Aufnahme: 1990

Ausschnitt einer Luftaufnahme aus den 1990er Jahren, auf der das Anwesen des Geflügelhofs Krey mit seinen Ställen gut zu erkennen ist

Drei Peter und ein Hühnerhof

Der Liebe wegen zog im Jahre 1904 der Postbeamte Peter Krey von Köln-Nippes, nach Oberpleis, baute in der Herresbacher Straße 37 ein Haus und führte dort im Nebenerwerb einen landwirtschaftlichen Betrieb mit Rindern, Pferden, Schweinen und Geflügel. Ein Siegesband, das er 1923 bei der Geflügelausstellung in Bonn mit seinem Bergischen Kräh-Hahn gewann, veranlasste ihn dann wahrscheinlich, sich stärker auf die Hühner zu konzentrieren und so begründete er im Dezember 1924 den von der Landwirtschaftskammer für die Rheinprovinz als Zucht- und Vermehrungsbetrieb anerkannten Geflügelhof Krey. 1925 baute er auf dem Anwesen mehrere fünf mal vier Meter große Ställe mit Auslauf für das Federvieh und vier Jahre später den damals größten Hühnerstall im Siegkreis, der 9 mal 24 Meter groß und wegweisend für die Bauern in der Region war.

Dieser Stall ist bis heute erhalten. Ab den 1930er Jahren gab die Familie nach und nach die übrige Landwirtschaft auf – die letzten Kühe verließen in den 1960er Jahren den Hof - und behielt neben den Hühnern nur noch die Zucht und Aufzucht von Enten, Gänsen und Puten. In seiner Freizeit engagierte sich der „Chef“ des Hühnerhofs unter anderem auch in der Kolpingsfamilie, die er 1929 mitgegründet hatte.  1937 starb Peter Krey und sein Sohn Peter, der den Hof von Anfang an mitbetrieben hatte, übernahm diesen nun. Auch Peter II gehörte der Kolpingsfamilie an und außerdem 1946 zu den Gründern der „Närrischen Gesellen“, der karnevalistischen Gemeinschaft in der Kolpingsfamilie, sowie viele Jahre zum Elferrat. Das Programm der ersten Karnevalssitzung der neuen Gesellschaft wurde 1946 im Hühnerstall der Familie Krey zusammengestellt und geprobt. 1965 regierten Peter und Alwine Krey sogar als Prinzenpaar der aus den Närrischen Gesellen hervorgegangenen Narrenzunft Oberpleis über die Pleeser Jecken.  Bereits in den 1950er Jahren, als die Konkurrenz der Züchter aus Amerika und Kanada immer schärfer wurde, gab Familie Krey die Geflügelzucht auf. Stattdessen wurden Brutmaschinen, die 24.000 Eier gleichzeitig ausbrüten können, eingesetzt.

Das Geschäft florierte und der Betrieb wuchs weiter. 1964 bauten Peter Krey und sein Sohn Peter einen 70 Meter langen Hühnerstall. 1969, ein Jahr nachdem der Vater den Betrieb an Sohn Peter übergeben hatte, kamen noch drei kleinere Ställe hinzu. Der Sohn, ein staatlich geprüfter Geflügelzuchtmeister, konzentrierte sich auf die Haltung und -vermehrung von Legehennen und entwickelte beispielsweise eine hochwertige eigene Futtermischung für seine Nutzvögel – die Sondermischung Krey aus reinem Getreide mit Paprikapulver. In dem 70 Meter langen Stall und acht weiteren etwa 25 Meter langen Ställen bot der Geflügelhof Platz für circa 6.000 Legehennen und etwa 1.200 Küken. Die Brüterei sorgte in den 1960er und 1970er Jahren regelmäßig für turbulentes Treiben auf dem Hof, erinnert sich Peter Krey junior. Denn jeden Mittwoch fand der Küken-Verkauf statt. Dann war der Hof voll von Bauern, die Küken kaufen wollten, und meist koreanischen und japanischen „Sexern“, die zunächst die Küken geschickt nach Geschlecht trennten. So wurden wöchentlich 5.000 bis 6.000 Küken verkauft. Außerdem lieferte Krey mit seinem eigenen Wagen Küken und legereife Junghennen bis nach Düsseldorf, in den Westerwald, in die Eifel, ins Münsterland und das Bergische Land. Sogar einige Kunden in Belgien und Luxemburg wurden von ihm beliefert.

Familie Krey gewann seit der Gründung immer wieder auf verschiedenen Leistungsschauen Diplome und erste Preise. Zudem wurden viele Führungen und Besichtigungen durchgeführt. So kamen in den 1970er Jahren auch Gruppen aus Äthiopien, Sambia und Indonesien, um sich über den Stand der deutschen Geflügelzucht zu informieren.

Um weitere Kunden zu gewinnen, baute Peter Krey in den 1980er Jahren einen Verkaufsraum, in dem seine Frau Marion Eier und Geflügelfleisch verkaufte, und stellte vor dem Hof den ersten Eier-Verkaufsautomat der Region auf, an dem man zu jeder Tageszeit „einkaufen“ konnte. Damals eine echte Sensation!

Die Brüterei lohnte sich mit der Zeit nicht mehr und so gab Krey sie in den 1990er Jahren auf, kaufte stattdessen die Küken für die Aufzucht hinzu und konzentrierte sich voll auf Legehennen und Hähnchenmast.

Wie sein Großvater und Vater engagierte sich auch der jüngste Peter Krey in der Pfarrjugend und im Karneval. 1968 gehörte er mit zu den Gründern des Club Hupp, der aus der Pfarrjugend erwachsen war, in den Sitzungen der Narrenzunft auftrat und jedes Jahr mit einem eigenen Motto-Wagen im Rosenmontagszug das Ortsgeschehen persiflierte. Wie sein Vater stand er bei den Prunksitzungen der Narrenzunft regelmäßig in der Bütt und trat auch 1993 mit seiner Frau Marion als Prinzenpaar der Pleeser Jecken in die Fußstapfen der Eltern. Somit regierten die beiden laut Sitzungspräsident Heinz Vogt „nicht nur über 100.000 Eier und Hühner, sondern auch über halb Plees“.

Der Betrieb erlebte auch schweren Zeiten, beispielsweise als 2005 die Vogelgrippe grassierte und niemand den Hof betreten durfte. Doch während viele andere Zuchtbetriebe schließen mussten, überstand der Geflügelhof Krey die Krisen.  

Nach dem Wechsel in den Ruhestand, verpachtete Peter Krey den Hof 2016 an Yvonne und Arnold Leven, da sich in der eigenen Familie kein Hofnachfolger fand. Doch vom Wohnhaus aus hat er den Hof immer noch im Blick.

Zur Galerie – Geflügelhof Peter Krey – siehe Link unten.

Quelle
Bildarchiv Familie Krey; Repro: Christa Gast
Zur Verfügung gestellt von
Peter Krey: Foto; Christa Gast, freie Journalistin: Firmengeschichte
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Agrarbereiche Gewerbe
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