Aufnahme: 1979

70 Jahre Oberpleiser Baumschulen Heinrich Lichtenberg

Am 15. Oktober 1909 gründete der Baumschulist Heinrich Lichtenberg, der Vater des jetzigen Besitzers Willi Lichtenberg, den Baumschulbetrieb, der damit in diesem Jahr bereits auf ein 70-jähriges Bestehen zurücksehen kann. Heinrich Lichtenberg, der Gründer, stammt aus Uthweiler, wo er am 3. November 1879 geboren wurde. Als Heinrich Lichtenberg seinen Betrieb gründete, beschränkten sich die Anzuchten lediglich auf Obst-Hochstämme. Der schwere Lehmboden und die klimatischen Verhältnisse  waren dafür besonders gut geeignet. Gepflügt und kultiviert wurde damals noch mit Pferden.

Die Pflanzen wurden in der näheren Umgebung mit dem Pferdewagen angeliefert, der Versand erfolgt durch die Bahn, die ja damals noch in Oberpleis dampfte. Verpackt wurde die Ware in Strohballen. Während des 1. Weltkrieges von 1914 bis 1918 ruhte der Betrieb. Als Heinrich Lichtenberg aus dem Krieg zurückkehrte, mußte  die Baumschule neu aufgebaut werden. Während der Wirtschaftskrise in den 20-er Jahren erlebte auch die Baumschule Lichtenberg eine Absatzkrise. Trotzdem konnte Heinrich Lichtenberg durch eisernen Fleiß diese Flaute überwinden und am 1. November 1924 seinen Betrieb sogar vergrößern, indem er Land in Oberpleis an der jetzigen Königswinterer Straße kaufte.

Damals bestand diese Straße noch nicht. Sie wurde erst von 1926 bis 1929 gebaut. Nachdem sie fertig war, baute Lichtenberg auch sein Wohnhaus inmitten seiner  Ländereien an der Königswinterer Straße. In den Jahren von 1929 bis 1933 verbesserte sich der Absatz,und das Geschäft fand eine guten Verlauf. 1934 baute Heinrich Lichtenberg ein Wirtschaftsgebäude mit Arbeiterwohnung und Aufenthaltsraum. Die Pflanzen - überwiegend Obst-Hochstämme - wurden damals bereits waggonweise in die Verkaufsgebiete nach Leipzig, Dresden, Breslau und Berlin versandt.

Dann kam der 2.  Weltkrieg. Der Absatz wurde geringer, die besten Arbeitskräfte wurden eingezogen. Auch der Sohn des damaligen Besitzers, Willi Lichtenberg, wurde Soldat. Heinrich Lichtenberg mußte sehen, wie er mit wenigen Hilfskräften die Arbeit erledigte. Kurz vor Kriegsende wurden Wohnhaus, Wirtschaftsgebäude und die Baumschulquartiere schwer durch Granattreffer beschädigt. Diese Schäden konnten nur nach und nach beseitigt werden.

Nach der Rückkehr aus dem Krieg im Oktober 1945 wurde der heutige Besitzer Willi Lichtenberg Teilhaber des Betriebes. Man begann sofort mit dem Wiederaufbau. Durch agrarpolitische Gesetze mußten 1945 bis 1948 wegen der kritischen Ernährungslage 80 Prozent der Anzuchtflächen landwirtschaftlich genutzt werden, und zwar größtenteils für den Getreideanbau. Rund 20 Familien zogen außerdem auf den Baumschulflächen in der wirtschaftlichewn Notzeit ihr Gemüse heran. Für die Baumschule blieb nur eine Fläche von 20 Prozent übrig. Die ersten Baumschulkulturen nach dem Krieg waren Obstbäume.

Im Jahre 1947 wurde das zweite Wirtschaftsgebäude errichtet. Im Frühjahr 1948 übernahm der jetzige Inhaber nach schwerer Krankheit seines Vaters den Betrieb. Der Gründer verstarb am 8. Januar 1949. Nach der Währungsreform im Juni 1948 mußte wieder von vorne begonnen werden. Es wurden einige tausend Obstbäume, Hoch- und Halbstämme, und Buchobst herangezogen. Am 3. Oktober 1949 legte Willi Lichtenberg die Gärtner-Meisterprüfung ab. Im Herbst 1949 wurde der erste Traktor gekauft. Das Durchfahren der Baumschul-Quartiere geschah nämlich noch mit Pferden und dem Kultivator. Die starke Ausweitung der Bautätigkeit im Siebengebirge seit Mitte der 50-er Jahre bedeutete für die Firma Lichtenberg den Anfang des Verkaufs an Private.

Ab 1954 wurde der Betrieb auf ein umfassendes Sortiment von Ziergehölzen, Allee- und Parkbäumen, immergrüne Pflanzen, Heistern und Heckenpflanzen erweitert. Bereits 1951 hatte man den ersten Lieferwagen angeschafft, mit dem die Kunden gegen einen geringen Anfuhrbetrag beliefert wurden. Vom August 1962 an wurden Rosensorten von den deutschen Züchtern Kordes, Elmshorn, Tautau und Uetersen in Lizenz genommen. Der stetige Wirtschaftsaufstieg forcierte auch den Absatz aller Baumschulgehölze. Das Pflanzenangebot für „Öffentliches Grün" und den „Privatverkauf"  wurde noch mehr erweitert. 1968 baute Willi Lichtenberg ein Kühlhaus mit Verkaufsraum und Unterstellmöglichkeit für Fahrzeuge und Maschinen. Die Firma Lichtenberg ist heute in der Lage, ein breites Sortiment zu liefern; Anzuchtmethoden und Sortimente sind stets auf dem besten Stand. WS

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 41 vom 12.10.1979; Foto und Bericht: Günther Steeg
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Rudolf Pieper (SZ)
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