Hans Eifler dankte Pfarrer Willi Müller (Bild­mitte links) für die Führung durch St. Pankratius

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Aufnahme: 2001

Hans Eifler dankte Pfarrer Willi Müller (Bild­mitte links) für die Führung durch St. Pankratius

"Zu einer Besichtigung der katholischen und der evangelischen Kirche in Oberpleis hatte für Freitag, 20. Juli, die CDU Mitglieder, Freunde und Interessierte eingeladen.

Unter fachkundiger Führung startete man mit Pfarrer Willi Müller um 15.15 Uhr in St. Pankratius. Er führte zurück zu den Anfängen, als um 700 ein fränkischer Herrenhof auf dem Gelände entstand. Gegen 1100 wird Oberpleis als unselbstständige Propstei für 12 Mönche gegründet, deren Hauptaufgabe in der Versorgung der Abtei Siegburg mit Lebensmitteln zu sehen ist. Zur Ehre Gottes bauten sie eine so große Kirche, deren Ausmaße keine Rückschlüsse auf das Nutzungsaufkommen zulassen sollten. Heute fällt auf, dass das schlichte Langhaus mit einem sehr aufwendigen Chorraum kombiniert ist. Dies verdeutlicht, dass die Kirche in zwei Bauabschnitten erstellt wurde, die unterschiedlichen Stilrichtungen angehörten. Während das Langhaus im romanischen Stil erstellt wurde, wurden Gewölbe und Chorraum um 1220 erstellt.

Da der gewählte Untergrund nicht allzu fest ist, mussten die Chorflankierungstürme bald wieder abgetragen werden. Ob es je einen Turm über dem Verum gab, steht nicht fest und bei einer Renovierung im Jahr 1890 wurde die Sakristei zur Stützung des Bauwerks angebaut. Zur Zeit der Säkularisierung, so schilderte Willi Müller anschaulich, gingen in Oberpleis rege Tauschhandel über die Bühne. Die Propsteikirche wurde zur Pfarrkirche und die in baulich schlechtem Zustand befindliche Pfarrkirche diente mit ihrem Abbruchmaterial zum Bau einer Schule. Eine weitere Renovierung sollte im Jahr 1930 erfolgen, musste aber wegen Geldmangel verschoben werden. Als der damalige Pfarrer verkünden konnte, dass alle Schulden getilgt waren und die Renovierung beginnen könne, schrieb man September 1939 und der Zweite Weltkrieg vereitelte alle Pläne. Erst 1972 konnten entsprechende Arbeiten durchgeführt werden.

Dabei wurden bei der Bodentieferlegung Reste der ursprünglichen Tonfliesen gefunden, die rekonstruiert werden konnten und den heutigen Bodenbelag ausmachen. Beim Erdbeben im Jahr 1992 waren große Schäden entstanden, da sich der Turm in anderer Richtung bewegte als das Langhaus und ein Riesenschlitz entstand. Auch das Gewölbe hatte Schäden davongetragen. Heute ist alles wieder in ordnungsgemäßem Zustand und erstrahlt mit frischem Anstrich. Pfarrer Willi Müller wies alle Besucher darauf hin, die Krypta, für ihn 'der schönste Raum des Siebengebirges', anzuschauen. Leider ist der Raum nicht trocken zu kriegen und trotzt allen diesbezüglichen Bemühungen. Der Pfarrer machte auch noch auf den Reliquienschrein der Heiligen Felizitas und einen Reliquienaltar aus Heisterbach aufmerksam, bevor er das Altarbild, ein aus unbekannter Quelle stammendes Kunstwerk aus den Jahren 1160 bis ca. 1200 erläuterte.

Bestens informiert brach die Besuchergruppe dann auf, um die evangelische Kirche an der Ittenbacher Straße zu besuchen. Begrüßt durch Dr. Horst Hennemann erhielten die Besucher nun einen ebenso informativen Vortrag von Dipl.-Ing. Horst Eifler zur Entstehung der evangelischen Gemeinde in Oberpleis. Bis 1945 zählte man im Gebiet von Königswinter etwa 150 evangelische Christen, die von der Muttergemeinde in Oberkassel betreut wurden. Durch die Vertreibungen aus den Ostgebieten stieg die Zahl im Jahr 1947 auf 1000 Gläubige und erstmals kam der Gedanke an den Bau einer Kirche auf. 1949 - es lebten nun bereits 2000 evangelische Christen hier - kaufte man für 200 DM ein Grundstück etwa 1500 Meter vom Zentrum entfernt inmitten von Gartenland an einem nicht ausgebauten Weg. Der Preis bestimmte die Lage und am 14. Oktober 1949 wurde der Grundstein in die von Gemeindemitgliedern per Spaten gegrabene Baugrube gelegt. Hier entstand innerhalb weniger Tage die von Professor Dr. Otto Bartning in der revolutionären Technik der Fertigbauweise konzipierte 'Notkirche'.

 Insgesamt 48 solcher Kirchen wurden seinerzeit aus der Schweiz nach Deutschland gespendet. Professor Bartning, der der Bauhausbewegung angehörte, hatte mit dieser Konstruktion mit geringstem Einsatz Bauprobleme zweckmäßig zu lösen verstanden. Am 11. Dezember 1949 wurde die Kirche eingeweiht und nach einer letzten Andacht im Kinosaal von Oberpleis zog eine lange Prozession zur neuen Kirche, deren Schlüssel von Prof. Bartning persönlich an Präses Held übergeben wurde. Die Notkirche diente gleichzeitig als Gottesdienstraum und Gemeindezentrum und enthielt auch einen Wohntrakt für den Pfarrer. 1983 wurde unter Leitung von Architekt Hornschuh aus der Stieldorfer Architektengruppe ein zur Kirche passender Holzbau als Gemeindezentrum errichtet, da die Gemeinde ständig weiterwuchs und wieder einmal aus allen Nähten zu platzen drohte. 1985 wurde die Kirche in die Denkmalliste des Bezirks eingetragen und 1986 sorgfältig renoviert. Im Anschluss wartete auf die große Schar der Kulturbeflissenen, die an diesem Nachmittag viel Wissenswertes gehört und gesehen hatten, Kaffee und Kuchen im Gemeindehaus. Der Vorsitzende des Stadtverbandes der CDU, Hans Eifler, bedankte sich bei allen Mitwirkenden für ihren großartigen Einsatz."

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 30 vom 26.07.2001
Zur Verfügung gestellt von
Friedrich Müller
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