesangssolisten, Ballett, Tanzpaaren und Chören durchführen. Weit über 200 Kompositionen stammen aus seiner Feder, davon etwa 100 Märsche und ca. 50 Lieder, teils mit eigenen Texten. In den Jahren 1985 und 1987 wurde Georg Wilhelm, der jetzt hier in Königswinter die Nachwuchsmusiker der Niederdollendorfer Bläserfreunde betreut, Sieger in der „Volktümlichen Hitparade" von Radio DDR mit seinen Titeln „Diese Rose schenk ich Dir" und „Drei rote Rosen". Ende September 1988 verließ Georg Wilhelm mit seiner Frau Ingrid die DDR, dies aus politischen Gründen. Seit dem 1. Oktober 1988 ist der Komponist mit seiner Frau in Oberpleis wohnhaft. Vor wenigen Monaten bezog er eine neue Wohnung in der Wolkenburgstraße  24. „Doch", so der Freund der Bläserfreunde, „ist es schwer, im Westen Fuß zu fassen."  Im Voggenreiter-­Verlag in Bad Godesberg erscheint von Wilhelm noch in diesem Jahr eine Marschbuchausgabe und eine Ausgabe „Anleitung für Blasorchester." Erst vor wenigen Tagen erschien ein Drachenfelslied: „Dort aus der Feme, hoch auf Bergeshöhn, hoch auf Bergeshöhn, da grüßt dich der Drachenfels, bewundert anzusehen, bewundert anzusehen, wie auch mich. Schloß Drachenburg zieht dich in seinen Bann, dich in seinen Bann, Jahr für Jahr und längst vergangene Zeit wird aufgetan, Zeit wird aufgetan, wie sie war. Wir wandern, wir wandern, die Berge laden ein. Wir wandern, wir wandern zum Drachenfels am Rhein."
 
Während das Siebengebirgslied in seiner Weise Volksliedcharakter hat, fällt das Drachenfelslied in die Kategorie der Wanderlieder. Georg Wilhelm möchte seine Schöpfungen Karl Moik für den Musikantenstadl, aber auch Walter Scholz und dem Süddeutschen Rundfunk anbieten. Außer den Liedern für das Siebengebirge entstanden aus der Feder von Georg Wilhelm auch ein Lied auf die Ahr und auf die Stadt Siegburg. Eng arbeitet Georg Wilhelm auch mit Dr. Wolf Mohr zusammen. Wilhelm selbst spielt Trompete und Geige. Doch während er ein Drittel seines Notenarchivs mit in den Westen bringen konnte, blieben Trompete und Geige zurück. Zu dem reichhaltigen Repertoire gehören auch „Alpengrüße" und der „Marsch der Freundschaft". Sein erstes musikalisches Auf treten als Trompetenspieler erfolgte 1941 in Stuttgart. Nach dem Kriege musizierte er in einem englischen Offiziersclub. In Leipzig begann seine Komponistenlaufbahn. Doch enttäuscht ist Georg Wilhelm über die Stadt Bonn. Ein ihr gewidmetes Lied zur 2000-Jahrfeier ist bisher von der Stadt ungehört geblieben. „Beethoven, Uni, Bötchenfahrt, Bonn deftig oder Bonn apart: Bonn bietet vieles Tag und Nacht, Bonn hat sich toll gemacht. Der Bonner Kuß gilt aller Welt, weil aller Welt Bonn so gefällt. Drum fühlt sich wie zuhause schon längst alle Welt in Bonn!" Frau Ingrid Wilhelm ist bei der Volkshochschule Dozentin für „Schreibmaschine".

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 29 vom 20.07.1989; Text: Günther Steeg
Zur Verfügung gestellt von
Rudolf Pieper (SZ)
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