Aufnahme: 1996
Landwirte informieren sich auf dem Anwesen Bäßgen
"st. Das Hauptinteresse von etwa 40 Landwirten und Führungskräften der Landwirtschaftskammer Rheinland so wie des Ministeriums für Umwelt, Raumordnung und Landwirtschaft als Veranstalter richtete sich im landwirtschaftlichen Betrieb Felix-Peter Bäßgen auf die Vorführung einer neuen Direktsaatmaschine. Diese ist seit dem vorigen Jahr im Handel, wird aber in der hiesigen Gegend noch kaum benutzt, weil die Flächen der landwirtschaftlichen Betriebe zu klein und dafür die Maschine zu teuer ist. Sie kostet runde 60.000 DM und wirft das Saatgut aufs Feld, ohne dass der Boden vorher nach der letzten Ernte der verschiedenen Getreidesorten bearbeitet oder gepflügt wurde.
Die Saat keimt genau so auf wie bei einem bearbeiteten Acker. Allerdings hat die Arbeit in diesem Frühjahr durch den extrem langen Winter und die Kühle im Frühjahr einige Wochen später begonnen. Der Betrieb Bäßgen liegt am nördlichen Rand des Siebengebirges. Es handelt sich dort zumeist um Böden, die sich aus eiszeitlichem Löß und örtlichen Verwitterungsmaterialien entwickelt haben. In der Nacheiszeit ist der Löß entkalkt, verlehmt, zum Teil umgelagert und mit den Verwitterungsmaterialien der örtlich anstehenden Gesteine vermengt worden. Diese Böden werden als Hang- und Hochflächenlehme bezeichnet und sind mehr oder weniger erosionsgefährdet. Ihre natürliche Ertragsfähigkeit gilt aber als gut.
Wegen der Milchquote musste der Betrieb Bäßgen den Bestand an Kühen von 90 auf 70 reduzieren. 1996 wurden 17,85 Hektar mit Winterweizen besät, 8,85 Hektar mit Wintergerste und 20,28 Hektar mit Silomais. Die land-wirtschaftlich genutzte. Fläche des Betriebes beträgt 130 Hektar, davon 68 Hektar Ackerfläche und 62 Hektar Grünland. Die Milchviehhaltung in Verbindung mit dem Anbau von Getreide und Mais sowie die Grünlandwirtschaft erfordern im Betrieb Bäßgen einen überlegten und effizienten Einsatz der Nährstoffe im Stall sowie auf den Acker- und Grünlandflächen. Intensive Bemühungen setzt Bäßgen in die Reduzierung des Einsatzes von Pflanzenschutz-mitteln im Ackerbau.
Die Tagung der Landwirte und Experten begann mit zahlreichen Fachvorträgen im Tannenhof in Bellinghausen und wurde dann im Anwesen Bäßgen mit Vorführungen fortgesetzt. Die Vorträge befassten sich mit dem 'Integrierten Landbau'. Es wurde betont, dass die Entwicklung und die schnelle Verbreitung ökologischer und zugleich wirt-schaftlicher Produktionsverfahren Aufgabe der Leitbetriebe in NRW sei, zu denen auch der Wahlfelder Hof der Familie Bäßgen gehört. Seit Jahren schon ist dieser Betrieb eine erste Adresse für alle, die sich mit dem 'Integrierten Landbau' befassen. Gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer Rheinland führt Bäßgen seit annähernd zwei Jahrzehnten Versuche durch, um umweltverträgliche, erosionsmindemde Bewirtschaftungsmaßnahmen für die ackerbaulich schwierigen Flächen im Pleiser Hügelland zu entwickeln und zu verbessern. Als Mitglied der Aktion 'Landwirtschaft zum Anfassen' stellt Felix-Peter Bäßgen seinen Betrieb Besuchergruppen vor und demonstriert den integrierten Landbau in der Praxis."
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