Aufnahme: 2017

Redewendungen, Schlagwörter und geflügelte Worte aus dem Oberpleiser mundartlichen Sprachgebrauch

Wörter, wie sie unsere des Pleeser Platts mächtigen Vorfahren bildhaft, derb, zutreffend, aber selten beleidigend verwendeten, die aber heute wegen der nunmehr gewachsenen Empfindsamkeit teilweise als grenzüberschreitend empfunden werden. 
  
 Ein Auszug aus dem Dialektbuch "Mem Blauch et Dörrep eraff" 
  
 Aus dem Alltag 
  
 Bloos ämm jätt 
 Blase ihm etwas auf einem Blasinstrument 
 Beachte ihn nicht 
  
 De Been en de Bùch stohn 
 Die Beine in den Bauch stehen 
 Ich habe lange warten/anstehen müssen, bis mir die Beine weh taten 
  
 De Jüedel muss änge jeschnallt weäde 
 Der Gürtel muss enger geschnallt werden 
 Kein Auskommen mit dem Einkommen 
  
 De Rämmel op de Düe dohn 
 Den Riegel auf die Türe tun 
 Die Türe mit einem Riegel verschließen 
  
 De Kröömche ussbränge 
 Familien-Kram nach außen tragen 
 Familien-Interna ausplaudern 
  
 Der rännt jede Schüez hingedrenn 
 Der läuft jeder Schürze hinterher 
 Er ist ein Casanova 
  
 Der steht met de Höhne op 
 Der steht mit den Hühnern auf 
 Ein Aufgeweckter, ein Frühaufsteher, ein alles Vorausahnender 
  
 De Sträckweich john 
 Den Streckweg, die Abkürzung gehen 
 Die Abkürzung benutzen 
  
 Doh fenge sebbe Kazze keen Muus 
 Da finden sieben Katzen keine Maus 
 Da herrscht Unordnung in höchster Potenz 
  
 Driiß de jätt 
 Scheiß dir etwas 
 Ich helfe dir nicht! 
  
 Du bess enne Ässelsdriive 
 Du bist ein Eselstreiber 
 Treib mich bitte nicht so an. Ich bin doch nicht dein folgsamer Diener 
  
 Dässhallev mäht en Kölle kenne è Fenste op 
 Hierfür macht in Köln keiner ein Fenster auf 
 Die Sache interessiert niemanden 
  
 Dohmet kamme kenne Bloomepott jewenne 
 Damit kann man keinen Blumentopf gewinnen 
 Die Argumente sind zu schwach um erfolgreich zu sein 
  
 Du bess enn Dröömdöppe 
 Du bist ein Traumtopf 
 Du passt nicht auf 
  
 Du jees me op de Jeiß 
 Du gehst mir auf den Geist 
 Verschone mich mit deinem Gerede 
  
 Du wells mech wohl op de Schöpp nämme 
 Du willst mich wohl auf die (Kehr)-Schaufel nehmen 
 Du willst mich wohl belügen/ für dumm verkaufen 
  
 Dorrech de Lappe jejange 
 Durch die Lappen gegangen 
 Aus der Jägersprache: Das Wild durchbricht die mit Seilen und Lappen gespannte Absperrung 
 Eine gute Gelegenheit wurde verpasst 
  
 Ech steeje de jlich op et Daach 
 Ich steige dir gleich aufs Dach 
 Ich werde gleich (für dich unangenehm) gegenargumentieren und dich zurechtweisen 
  
 Emm Bottedöppe dutdohn 
 Im Butterfass totarbeiten 
 Unproduktiv arbeiten/ braucht viel zu viel Zeit zur Arbeitserledigung 

 E` Läbdaach maache 
 Ein Lebtag/einen Aufstand machen 
 Die Rüge, Schimpfkanonade übertreiben 
  
 Em Jedresse li-e 
 In den eigenen Fäkalien liegen 
 Im wohlig-warmen Bett liegend 
  
 Emm Jewatt senn 
 In der routinemäßigen Arbeitsausführung befindlich sein  
  
 Enn de Jäng komme 
 In Gang kommen 
 Umschalten von Ruhe in Aktivität 
  
 Enne op de Sack kreie 
 Einen auf den Sack bekommen
 Einen ordentlichen Rüffel bekommen 
  
 Enne Rüffel ennheimße 
 Einen Rüffel einstecken 
 Kritisiert werden und akzeptieren 
  
 Enne knalle looße 
 Einen lautes (unhöfliches) Geräusch von sich geben 
 Furzen 
  
 Er prömp se Eene 
 Er kaut auf seinem Pfriem 
 Er lächelt und denkt sich das Seine 
  
 Et ess add wedde esu weck 
 Es ist schon wieder so weit 
 Sie hat schon ein paar Kinder und ist erneut schwanger 
  
 Dii hätt et Häzz op de Zong 
 Sie hat das Herz auf der Zunge 
 Herzlich-redselige Person 
  
 Er höllt de Ei-e schneller, wii se de Höhne läje könne 
 Er holt die Eier schneller, als sie die Hühner legen können 
 Redet schneller, als sein Verstand mitkommt 
  
 Enne Kopp wii en Roothuus 
 Ein Kopf wie ein Rathaus 
 Es läuft einem alles rund im Kopf (wer soll sich das alles merken?)  
  
 Me jeht net aan de Desch, wii e` Färke aan de Trauch 
 Mann geht nicht an den Tisch wie ein Schwein an den Trog 
 Wasch dir vorher die Hände 
  
 Quallem en de Köch 
 Rauch in der Küche 
 Ärger mit der Hausfrau, die ist auf Hundert und der Mann macht sich besser aus dem Staub 
  
 Ze Fooß li-ere de Könde et John 
 Zu Fuß lernen die Kinder das Gehen 
 Immer langsam, Schritt für Schritt 
  
 Er hätt noch net enns Leck mech am Aasch jesaat 
 Er hat noch nicht einmal Leck mich am Arsch gesagt 
 Er hat mich nicht begrüßt, geschweige denn ein Wort mit mir geredet 
  
 Emm Keil senn 
 Im Keil (anderes Wort für Rage) sein 
 Übersteigert aufgeregt/ verärgert sein 
  
 Et sitt uss wii bei Hämpels ungem Sofa 
 Es sieht aus wie bei der Familie Hempel unter deren Sofa 
 Außen hui, innen pfui / die wahre Ordnung ist übertüncht 
  
 Antrieb und Nichtstun 
  
 De Mänes hann 
 Den Manfred haben 
 Man ist es leid, ist satt von der Arbeit 
  
 De Schnopp jekreeje 
 Den Schnupfen bekommen 
 Die Lust verloren 
  
 Du hässet höck wedde am Stöck 
 Du hast es heute wieder am Stück 
 Du bist heute ununterbrochen lästig, unerträglich redselig und aufdringlich 
  
 Aus der Arbeitswelt 
  
 Andere Segkte opträcke 
 Andere Seiten aufziehen 
 Die (Erziehungs)-methode wechseln, durchgreifen ist angesagt 
  
 Dämm ess de Piif ussjejange 
 Dem ist die Pfeife ausgegangen 
 Er hat Pleite gemacht 
  
 De Möpp hann 
 Den Möpp (die Unlust) haben 
 Überarbeitet, unlustig sein, die Nase voll haben 
  
 De Sack jehaue 
 Den Sack geschlagen 
 Die Arbeitsstelle gekündigt 
  
 Drennfleeje wii Färkeswellem 
 Hineinfliegen wie Schweinewilhelm 
 Wie wild loslegen 
  
 Drennjefloore wie enne Welde 
 Reingeflogen wie ein Wilder 
 Losgelegt, in die  Arbeit geflogen wie ein Wilder 
  
 Emm Jang senn 
 Zugange sein 
 Sich in der Arbeitsausführung befinden 
  
 Emm Seel hange 
 Im Seil hängen 
 Sich in Schwierigkeiten befinden (entnommen der Steinbrucharbeit in der Wand) 
  
 Er ess esu fuhl, datt-e senge eejene Schweeß net ruche kann 
 Er ist so faul, dass er seinen eigenen Schweiß nicht riechen kann 
 Er ist ein überaus arbeitsscheuer Mensch 
  
 Loss Koed scheeße 
 Lass Kordel schießen 
 Lass es kommen/ lass es weitergehen 
  
 Nohm Bärrech john 
 Nach dem (zum) Berg gehen 
 Sich zur Arbeit in den Steinbruch begeben 
  
 Ausrufe des Erstaunens 
  
 Donnekeil, datt hätt ech net jedaach 
 Donnerkeil, das hätte ich nicht gedacht 
 Fluchartiger Ausruf des Erstaunens
  
 Nu lue enns doh 
 Nun schau mal da 
 Erfreute Feststellung, dass etwas Erwartetes tatsächlich sichtbar wird 
  
 Donnewädde nochemool 
 Donnerwetter noch ein mal 
 Einfacher Fluch 
  
 Nu leck mech am Aasch /Jaadepöäzche (Gartentürchen) 
 Zitat des Götz von Berlichingen 
 Im übertragenen Sinne angewandt ist es lediglich ein Ausruf des Erstaunens 
  
 Essen und Trinken und der Alkohol 
  
 De Aasch voll hann 
 Den Arsch voll haben 
 Zustand nach überhöhtem Alkoholgenuss
  
 De Lamp aanhann 
 Die Lampe, das Licht anhaben 
 Betrunken sein 
  
 Der Weng treck ennem de Läuche enn de Söck zesamme 
 Der Wein zieht einem die Löcher in den Strümpfen zusammen 
 Es handelt sich um eine staubtrockene Weinsorte 
  
 Enne enn de Kron hann 
 Einen in der Krone haben 
 Der übermäßige Alkoholgenuss ist in den Kopf gestiegen/ er ist besäuselt 
  
 Er schleet de Been dorrecheneen 
 Er schlägt die Beine durcheinander 
 Er wankt, er schwankt, ist angetrunken 
  
 Enne setze hann 
 Einen sitzen haben 
 Schon etwas über den Durst getrunken haben/ der Alkoholteufel hat sich schon festgesetzt 
  
 Et Fäll vesuffe 
 Das Fell vertrinken 
 Brauch: Nach dem Begräbnis treffen sich die Trauergäste im Wirtshaus 
  
 Hinge de Bend jeeße 
 Hinter die Binde gießen 
 Durch den Hals (hinter den Schlips) rieseln lassen 
  
 Me drenke net mii, wii met Jewallt erenn jeht 
 Wir trinken nicht mehr, als mit Gewalt hineingeht 
 Wir saufen bis zu Bewusstlosigkeit/ aber wir wissen, wann wir aufzuhören haben 
  
 Net mii jraat luere könne 
 Nicht mehr gerade sehen können 
 Alkohol vernebelt die Sicht, die Umgebung schwankt 
  
 Datt ess jätt fü-e enne holle Zant 
 Das ist etwas für einen hohlen Zahn 
 Das ist sehr wenig, bis dieses Loch gefüllt ist Es schreit nach mehr 
  
 Ze deep ennet Jlas jeluet 
 Zu tief ins Glas geschaut 
 Zu tief ins (leere) Glas geschaut, könnte auch leicht zu viel sein 
  
 Watt me emm Suff säät, hätt me em Nöchtere jedaach 
 Was man im betrunkenen Zustand sagt, hat man im nüchternen Zustand bereits gedacht 
 Betrunkene (wie auch Kinder) sagen die Wahrheit 
  
 Vaade on Moode net wedde jekannt 
 Vater und Mutter nicht wiedererkannt 
 Vollkommen betrunken gewesen 
  
 Der süff nett nue vell, der fress och net wennech 
 Der trinkt nicht nur viel, der isst auch nicht wenig 
 Unmäßiger Partygast 
  
 Gesundheit, Krankheit, Unfall, Sterben 
  
 Ann Mettjeff ess noch keene jestorreve 
 An Mitgift ist noch keiner gestorben 
 Das einzige Gift, das förderlich ist/ sein kann 
  
 Dämm Däuvel von de Schöpp jespronge 
 Dem Teufel von der (Kehr)-Schaufel gesprungen 
 Von schwerer Krankheit genesen/ im letzten Moment gerettet worden 
  
 Doh hann ech de Ängelche senge jehüet 
 Da habe ich die Englein singen gehört 
 Ich war dem Tode nahe 
  
 Er hätt de Ohre vedrähnt 
 Er hat die Augen verdreht 
 Er hat den letzten Seufzer getan und ist verstorben 
  
 Er hätt de Korrev jekrazz 
 Er hat die Kurve gekratzt 
 Er hat sich davon gemacht  
  
 Kann sech hingerem Bonnerohm ussdohn 
 Kann sich hinter einer Bohnenstange ausziehen (ohne gesehen zu werden) 
 Ist spindeldürr oder z.B an Bulimie erkrankt 
  
 De Maijlöckche von unge besehn 
 Die Maiglöckchen von unten besehen 
 Das kann man nur, wenn man bereits begraben ist, aber dann sieht man nicht mehr 
  
 Ennet Jraas jebesse 
 In das Gras gebissen 
 Ist verstorben 
  
 Ömm de Kröckse john 
 Um die Kreuze gehen 
 Betprozession der (Trauer)-Frauen an den Kreuzstationen im Dorf 
  
 Övve de Jordan jespronge 
 Über den Fluss Jordan gesprungen 
 Ist im Reich des Todes 
  
 Schläch draan senn 
 Schlecht dran sein 
 Allgemeines Unwohlsein, oder Krankheit im fortgeschrittenem Zustand 
  
 Der häddet hinge sech 
 Er hat es hinter sich 
 Hat alle Unannehmlichkeiten überstanden oder ist bereits tot 
  
 Enn de Kess jehöpp 
 In die Kiste gesprungen 
 Wurde eingesargt 
  
 Pech gehabt 
  
 De Baach eraffjejange 
 Den Bach herunter gegangen 
 Die Aktion ist voll daneben gegangen, Betrieb/Geschäft, Vermögen verloren 
  
 Enn de Jeäsch gedresse 
 In der Gerste seine Notdurft verrichtet und die sticht
 In die Nesseln gesetzt Pech gehabt 
  
 Enn de Prell schecke 
 In den April schicken 
 Am 1. April ist lügen und verarschen erlaubt 
  
 Op et falsche Peäd jesäzz 
 Auf das falsche Pferd gesetzt 
 Beim Pferdewetten aber auch sonst im Leben die falsche Entscheidung getroffen 
  
 Voll en de Scheiße jeträdde/jesäzz 
 Voll in die Scheiße getreten oder gesetzt 
 Hat sich mit seiner Entscheidung große Schwierigkeiten eingehandelt 
  
 Prügel, Schlägerei-en, Züchtigungen 
  
 De Bozz stramm träcke 
 Die Hose über dem Hintern stramm ziehen 
 Den Hintern zwecks Prügel vorbereiten 
  
 De Hingesch vesolle 
 Den Hintern versohlen 
  
 De Uere lang träcke 
 Die Ohren lang ziehen 
 Früher übliche Strafmethode der Lehrer 
  
 Dropp wii Färkeswellem 
 Drauf wie Schweinewilhelm 
 Blindwütig dreinschlagen 
  
 E` blau Ooch haue 
 Ein blaues Auge schlagen 
 Sehmöglichkeit vorübergehend halbieren 
  
 Enne hinge de Uere jävve 
 Einen hinter die Ohren geben 
 Ohrfeige verteilen 
  
 Enne titsche 
 Eine leichte Schlag-Berührung 
 Kleiner Schlag auf den (musikalischen) Hinterkopf fördert das Denkvermögen 
  
 Ech klävve de jlich enne 
 Ich klebe dir gleich eine 
 Ohrfeige ankündigen 
  
 Am Fraaß jepack 
 Im Bereich der Gurgel gepackt 
 Am Hals gegriffen 
  
 Verstandesanzweiflungen 
  
 Beklopp senn 
 Geistig beschränkt sein 
 Ohne Verstand gesprochen oder gehandelt 
  
 Du häss de Eäz am wandere 
 Du hast eine Erbse am wandern 
 Den Verstand anzweifeln / Das bischen Verstand, das vorhanden ist, wandert auch noch 
  
 Du häss de Föhn am brause 
 Bei dir braust ein Föhn im Gehirn 
 Du bist übergeschnappt 
  
 Du häss de Kopp op  
 Du hast den Kopf auf 
 Aus diesem Loch ist dein Verstand entwichen 
  
 Domm jeboere on nicks dohzoojeli-et 
 Dumm geboren und nichts dazugelernt 
 Da ist Hopfen und Malz verloren 
  
 Dreimool sebbe alt on emme noch net jescheet 
 Dreimal sieben alt und immer noch nicht gescheit 
 Mit 21 volljährig und immer noch kein ausgewachsener Verstand 
  
 Du bruch-se net de Reihe noh 
 Du brauchst sie nicht der Reihe nach 
 Du sortierst deine Gedanken nicht logisch und richtig 
  
 Du häss enn Pann aff 
 Du hast eine (Dach)-Pfanne ab 
 Es regnet ins Gehirn und beeinträchtigt das richtige Denken 
  
 Du häss enne Fuez emm Kopp 
 Du hast einen Flatus im Kopf 
 Luft statt Gehirn im Kopf, du bist eingebildet 
  
 Du häss enne Fuel 
 Du hast einen Vogel 
 Deine Ideen sind hochschwirrend 
  
 Du häss se net all op de Pöhl 
 Du hast sie nicht alle auf den (Zaun)-Pfählen 
 Da fehlen wohl einige Abdeckhauben 
  
 Du ticks net richtich 
 Du tickst nicht richtig 
 Irgend etwas in deinen Gedanken läuft da schief 
  
 Enne Fuez enn de Kopp jesteeje 
 Ein Flatus ist in den Kopf gestiegen 
 Eine minderwertige Vorstellung hat sich bei ihm hochgeschaukelt 
  
 Mösche unge de Mözz 
 Spatzen unter der Mütze 
 Hat verrückte Ideen 
  
 Net all Tasse emm Schaaf 
 Nicht alle Tassen im Schrank 
 Leidet am Porzellan-Syndrom, es fehlt etwas im Oberstübchen 
  
 Net richtich ticke 
 Nicht richtig ticken 
 Reagiert anders als erwartet und üblich 
  
 Er lööf nävve de Schenne  
 Er läuft neben den (Eisenbahn)- Schienen 
 Denkt anders als erwartet; ist nicht ganz gescheit 
  
 Övvekandidelt senn 
 Überkandidelt sein 
 Ist überstudiert 
  
 Riif füe de Köllestrooß 
 Reif für die Kölnstraße 
 Landeskrankenhaus-Patientenanwärter (siehe Dr. Pellmann) 
  
 Se net de Reih noh bruche 
 Sie nicht der Reihe nach brauchen 
 Gemeint sind die fünf Sinne 
  
 Strüh emm Kopp 
 Stroh im Kopf 
 Siehe: Dumm geboren und nichts dazugelernt 
  
 Zom True jejange 
 Zur Trauer gegangen 
 Verschwunden, kaputtgegangen, verloren 
  
 Di-e hann se wohl ennet Jehi-en jeschesse 
 Dir hat man wohl ins Gehirn geschissen 
 Beklagung des geistigen Zustandes 
  
  
 Bosheiten und Beleidigungen 
  
 Esujätt wie du mööt vebrannt weäde, ävve bei dengem Wassekopp jeht de Ovve uss 
 So etwas wie du müsste verbrannt werden, aber bei deinem Wasserkopf geht der Ofen aus 
 Herabwürdigung des Gegenüber durch Anzweiflung des Vestandes
  
 Dänn hätt de Ässel emm Jalopp veloere 
 Den hat der Esel im Galopp verloren 
 Herkunft (Vater) unbekannt 
  
 Dänn kamme nue met de Kneifzang aanpacke                    
 Den kann man mit der Kneifzange anfassen 
 Er ist eine hygienisch unsaubere Person 
  
 De Jeeß well enne lange Steäz hann 
 Die Ziege will einen langen Schwanz haben statt ihres Stummels 
 Gemeint sind unerfüllbare Wünsche 
  
 Ech wönsche di-e de jlönije Dress  
 Ich wünsche dir eine glühende Darmentleerung 
 Sehr schmerzhaft, was da dem Gegenüber gewünscht wird 
  
 Ech wönsche di-e de Päss aan de Hals  
 Ich wünsche dir die Pest an de Hals 
 Jemanden eine schlimme Krankheit wünschen 
  
 Der ess jätt schwaach op de Bross 
 Der ist etwas schwach auf der Brust 
 Er leidet unter akutem Geldmangel 
  
 Der jlööv, watte lüch 
 Der glaubt, was er lügt 
 Er weiß dass er lügt, kann sich aber glaubhaft rüberbringen 
  
 E` Beld füe de Jötte 
 Ein Bild für die Götter / ein Bild zum ergötzen 
 Er befindet sich in einem Zustand, über den andere erheitert sind und lachen 
  
 Er ess janet esu domm, wi-e ußsitt 
 Er ist gar nicht so dumm, wie er aussieht 
 Stille Wasser sind manchmal tief. Dies ist eine anerkennende Bemerkung
 
 Ech schlare de och mol è blau Ooch 
 Ich schlage dir auch mal ein blaues Auge 
 Das ist nicht bös gemeint, im Gegenteil, ich werde dir auch mal helfen (eine Hand wäscht
 die andere) 

  
 Joot sehn kannste schlääch, ävve schlääch hüere kannste joot 
 Gut sehen kannst du schlecht, aber schlecht hören kannst du gut 
 "Höfliche" Umschreibung dessen, was man vom Gegenüber hält 
  
 Er ess ze doll, ömm met dämm Ässel ze danze, opwohl-e de Steäz en de Häng hätt 
 Er ist zu dumm, um mit dem Esel zu tanzen, obwohl der den Schwanz in den Händen hält 
 Ist offensichtlich nicht in der Lage, die Sache/Situation richtig einzuschätzen 
  
 Wo de Brosch ess, ess füen 
 Wo die Brosche (die Anstecknadel) ist, ist vorne 
 Boshafte Beschreibung eines Mädchens mit geringer Oberweite 
  
 Jäld wi Heu, nue nett esu langk 
 Geld wie Heu, nur nicht so lang 
 Er ist ein spendabler Angeber 
  
 Tiere 
  
 Datt Di-e ess bei 
 Das Tier ist bei 
 Die Ziege, das Schaf, die Kuh ist gedeckt/trächtig 
  
 De Hongk ess am kläffe 
 Der Hund kläfft 
 Dialektgemäße Formulierung für das Bellen des Hundes 
  
 De Koh steht drüh 
 Die Kuh steht trocken 
 Sie gibt keine Milch mehr 
  
 De Moll hätt jehovve 
 Der Maulwurf hat gehoben 
 Er hat in der Wiese Hügel aufgeworfen 
  
 Sonstige Aussprüche 
  
 Ech könnt-em aan de Jorjel john 
 Ich könnte ihm an den Hals gehen 
 Ich kann ihn nicht ausstehen, könnte ihm den Hals zuhalten, damit er nicht mehr redet 
  
 Ahl Schüere bränne joot 
 Alte Scheunen brennen besonders gut 
 Wenn sich ältere Menschen verlieben, entflammen sie heftig 
  
 Bässe en Pläät wii jaa keen Hoe 
 Besser ein Glatze als gar keine Haare 
 Galgenhumor eines Menschen mit Glatze
  
 Bis dohenn lööf noch vell Wasse de Baach eraff 
 Bis dahin läuft noch viel Wasser den Bach herunter 
 Es hat noch viel Zeit 
  
 Dämm ess kenne jewaaße 
 Dem ist keiner gewachsen 
 Starker Mann/Muskelprotz aber auch: Er kann keine Kinder zeugen 
  
 De Flüh hooste hüere 
 Die Flöhe husten hören 
 Ein geistig Wacher ahnt die Zukunft voraus 
  
 De Kacke ess am dämpe 
 Die Scheiße dampft 
 Die Situation spitzt sich zu 
  
 De Möll opp (möllopp) hann 
 Die Mühle auf haben 
 Dem Dame-Mühle-Spiel entnommen: ohne Hindernisse, freie Fahrt 
  
 De Penn schuere (Lausbubenstreich) 
 Den Pinn scheuern 
 Faden an Pinn des Fachwerkhauses in Schwingung bringen/grässliche Geräusche
 im Haus entwickeln 
  
 Der leäf hingem Moond 
 Der lebt hinter dem Mond 
 Er ist nicht auf dem neuesten Stand, ist ein Träumer 
  
 Der moot de Lappe affjävve 
 Der musste den Lappen abgeben 
 der Führerschein ist zumindest vorübergehend futsch 
  
 Dorrech et Hingepöäzje 
 Durch das Hintertürchen 
 Mit kleiner List, hinten herum zum Ziel gelangen (verbrämt formulieren) 
  
 Ech daach, ech kreet é Könd uss Pluute 
 Ich dachte, ich bekäme ein Kind aus Altkleidern 
 Ich dachte, ich sehe nicht richtig 
  
 Ech hatt enne Fillemreß 
 Ich hatte einen Filmriss 
 Ich kann mich nicht erinnern, ich habe etwas vergessen (möglicherweise zu viel getrunken) 
  
 Enn de Rööf stohn 
 im Ausruf stehen 
 früher üblicher Aushang der bevorstehenden Hochzeit an der Kirchentür 
  
 Enn Stäcknool emm Heuhoofe 
 Eine Stecknadel im Heuhaufen 
 Da hilft beim Suchen nur noch der hl. Antonius  
  
 Enne enn de Pann haue 
 Einen in die Pfanne hauen 
 Jemanden verraten 
  
 Enne Fluh ennet Ue jesäzz 
 Einen Floh in das Ohr gesetzt 
 Nicht durchführbare Vorstellung oder Idee 
  
 Er ess mem Radd eruss 
 Er ist mit dem Rad raus 
 Er ist z.Zt. abwesend mit unbekanntem Ziel 
  
 Er lüch schnälle wii enne Haas loofe kann 
 Er lügt schneller, als ein Hase laufen kann 
 Er ist vermutlich ein Nachkomme des Barons Münchhausen 
  
 Et Fäld beställt 
 Das Feld bestellt 
 Für alles vorgesorgt, alles geregelt, den Nachlass geregelt 
  
 Et jeht alles de Baach eraff 
 Es geht alles den Bach herunter 
 Es geht alles daneben, Firma geht in Konkurs, Haus wird zwangsversteigert 
  
 Et Jraas waaße hüere 
 Das Gras wachsen hören 
 Weit vorausdenkend sich auf Gegebenheiten einstellen 
  
 Et wärremste Jäckche ess è Konnjäckche 
 Die wärmste Jacke ist ein Cognac 
 Alkohol wärmt besser als eine dünne Jacke, meint zumindest der Alkoholiker 
  
 Füdde Aasch haue 
 Vor den Hintern schlagen 
 Sich von etwas trennen, verscherbeln, unter Wert verkaufen 
  
 Füdde Fööß jeworrefe 
 Vor die Füße geworfen 
 Sache hingeschmissen 
  
 Füdde Pohl gerannt 
 Vor den Pfahl gerannt 
 Gegen die Laterne gelaufen. Voll aufgelaufen. 
  
 Füe Jäld krech-me Zucke en de Hingesch jebloose 
 Für Geld bekommt man Zucker in den Hintern geblasen 
 Ob das ein erstrebenswertes Ziel ist, dürfte mehr als fraglich sein 
 Wer Geld hat kann sich alles auch das Unmögliche leisten oder es fliegt ihm zu 
  
 Haal de Uere stiif 
 Halte die Ohren steif 
 Kämpfe oder reagiere nicht auf alles, was auf dich einwirkt, schone dich 
  
 Hahl dech druss, dann kresste och keene drenn 
 Halte dich heraus, dann bekommst du auch keinen rein 
 Gehe Streit und Diskussionen aus dem Wege, mische dich nicht ein. 
  
 Hätt Hoe op de Zäng 
 Hat Haare auf den Zähnen 
 Mit ihm/ihr ist nicht gut Kirschen essen 
  
 Hätt kenn Angs, kann ävve joot loofe 
 Hat keine Angst, kann aber gut laufen 
 Ist zwar vorlaut und frech, aber trotzdem ängstlich und fluchtbereit 
  
 Hattdresseje Hongk 
 Hund mit hartem Stuhlgang 
 Einer, der schwer aus der Reserve zu locken ist ( Ein Schwerenöter) 
  
 Heh spellt de Mussik 
 Hier spielt die Musik 
 Weiche nicht vom Thema ab 
  
 Jätt füe et Ooch 
 Etwas für das Auge 
 Z.B Ein Blick auf hübsche Mädchen 
  
 Jetrännt vonn Bädd on Desch 
 Getrennt von Tisch und Bett 
 In der Regel: In Scheidung lebend 
  
 Jezz witt dräckije Weisch jeweische 
 Jetzt wird schmutzige Wäsche gewaschen 
 Scheidungspalaver, Rosenkrieg 
  
 Jezz hätte ävve ussjeschesse/ ussjedresse 
 Jetzt hat er aber ausgeschissen 
 Hat sich alle Sympathien verscherzt 
  
 Kleen Keißele hann jruuße Uere 
 Kleine Kessel haben große Ohren
 Kleine Kinder hören mehr als sie sollen und verraten ungewollt Familieninterna,  
 Also Vorsicht mit dem, was du im Beisein von Kindern redest 
  
 Lööf, datt-e de Lappe veli-et 
 Läuft, dass er die Lappen/Schuhsohlen verliert 
 Macht sich schnell aus dem Staube 
  
 Luet wii e` Auto 
 Schaut wie ein Auto 
 Hat einen stierigen Blick 
  
 Maach de Schnauz zoh, et jitt Dorrechzoch 
 Mach den Mund zu, es gibt Durchzug 
 Du redest Widerwärtiges 
  
 Me senn länge duut als wii lebändech 
 Wir sind länger tot als lebendig 
 Lasst uns das Leben genießen, es ist kurz 
  
 Ech sprenge de jlich mem bläcke Aasch ennet Jeseech  
 Ich springe dir gleich mit dem nackten Hintern ins Gesicht 
 Heftigsten Widerspruch ankündigen 
  
 Et met de Woeheed net esu jenau nämme 
 Es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen 
 Ein bischen Fantasie würzt die Erzählung  
  
 Met ennem è Höhnche ze roppe hann 
 Mit jemandem ein Hühnchen zu rupfen haben 
 Eine Auseinandersetzung steht bevor 
  
 Mi-e komme jlich de Träne 
 Mir kommen gleich die Tränen 
 Geheucheltes Mitleid. Ich glaube dir kein Wort.
  
 Mi-e riiß jlich de Jedollsfaddem 
 Mir reißt gleich der Geduldsfaden 
 Treib es nicht zum Äußersten 
  
 Enne net ruche könne 
 Jemanden nicht riechen können 
 Die Chemie stimmt nicht 
  
 Noh de Mussik danze 
 Nach der Musik tanzen 
 Tun, was verlangt wird 
  
 Nue Niete jeträck 
 Nur Nieten gezogen 
 Immer die falsche Entscheidung getroffen 
  
 Omm Peäd senn 
 Auf dem Pferd sein 
 Ist übernervös- hochgereizt 
  
 Op de Hongk jekomme 
 Auf den Hund gekommen 
 Er hat abgewirtschaftet, ist abgehalftert 
  
 Op de Hüh senn 
 Auf der Höhe sein 
 er ist hellwach, er ist bestens informiert 
  
 Op dech hamme jrad noch gewaat 
 Auf dich haben wir gerade noch gewartet 
 Unerwartetes, aber nicht gewünschtes Hinzukommen einer weiteren Person 
  
 Op et veki-ete Jleis geroode 
 Auf das verkehrte Gleis geraten 
 Vom Tugendpfad abgewichen, in ungute Gesellschaft geraten 
  
 Pass wii Fauß op et Ooch 
 Passt wie die Faust auf das Auge 
 Kommt genau hin 
  
 Sech jätt op de Mau maache 
 sich etwas auf den Ärmel machen 
 Wörtlich: Nasenschleim auf dem Arm/ gemeint: Muskeln vortäuschen, angeben 
  
 Jezz sezz-e mezzendrenn en de Scheiße 
 Jetzt sitzt er mittendrin in der Schwierigkeit 
 Aus den Problemen kommt er nicht mehr heraus 
  
 Der sezz wohl op senge Uere 
 Der sitzt wohl auf seinen Ohren 
 Er reagiert nicht auf Vor- und Ratschläge - er  will nicht hören 
  
 Vezäll me nicks vom Peäd 
 Erzählt mir nichts vom Pferd 
 Erspare dir deine Märchen 
  
 Wämme-rem de kleene Fenge jitt, net-te de janze Hand 
 Wenn man ihm den kleinen Finger gibt, nimmt er die ganze Hand 
 Bei kleinem Entgegenkommen ist Vorsicht angesagt, er könne neue größere
 Forderungen stellen 
  
 Wasse op de Möll 
 Wasser auf die Mühle 
 Jemand erhält die von ihm gewünschte Unterstützung oder Information 
  
 Watt jiss-te, watt häss-te 
 Was gibst du, was hast du 
 Sehr schnell 
  
 Weeß net woh me de Kopp steht 
 Weiß nicht, wo mir der Kopf steht 
 Hat sehr viel zu bedenken und weiß nicht wo er anfangen soll 
  
 Wöngk mem Zongpohl 
 Wink mit dem Zaunpfahl 
 Übertrieben deutliche Anmerkung, die zwar verklausuliert ist, aber jeder sofort versteht 
  
 Fi-et wii enn jesängkte Sau 
 Fährt wie ein angesenktes Schwein 
 Fährt und rast wie ein Verrückter 
  
 Zesamme en ee Kühlche jepiss 
 Zusammen in eine Kuhle gepinkelt 
 Zwei sind zusammen jung gewesen und haben Gemeinsames erlebt und handeln
 auch weiter so
  
 Zomm Schänzche maache 
 Zur kleinen Schanze machen 
 Zum kleinen Bündel (Anstochholz) herabwürdigen 
  
 Zwei wii Kopp on Aasch 
 Zwei wie ein Kopf und ein Hintern 
 Zwei Unzertrennliche mit immer einhelliger Meinung und gleichem Tun 
  
 Bei di-e hätt wohl de Bock jehäck 
 Bei dir hat wohl der (Ziegen/Schafs)-Bock geboren (Junge bekommen) 
 Für Dritte unerklärlicher Geld- und Vermögenszufluss 
  
 E`  Donnewädde losslohße 
 Ein Donnerwetter (Schimpfkanonade) loslassen 
 Eine Standpauke halten 
  
 Weä lüch, muß e`joot Jedächniss hann 
 Wer lügt, muss ein gutes Gedächtnis haben 
 Damit er sich nicht verplappert und in Widersprüche verwickelt 
  
 De Bozz eraff looße 
 Die Hose herunterlassen 
 Skatausdruck beim Null-ouvert/  Die Wahrheit bekennen 
  
 Datt Könd hätt seällevs fü-em bloe Deuvel keen Angs 
 Das Kind hat selbst vor dem blauen (dem evangelischen) Teufel keine Angst 
 Das Kind hat niemals Angst selbst vor dem schlimmsten "Buhmann" 
  
 En de Wärkeldaach ki-ere 
 Sonntagskleider werktags anziehen 
  
 Füe dech (dänn) hann ech mè  de Aasch opjeresse 
 Für dich habe ich mir den Hintern aufgerissen 
 Ich habe uneigennützig mehr getan, als von mir erwartet oder verlangt wurde 
  
 Su lang der Hüh aanhällt 
 So lange der Hype anhält 
 So lange die Hochstimmung, die Begeisterung, die Erfolgsserie anhält 
  
 Wänn-e seng Tue dropp hätt 
 Wenn er seine Tour drauf hat , seine Eigenheit auslebt 
 Dann ist er stur, eigensinnig und unausstehlich 
  

Quelle
Ein Auszug aus dem Dialektbuch: "Mem Blauch et Dörrep eraff"
Räume & Galerien
Mundart
Aufrufe
775

Etwas zu ergänzen?

Kennen Sie abgebildete Personen, das Jahr oder Hintergründe zu diesem Bild? Schicken Sie uns einen Hinweis – wir prüfen ihn und ergänzen das Objekt.