Aufnahme: 1989
Eisenbahn-Erinnerungen - von Pastor Willi Müller
Wer, wie der Unterzeichnete, gleichermaßen an der Geschichte von Oberpleis wie auch an alten Eisenbahnen interessiert ist, kann an einem neuen Werk über die Rhein-Sieg-Eisenbahn (*) nicht vorübergehen. Nur die Älteren und Eingesessenen haben diese Bahn erlebt; ihnen zur Erinnerung und den Jüngeren und Neubürgern zur Information sei die
Bahn noch einmal kurz dargestellt.
Einige Jahrzehnte war das "Bähnchen“ von großer Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung unserer Heimat; der Personenverkehr schuf geradezu eine erste Verbindung zum "Rest der Welt".
Ursprung der Bahn war die Stecke Hennef - Ruppichteroth, die ab dem 27.05.1862 als Pferdebahn, ab dem 25.4.1863 im Dampfbetrieb befahren wurde. Sie war damit die älteste Schmalspurbahn Deutschlands. Sie diente zunächst hauptsächlich dem Transport von Eisenerz aus dem Raum Ruppichteroth zur Friedrich-Wilhelms-Hütte. (In Hennef wurde auf normalspurige Wagen der Köln-Gießener-Eisenbahn umgeladen.)
Der Erzbau kam aber schon in den 70-er Jahren zum Erliegen. Obwohl die Bahn danach immer noch rentabel fuhr, verloren die Hüttenbesitzer als Eigentümer der Bahn verständlicherweise das Interesse. 1885 fanden sich neue Besitzer, die nunmehr den Basalttransport aus dem nördlichen Westerwald betreiben wollten.
Es begann die große Zeit der Bahn. Neue Strecken entstanden: Hennef _ Beuel
(1891) mit Schiffsumladung in Beuel, Hennef - Asbach (1892), Niederpleis - Oberpleis (1893) - Herresbach (1894) - Rostingen (1902), Niederpleis - Siegburg (1899). Die Streckenlänge betrug schließlich 87,3 km. Die Spurweite der Bröltal-Eisenbahn (ab 1921: Rhein-Sieg-Eisenbahn) betrug 785 mm (= 2,5 rheinische Fuß). Im Jahr 1923 besaß die Bahn 40 Personenwagen, mehr als 600 Güterwagen und eine Reihe von Rollwagen zum Transport von normalspurigen Güterwagen. Unter den 20 Lokomotiven waren etliche sehr ansehnliche, vierfach gekuppelte Maschinen mit einem Gewicht bis zu 51 Tonnen.
Ein paar Zahlen zur Verkehrsleistung:
1913 beförderte die Bahn 827.000 Tonnen, 1954 waren es immerhin noch 289.000 Tonnen. Der Höhepunkt des Personenverkehrs war 1944 mit 2.818.000 Fahrgästen, das sind durchschnittlich 7.720 am Tag. Die Betriebsleistung aller Lokomotiven lag zwischen 300.000 km und 400.000 km jährlich.
Nach der Währungsreform mit Beginn des wirtschaftlichen Aufschwungs musste die Bahn der Konkurrenz der Straße weichen. Am 01.07.1951 wurde der Personenverkehr auf der Pleistalstrecke eingestellt, am 1.10.1962 auch der Güterverkehr. Als letzte Strecke wurde am 17.5.1967 der Abschnitt Eudenberg - Beuel stillgelegt. Heute würden wir uns sicher freuen, wenn wenigstens ein Teilstück der Bahn als Touristenattraktion erhalten wäre!
Autor: Pastor W. Müller
(*) Adolf Becker: Die Bröltalbahn - Rhein-Sieg-Eisenbahn
Kersting-Verlag, Niederkassel-Mondorf
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