Aufnahme: 1988
Minister Kiechle im Wahlfelderhof
"Landwirtschaft zum Anfassen — Integrierter Pflanzenbau
Bundesernährungsminister Ignaz Kiechle besichtigte in diesen Tagen den mustergültig geführten landwirtschaftlichen Betrieb mit integriertem Pflanzenbau der Familie Bäßgen, den Wahlfelderhof. Vater und Sohn Bäßgen berichteten dem Minister und seinem Gefolge über den Werdegang des Betriebes. ‚Ohne die Aussiedlung damals währen wir heute keine Landwirte mehr‘, sagten die Bäßgens. Aus der zu klein gewordenen Hofstelle in Oberpleis, eingezwängt zwischen Straße und Bahn, zog die Familie 1961 auf den neugebauten Wahlfelderhof. Ein moderner Liegeboxenstall für 88 Kühe entstand 1979. Der Betrieb wuchs von 16,7 auf 72 Hektar. Agrarpolitische Auflagen hat der Hof hart zu spüren bekommen. So ist er durch die EG-Quotenregelung auf 70 Milchkühe festgelegt, hatte aber Platz für 120. Stark verdünnt kommt die Gülle auf die Felder, da von der Freifläche am Hof, auf der sich die Herde zur Selbstfütterung aufhält, auch das Abwasser in das Güllebecken gelangt.
Ohne Maisanbau ist die Milchkuhhaltung in diesem Betrieb nicht möglich. Er ist ein Teil seiner Existenzgrundlage. ‚Neben den beinahe traditionellen Mengen- und Preisproblemen der Agrarpolitik kommt dem Problemfeld, Landwirtschaft und Umwelt eine stetig wachsende Bedeutung zu‘, betonte der Minister, der Kritik am Fernsehen übte, weil ein Redakteur beim Robbensterben die alleinige Schuld der Landwirtschaft gab. Das sei vollkommen falsch. Von den Flüssen, die ihr schmutziges Wasser in die Nordsee tragen, habe der Redakteur nicht gesprochen, auch nicht von den Kläranlagen und dem Unrat in der Luft. Kiechle begrüßte deshalb jede Initiative, die darauf gerichtet sei, die ökonomischen und ökologischen Belange noch besser als bisher aufeinander abzustimmen. Der Minister betonte weiter, dass es auch heute ohne Landwirtschaft nicht gehe, allerdings auch nicht Landwirtschaft wie zu Großvaters Zeiten. Dann müsste man den fünffachen Preis zahlen und ob wir dann genügend zu essen hätten, sei auch nicht sicher.
Die Bodenbewirtschaftung müsse so sein, dass auch unsere Enkel und deren Kinder weiterhin von der Landwirtschaft leben und sich mit den Früchten des Feldes versorgen können. Dazu seien aber auch der Pflanzenschutz und die richtige Düngung Voraussetzung. Der Umwelt- und Gewässerschutz müsse gefördert werden. Die Landwirtschaft habe derartige Forde-rungen zu berücksichtigen. Sodann begab sich der Minister mit dem Juniorchef des Wahl-felderhofes aufs Feld, wo Felix-Peter Bäßgen die Arbeitsweise auf den Fluren schilderte. Auch die Stallungen wurden besichtigt. Danach saß man noch eine geraume Zeit beisammen und diskutierte das Gesehene, wobei der Minister voll des Lobes über den Betrieb des Wahlfelder-hofes war. Er wünsche sich mehr solcher Landwirtschaften, sagte er. Im Beisein von Ignaz Kiechle wurde dann auf dem Wahlfelderhof eine Initiative ‚Landwirtschaft zum Anfassen‘ gestartet. Düngung und Pflanzenschutz, aber auch der Umgang der Landwirte mit ihren Menschen sind immer wieder Ziel meist fachlich wenig fundierter Angriffe. Obendrein wird den Bauern Untätigkeit in Sachen Umweltschutz vorgeworfen. Diesen Vorwürfen kann die Landwirtschaft jedoch klare Lösungskonzepte entgegensetzen.
Ein solches Konzept ist der ‚Integrierte Pflanzenbau‘. Mit ihm versucht man alle acker- und pflanzenbaulichen Arbeiten so aufeinander abzustimmen, dass sowohl den ökologischen Belangen der Landwirtschaft als auch den ökologischen Erfordernissen des Landbaus ent-sprochen wird. Wie dies in der Praxis realisiert werden kann, zeigen jetzt landwirtschaftliche Betriebe der Öffentlichkeit. Als erster Betrieb bot der Wahlfelder Hof, seit langem schon in der Fachwelt als beispielhaft bekannt, lehrreichen Anschauungsunterricht über integrierte Produktverfahren, wie etwa Erosionsschutz in Hanglagen. Dies wird von der Fördergemein-schaft ‚Integrierter Pflanzenbau‘ auf anderen Höfen fortgesetzt, besonders zur Unterrichtung von Lehrern, Schülern, Journalisten und Politikern."
Etwas zu ergänzen?
Kennen Sie abgebildete Personen, das Jahr oder Hintergründe zu diesem Bild? Schicken Sie uns einen Hinweis – wir prüfen ihn und ergänzen das Objekt.