Aufnahme: 1999

Die Landwirtschaft im Siebengebirge Anno dazumal – Von Heinz Klein - 4. Teil

Das gedroschene Getreide, zunächst noch zum Trocknen aufgeschüttet, diente dem Kleinackerer als Eigenbedarf. Gerste als Futter für das Kleinvieh, Roggen brachte man zum Bäcker, der als   Gegenwert über die Zeit eine entsprechende Menge Schwarzbrot lieferte. Diese Form des Broteinkaufs machten sich    natürlich auch die Bauern zu eigen. Beim Einkauf erfolgte der Eintrag beim Bäcker in eine Kladde und beim Verbraucher in ein kleines Notizbuch. Nachdem die angelieferte Getreidemenge verbraucht war, erfolgte die Bezahlung eines vom Bäcker vorgegebenen Backlohns. Den Weizen ließ man in der örtlichen Mühle zu feinem Mehl vermahlen. Damit war man für eine geraume Zeit versorgt.

Auch der Bauer ließ einen Teil seiner Weizenernte in der Dorfmühle verarbeiten. Die beim Vermahlen anfallende Kleie kam auch dem Vieh zugute, wie auch der zuletzt geerntete Hafer, vor allem als Kraftfutter für die Pferde. Das überschüssige Getreide wurde natürlich verkauft, denn schließlich mußte auch Geld in die Kasse. Nachdem die Getreidefelder abgeerntet waren, fuhr der Bauer den inzwischen hoch angehäuften Mist, wie auch Jauche, als Naturdünger auf die Äcker. Zumeist verteilten Frauen den Mist, wie schon erwähnt, mit der Mistgabel über das Feld, der dann eingepflügt wurde.

Inzwischen war das Gras wieder gewachsen, sodaß man zur zweiten Heuernte schritt. Dieses Gras nannte man Grummetheu. Nach diesem zweiten Schnitt konnte die Wiese mit Jauche ge­düngt werden, nachdem die Felder schon eine Menge aufge­nommen hatten. Nun stand die Kartoffelernte an, die auch mit recht viel Arbeitsaufwand verbunden war. Schon in aller Frühe zogen die Bauern mit dem Schälpflug zum Acker, über den manchmal noch die letzten Nebelschwaden zogen. Die Kartoffeln wurden Furche für Furche aus der Erde gestülpt. Beim Eintreffen der Leser war schon eine große Fläche gerodet und die begehrten Erdfrüchte lagen schon etwas angetrocknet zum Auflesen auf dem Acker. Die Helfer lasen sie in Eimer oder Körbe, nachdem sie von restlicher Erde befreit worden waren. Schließlich wurden sie in die be­reitstehende Schlagkarre geschüttet. Jeweils gut beladene Karren fuhr man zwischenzeitlich zum Hof. Daß die Bäuerin zu den Pausenzeiten ein kräftiges Frühstück und ein ebenso schmack­haftes Mittagessen zum Feld schaffte, verstand sich von selbst. Durch die Arbeit in der frischen Luft gab es den richtigen Appetit, der zum tüchtigen Zugreifen animierte. Zwischen drei und vier Uhr gab es dann noch einmal kräftige Pausenbrote und Kaffee. Als Abendbrot kam der schmackhafte Reibekuchen auf den Tisch, der am vollbesetzten Tisch nach der harten Arbeit bestens mundete. Damit schloß ein arbeitsreicher Tag, der sich so oft wiederholte, bis die ganze Ernte eingebracht war.

Kleinackerer, die je nach Fläche beim Roden keinen Bauer in Anspruch zu nehmen brauchten, machten die Kartoffeln manuell aus. Das geschah nach dem Abmähen des halbwelken Kartoffelstrohs mit dem Karst (Kaarsch), einer zweizahnigen Hacke. Von Familienangehörigen aufgelesen schaffte man die Kartoffeln je nach Menge mit einem Handwagen nach Hause. Bei größerer Menge nahm man den Bauer zum Abtransport in Anspruch. In späterer Zeit mußten die Kartoffeln beim Bauer, wie auch beim Kleinerzeuger verlesen werden. Man las kleine und beim Roden angekitschte Kartoffeln zur Verfütterung an das Vieh aus. Nach­ dem man genügend Vorrat für den Eigenverbrauch eingekellert hatte, ging der Rest in den Handel, vornehmlich direkt zum Verbraucher.

Schließlich standen noch die Futterrüben und Zuckerrüben auf dem Acker, die im Erntezyklus fehlen. Sie wurden von Helfern ausgerupft und in lange Reihen gelegt. Anschließend mußten sie mit dem Spaten entlaubt werden. Über das Feld verteilt schichtete man die Rüben zu Haufen, die man zunächst mit den Blättern wegen der beginnenden Nachtfröste abdeckte. Denn den gesamten Ertrag konnte man natürlich nicht im Rübenkeller unterbringen, weshalb man nach und nach die Rüben heimbrachte. Die größere Menge aber brachte man auf dem Rübenacker oder auf einem dem Hof nahegelegenen Acker in Mieten unter. Die Rüben häufte man auf und bedeckte sie mit reichlich Stroh und dann mit Erde, damit sie nicht einfroren. Erst wenn der Rübenkeller sich leerte, wurden sie zum Hof eingeholt.

Zuckerrüben pflanzte man erst seit dem Zweiten Weltkrieg an. Deren Ernte erfolgte erst im späten Herbst bis in die anfängliche Winterzeit, genau wie die Rübenernte. Zuckerrüben kamen allerdings weniger zum Eigenverbrauch, sondern man transportierte sie direkt zur Zuckerfabrik.

Die Obsternte sei nicht unterschlagen. Das Obst erntete man natürlich zur entsprechenden Reifezeit und begann damit schon im August, zwischenzeitlich der üblichen Erntearbeiten. Die Zwetschen reiften erst zur späteren Zeit und gingen in größeren Mengen in den Handel. Sie wurden hier im Raum viele Jahre lang von einem Händler mit Pferd und Wagen zum Bonner Markt verfrachtet. Aber auch im Haushalt fanden sie beste Verwendung. Einmal wurden sie zu gut schmeckendem Mus verarbeitet und zum weiteren weckte man sie ein, auch in Bindehäfen. Das wa­ren größere Glastöpfe, in die man die Zwetschen in einer gezuckerten Essigbrühe (wegen der Haltbarkeit) als Nachtisch oder als Zugabe in die Milchsuppe, aufbewahrte. Und schließlich waren da noch die wohlschmeckenden Trockenpflaumen, die man im eigenen Backofen dörrte. Und am Ende mußten auch noch die spät reifenden Äpfel und Birnen gepflückt werden. Dabei gab es Sorten, die erst nach zeitgemäßer Lagerung um die Weihnachtszeit reif waren. Letztlich erntete man noch Nüsse vom zumeist in Hofnähe stehenden Nußbaum. Damit ist nun das gesamte Erntegeschehen erfaßt.   

Fortsetzung folgt

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Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 21 vom 27.05.1999; Fotograf unbekannt; Bericht: Heinz Klein
Zur Verfügung gestellt von
Rudolf Pieper (SZ); Friedrich Müller: Foto Kartoffelernte heute - Rheinkiesel Seiten 6 und 7; Die Kartoffel
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Agrarbereiche Presseberichte Presseberichte 2 (ab 1990 bis 2000)
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