Aufnahme: 1970

Adolf Dahs gestorben

Im hohen Alter von fast 84 Jahren starb am 16. Dezember 1969 bei scheinbar völliger Gesundheit der Baumschulbesitzer Adolf Dahs aus Oberpleis-Jüngsfeld. Er war in gewissem Sinn einer der letzten einer großen Gärtnerfamilie, die in den Jüngsfelder Baum- und Rosenschulen als einziges Unternehmen in Oberpleis europäischen Ruf besaß, die auch bei der ersten Ruhrländischen Gartenschau in Essen (Gruga 1929) einen vielbeachteten Garten ausstellen konnte.

Die Ländereien der Firma Dahs und Reuter zwischen den Ausläufern des Hartenberges bis nach Uthweiler, von Wahlfeld bis Gut Eisfeld, unweit Bockeroth maßen mehr als ein Quadratkilometer. In den letzten 60 Jahren, teilweise bedingt durch die großen Kriege, hatte sich der Besitz geteilt, aber Adolf Dahs hielt noch, unterstützt von seiner ebenso energischen wie liebenswerten Frau, der Oberpleiser Bürgerstochter Katharina Koch, und seinem Sohn Bernd-Wilhelm, seinen Betrieb fest in der Hand. So war er ein Mensch der kurzen, tatkräftigen Entschlüsse. Vieles dankte er seinem Vater, der um 1900 in Jüngsfeld inmitten eines Parkes ein Landhaus im englisch-viktorianischen Stil erbaute, so dass er über die engen Grenzen hinausschauen konnte.

Das bedeutete zum Beispiel im kleineren Kreise, dass Adolf Dahs mit seinem schon vor Jahren verstorbenen Bruder Heinrich in Oberpleis den Verein ‚Heimatpflege‘ förderte, der ohne die Brüder Dahs seine Ziele nicht erreicht hätte. Sie schufen aus dem krüpplig-strauchigen Gelände der unteren Hardt ein natürliches Parkgelände. Von hier aus hat man einen einzigartig schönen Blick auf Oberpleis, den Pleisbach und den mächtigen Basaltgipfel des Ölbergs. Doch bei aller gärtnerischer Fachkenntnisse und nüchterner Geschäftigkeit war Adolf Dahs ein Idealist im besten Sinne des Wortes. Nicht nur, dass er aus dem Reichtum der Baumschulen der Propsteikirche von Oberpleis jahrzehntelang den schönsten und wertvollsten Schmuck an Blumen bereitstellte, er griff mit eigener Hand zu, ordnete Forsythien, Rhododendren, Rosen, Dahlien und Astern und stellte zu Weihnachten eine mächtige Edeltanne als Christbaum auf.

Vom ersten Weltkrieg bis über den zweiten hinaus gab es in Oberpleis eine Art ,Kulturgemeinde, die zumeist im Saale Bellinghausen (Post Matthes) zeitweilig auch im Saal von Jakob Lichtenberg (Lichtenbergs Köbes), heute Apotheke am Kirchplatz, zahlreiche Volksstücke aufführte, deren Erlös caritativen Zwecken zufloss. Hier besorgte er mit unermüdlicher Phantasie die Ausstattung der Laienbühne, kümmerte sich mit den Spielleitern um die Kostümierung und Requisiten. Auch hier war die Pracht der Blumen und des Strauchwerks schier unübertrefflich. So erfreuten sich solche Theaterabende des Interesses der ganzen Gemeinde. Für ihn war die Freude der Gemeinde der schönste Dank. Ich sehe noch seine leuchtenden Augen, als er in tagelanger Arbeit das Bühnenbild zum Festspiel der Oberpleiser Tausendjahrfeier schuf. Wie groß war seine Freude, dass dieses Spiel eine ganze Woche lang aufgeführt wurde!

Man würde der Persönlichkeit Adolf Dahs' nicht gerecht werden, wenn man nicht an seine große Liebe zur Musik dächte. Bei seiner besonderen Neigung zum Klavierspiel war er viele Jahre Schüler des in der heimatlichen Musik bedeutenden Musikpädagogen und Dirigenten Theo Kurscheid aus Birlinghoven, dessen man auch in diesem Heimatblatt gedenken sollte. Mit eiserner Energie schaffte es Adolf Dahs, den Klavierpart klassischer Trios und Quartette von Mozart, Haydn, sogar Beethoven zu meistern und mit dem mit ihm so eng befreundeten, unvergesslichen Pastor Wichert und den Brüdern Meurer zu musizieren. In der neuen Kirche in Uthweiler war er unbesoldeter Organist. Er sang im Kirchenchor und im Männergesangverein Oberpleis, sogar bis wenige Tage vor seinem Tode im Bachverein Bonn bei den Konzerten in der Beethovenhalle.

So war er das Beispiel einer überragenden, vielseitigen Persönlichkeit, die sich niemals in kleinbürgerliche Zänkereien einließ, ein Mensch, der in allen politischen Wirren, die unser Dorf nicht allzu sehr in Mitleidenschaft zogen, der gütige Mensch und Vermittler. Als er alt wurde, ist es still um ihn geworden. Aber das ist der Lauf der Zeit. Ihn focht es nicht an. Manches wäre vielleicht noch nachzutragen. Eine große Gemeinde hat bei seinem Tod getrauert. Sie kann sich glücklich schätzen, Adolf Dahs so lange erlebt zu haben." 

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 3 vom 24.01.1970
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Friedrich Müller
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