Aufnahme: 1991
Christian Bellinghausen feiert heute seinen 100. Geburtstag
Seine Banker-Karriere begann im zarten Alter von fünf Jahren
AK Bad Godesberg. Ein fröhliches Funkeln in den Augen, ein schelmisches Lächeln auf den Lippen: „Als ich auf die Welt kam, da dachte noch niemand an Sie." Wohl wahr. Christian Bellinghausen wurde heute vor 100 Jahren, am 24. Juni 1891, in Oberpleis geboren.
Die funkelnden Augen und das Lächeln scheinen feste Bestandteile seines Gesichts zu sein, denn beides verändert sich nicht, als er von seinen ersten Schritten ins Berufsleben erzählt: „Mit fünf Jahren habe ich bei der Raiffeisenbank in Oberpleis angefangen." Nach einer kleinen Kunstpause (Lächeln!) erläutert Bellinghausen diesen ungewöhnlichen Beginn seiner Banker- Karriere. Der Vater war Gastwirt und gleichzeitig Geschäftsführer der Bank, die die Scheune der Bellinghausens als Lager für Kunstdünger und Futtermittel nutzte. Klein-Christian betätigte sich von Zeit zu Zeit als „Lagerarbeiter", gab den Bauern an, was sie aus dem Raiba-Lager verlangten.
Der nächste Schritt auf der Karriere-Leiter war der Aufstieg zum „Geldboten". Der vier Jahre ältere Bruder Peter sollte auf Geheiß des Vaters einen Umschlag mit Geld zur Post bringen („Für diese Summe würde man heute einen Panzer- wagen einsetzen."). Doch der vergnügte sich lieber auf dem Hof, gab den Umschlag an Christian weiter, der ihn schließlich zur Post brachte. Wieder das Lächeln.
Wann er schließlich offiziell bei der Raiffeisenbank angefangen hat, weiß der 100jährige nicht mehr genau: „Irgendwann nach der Schul- zeit. Aber da hatte ich schon öfter in der Geschäftsstelle mitgearbeitet." Der Übergang war also fließend. Und der weitere Berufsweg vorgezeichnet. 1956 ging Bellinghausen als Geschäftsführer „seiner" Bank in Pension, vertrat aber anschließend für neun Monate den erkrankten Leiter der Filiale Oberbachem.
1956 war auch das Jahr seines Umzugs nach Rüngsdorf. Damals bezog der Vater dreier Kinder mit seiner Frau Gertrud (Hochzeit: 1927) ein Haus in der Ubierstraße. Zwischen 1960 und 1976 kümmerte er sich als Kirchenrendant unter anderem um die Finanzen der örtlichen Gemeinde. Erst vor wenigen Monaten siedelte er in das Mehlemer Haus seiner jüngsten Tochter Luzia um.
Die Frage nach einem herausragenden Ereignis in seinem langen Leben beantwortet Christian Bellinghausen mit einer Gegenfrage:
„Sie haben doch gesehen, daß ich gehen kann?" Ohne auf Antwort zu warten, fährt der Jubilar fort: „Wegen einer Krankheit wurden mir beide Füße amputiert." Und dann ist da wieder dieses strahlende Lächeln. Er bewegt sich unauffällig, geht ohne Stöcke. Ich bin früher sogar Rad gefahren. „Und das waren nicht diese Rennmaschinen mit 16 Gängen", erklärt er stolz.
Heute will Christian Bellinghausen seinen 100. Geburtstag in einem griechischen Restaurant feiern. Die älteste Tochter wird anreisen, der Sohn aus dem Kreis Wesel, sieben Enkel und zwei Urenkel werden da. bei sein. „Aber zur Feier wird wohl nicht nur die Familie kommen", meint Bellinghausen. Und wieder lächelt er.
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