Aufnahme: 1999
Die Landwirtschaft im Siebengebirge Anno dazumal – Von Heinz Klein 5. Teil
Das Leben und die Arbeit am Hof
Was wären diese Aufzeichnungen, ohne das Wirken einer Bauernfamilie am Hof in die Schilderungen aufzunehmen. Zumeist war die Familie nicht klein, mit eingerechnet den Altbauer und die Altbäuerin, die ihren Lebensabend auf dem angestammten Hof verbrachten. Und sie mischten noch fleißig mit, sofern es ihre Kräfte zuließen. Selbst kleine Hilfestellungen waren immer willkommen. Ansonsten waren alle, auch die kräftig heranwachsenden Jugendlichen, in den regen Betrieb eingespannt. Der Tag begann schon mit dem ersten Hahnenschrei. Die Arbeit im Kuhstall mit der ersten Fütterung und dem Melken hatte Vorrang. Das Futter war gar nicht so einseitig. Neben Heu verfütterte man Rüben, die in der hierfür bestimmten Schnitzelmaschine zerkleinert und mit Spreu oder Hexel vermischt waren. Als Grünfutter diente bis zur Heuernte frisch gemähtes Gras, Rübenblätter und auch die saftigen Stoppelrüben. Gelegentlich setzte man wegen des besseren Ertrags Zuckerschnitzel und Kraftfutter zu. Wenn das Weidegras die entsprechende Höhe erreicht hatte, trieb man Kühe und Rinder nach draußen. Während man die Kühe am Spätnachmittag zum Melken in den Stall eintrieb, verblieben die Rinder bis zur Herbstzeit auf der Weide.
Die gute Milch brachte dem Bauer wohl den besten Ertrag ein, die nach der nicht unbedeutenden Eigenverbrauchsmenge zum Verkauf gelangte. Die Nachbarn deckten sich täglich mit der Frischmilch ein und die verbleibende Menge holte ein Händler am frühen Morgen ab und brachte sie zur Milchverwertung. Im Haushalt war Milch das obligate Getränk, zumindest für die Kinder, und zum Mittagsmahl fehlte wohl selten einmal eine kräftige Milchsuppe. Die Zentrifuge und die Butterkirn waren die unabdingbaren Geräte, die regelmäßig zum Einsatz kamen. Durch das hochtourige Rotieren der Zentrifuge wurde die Milch vom Rahm oder umgekehrt getrennt. Da die Milch spezifisch leichter ist wie der Rahm, wurde sie hochgeschleudert und floß durch ein Röhrchen (Tülle) in ein bereitstehendes Gefäß ab. Der Rahm setzte sich nach unten ab und floß auch durch eine kleine Röhre ab in einen Steintopf. Während die ausgeschiedene Magermilch der Verfütterung an die Jungkälber und die Schweine diente, kam der kostbare Rahm nach wenigen Tagen der Aufbewahrung in gesäuertem Zustand in die hölzerne Butterkirn zum Buttern. Frischer Rahm kam gelegentlich als Sahne zum Verbrauch.
Nun war es die Altbäuerin, die zum Buttern in Aktion trat, denn sie hatte Zeit und Muße, die Kirn, die zum Schlagen des Rahms innen mit vier Flügel ausgestattet war, so lange zu drehen, bis die Butter fertig war. Durch das permanente Drehen bildeten sich nach und nach in der Butterkirn zunächst kleine Klümpchen. Ab dann mußte die Drehzahl entsprechend verringert werden, bis sich die Butter total verklumpte. Gut gewässert und mit Salz versetzt verwahrte man sie in Steintöpfen bis zum Gebrauch. Je nach Menge kam gelegentlich auch ein Teil zum Verkauf.
Was wäre das Buttern ohne das Nebenprodukt, die gute, wohlschmeckende Buttermilch gewesen, die nicht nur als erfrischendes Getränk begehrt war, sondern gelegentlich mit Mehl eingedickt auch als Suppe auf den Mittagstisch kam. Natürlich stellte man auch den Käse selbst her. Die einige Tage in Steintöpfen aufbewahrte und gesäuerte Dickmilch goß man in das über eine Schüssel gespannte Käsetuch, ein etwa 50 x 50 cm großes Nesseltuch. Es war grober gewebt als Leinen, und die dünnflüssige Molke konnte schnell in die Schüssel abfließen. Verrinqerte sich die Flüssigkeit, band man das Tuch an den vier Ecken zusammen und hing es mit Inhalt auf, damit auch die letzte Flüssigkeit abtropfte. Nach einer gewissen Zeit war dann der Quark gebrauchsfertig. Aber daraus ergab sich noch ein weiteres Produkt. Den Quark ließ man nämlich zu halbfestem Käse reifen (im Volksmund fauler Käse genannt). In diesem Zustand kam er zum Verbrauch und war nach Zusatz von Pfeffer, Salz und Kümmel ein wohlschmeckendes Nahrungsmittel.
Der Eigenverbrauch wurde durch die Hausschlachtungen ergänzt, die vor allen Dingen in der Spätherbst- und Winterzeit für die Vorratshaltung durchgeführt wurden. Vorrangig schlachtete man Schweine, die man im Regelfall bis zu einem Gewicht um die drei Zentner aufzog. Dabei war das Fleisch weder zu fett noch zu mager. Geschlachtet wurde natürlich am Hof. Manchesmal war ein Nachbarsbauer mit dem Schlachten vertraut, und wenn ein solcher nicht zur Verfügung stand, beauftragte man den Dorfmetzger mit der Arbeit. Nachdem das ausgenommene Schwein einen Tag zum Ausfrieren auf einer Leiter gehangen hatte, kam es zum Verwursten. Das heißt, man zerteilte es in Schinken, Speckseiten, Koteletts und Geselchtes. Den Rest verarbeitete man zu den verschiedensten Wurstsorten. Speckseiten und Würste kamen anschließend in die hauseigene Räucherkammer zum steten Vorrat.
Nachwuchs an Schweinen gab es immer reichlich, denn eine Muttersau sorgte für den notwendigen Nachwuchs. Sie warf zweimal im Jahr bis zu zwölf kleine, niedliche Ferkel. Nachdem sie lange genug von der Sau gesäugt waren, ließen sie sich sehr schnell aufziehen und konnten im Regelfalle schon nach drei Monaten verkauft werden, nachdem für die Eigenaufzucht gesorgt war. Der restliche Bestand kam nämlich zum Verkauf an den Metzger oder aber in Privathaushalte. An Schweinefutter hat es nie gemangelt, denn es gab ja reichlich aussortierte Kartoffeln und Rüben, die aufgekocht und durch die Quetsche zerkleinert unter Zusatz von Gersten- und Roggenmehl und eventuellen Speiseresten zweimal am Tag zur Verfütterung kamen.
Fortsetzung folgt
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