Besichtigung des landwirtschaftlichen Anwesens von Michael Dahm

Abgebildete Personen

Aufnahme: 1996

Besichtigung des landwirtschaftlichen Anwesens von Michael Dahm

"42 Liter Milch für einen Haarschnitt! Förderkreis informierte sich bei Michael Dahm

Für ein 40-Pfennig-Weißbrötchen bekommt der Landwirt für Mehl, Hefe und Wasser nur zehn Prozent, nämlich 4 Pfennig. Er muss drei Liter Milch für einen Liter Benzin, neun Liter Milch für eine Packung Zigaretten und sogar 42 Liter Milch für einen Haarschnitt verkaufen. Das bekamen Politiker und Oberkreisdirektor Fritjof Kühn bei einer Informationsveranstaltung des Förderkreises der Landwirtschaft im Rhein-Sieg-Kreis und der Stadt Bonn im landwirtschaftlichen Betrieb von Michael Dahm in Uthweiler zu hören. An der Veranstaltung nahmen auch Vertreter des Kreistages und des Rates der Stadt Bonn, Bundes- und Landtagsabgeordnete und von der Stadt Königswinter Bürgermeister Herbert Krämer und Stadtdirektor Heinz-Martin Bernert teil.

Michael Dahm bedauerte, dass der Milchpreis von 70 Pfennig im Jahr 1988 auf nunmehr 51 Pfennig gesunken sei. Das bedeutet bei seinen 60 Kühen und einer Milchproduktion von 5700 Litern einen jährlichen finanziellen Verlust von 60000 DM. Der Bauernbetrieb Dahm bewirtschaftet 60 Hektar, davon 20 mit Ackerland und Winterweizen und 40 Hektar Grünland. 300 Hühner bevölkern den Hof. Mit den Landwirten Johann Nietzer und Felix Bäßgen werden die Flächen mit modernen landwirtschaftlichen Maschinen in Gemeinschaft bearbeitet. Wie Michael Dahm ausführte, muss er praktisch rund um die Uhr arbeiten. Er verbringt allein täglich 4 1/2 Stunden in den Stallungen und acht Stunden auf dem Feld und kann es sich nicht leisten, wie in anderen Berufen nach festen Zeiten zu arbeiten.
Franz Wissmann, Vorsitzender der Kreisbauernschaft begrüßte die landwirtschaftlich Interessierten.

Er betonte, dass man gerade das Anwesen von Elke und Michael Dahm sowie den Altenteilern Josefine und Michael Dahm ausgewählt habe, weil dieser Betrieb im rechtsrheinischen Rhein-Sieg- Kreis eine für die Gegend typische Landwirtschaft betreibe. Elke Dahm ist zudem Vorsitzende der Königswinterer Landfrauen und ihr Mann Vorsitzender der Ortsbauernschaft Königswinter. Die Eheleute Dahm sind seit 2 Jahren Direktvermarkter und bieten ihre Produkte auf dem Hof an. Wissmann hob hervor, dass im Betrieb Dahm die Methoden des integrierten Pflanzenbaus schon seit Jahren angewendet werden. Oberkreisdirektor Kühn und Bürgermeister Krämer sagten, dass sowohl der Kreis als auch die Stadt sich für den Erhalt der Landwirtschaft einsetzen wollten, soweit es in ihren Kräften steht. Krämer fügte noch hinzu, dass 53 Prozent des Stadtgebietes landwirtschaftlich genutzt würden.

Elke Dahm gab einen Situationsbericht über ihren Betrieb und die Landwirtschaft im allgemeinen. Der Preisverfall bei nahezu allen landwirtschaftlichen Produkten habe in diesem Jahr neue Dimensionen angenommen. Schuld an der katastrophalen Entwicklung seien in entscheidendem Maße das Währungsdesaster und die BSE-Diskussion. Elke Dahm weiter: „Aussagekräftig ist die Entlohnung der Familienarbeitskräfte. Während der Stundensatz Anfang der 90er Jahre noch 17 DM betrug, arbeitet die landwirtschaftliche Unternehmerfamilie bei der momentanen Preissituation im Milchbereich für weniger als zehn Mark die Stunde.

Wie bei der Informationsveranstaltung zu erfahren war, kann der Obstanbau 1996 als zufriedenstellend bezeichnet werden. Der Gemüseanbau litt unter Frostschäden beim Wintergemüse. Weit gravierender wirkten sich jedoch die Absatzschwierigkeiten aufgrund eines europaweiten Überangebotes an Gemüse aus. Im Zierpflanzenbau konnte man ein zufriedenstellendes Ergebnis verzeichnen. Für 100 kg Weizen bekam der Landwirt 1982 noch 50 DM, heute nur noch 23 DM, für die gleiche Menge Gerste statt 43 DM nur noch 22,75 DM und für 100 kg Rindfleisch statt 465 DM heute nur noch 328 DM."

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 44 vom 31.10.1996
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Friedrich Müller
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