Aufnahme: 1967
Obstlager der Gräflich von Spee schen Gutsverwaltung in Eisbach bei Oberpleis
"Obstanbau im Siebengebirge in Not - Schwere Unwetter im Juli 1967 richteten große Schäden an."
Der Monat Juli, einer der heißesten Sommermonate seit Jahren, mit Temperaturen von oft über 30 Grad im Schatten ließ die Herzen der Urlauber höher schlagen, brachte der Getränkeindustrie einen selten hohen Umsatz, ließ die Freibäder überquellen, kurzum, ein Sommer, wie man ihn sich eigentlich nur wünschen konnte. Leider aber gab es auch eine Kehrseite der Medaille. Durch einen fast regelmäßigen 6 bis 7-tägigen Luftdruckwechsel (die genaue geologische Bezeichnung mag berufenen Wetterexperten vorbehalten bleiben) zogen Gewitter herauf, die sich zuvor durch fast unerträgliche Hitze und Schwüle ankündigten.
Diese Hitzegewitter entwickelten sich zu stürmischen Unwettern, die fast unermesslichen Schaden anrichteten. Überschwemmungen und Brände durch Blitzeinschläge waren regelmäßig die Folge. Besonders aber wurde durch den starken Hagelschlag am Freitag, dem 14. Juli 1967 der Obstbau in und am Siebengebirge betroffen. Die Folgen dieser Wetterunbilden machen sich erst heute so richtig bemerkbar. Hagelkörner - oft kieselsteingroß - beschädigten und vernichteten zum Teil wertvolle Obstkulturen. Sie trafen die schon gut entwickelten und teilweise herangereiften Früchte - insbesondre der Äpfel und Birnen - und durchschlugen sie bis aufs Kerngehäuse.
Dies führte zu einer Fäulnis und starken Beschädigung des Obstes. Bei den Obstanbauern am Siebengebirge herrscht zur Zeit große Not. Gezwungenermaßen mussten die hagelgeschädigten Obstsorten (meistens Frühäpfel) so schnell wie möglich vermarktet werden, um eine weitere Fäulnis zu vermeiden, was wiederum eine momentane Obstschwemme auf dem Erzeugergroßmarkt mit sich brachte. Die Obstanbauer sitzen augenblicklich in der Klemme: Der Markt nimmt nichts mehr ab und die Früchte sind nicht lagerfähig.
Wir wollten uns in diesen Tagen einmal selbst davon überzeugen, in welche Notlage unsere Obstanbauern ungewollt geraten sind. Wir besuchten einen der größten Obstanbaubetriebe des Siebengebirgsraumes, die Spee'-sche Gutsverwaltung in Eisbach bei Oberpleis. In nordöstlicher Richtung von Oberpleis liegt in einem Taleinschnitt des Eisbaches der kleine Ort gleichen Namens, das Dorf Eisbach. Hinter der letzten scharfen Kurve am Ortseingang steht rechter Hand am Waldrand ein erst in den letzten Jahren entstandenes, lang gestrecktes Gebäude. Es ist das große maschinengekühlte Lagerhaus der Gräflich Spee'schen Gutsverwaltung mit einem Fassungsvermögen von ca. 2500 Zentnern Obst.
Hier unterhielten wir uns mit dem Verwalter der Gräflich von Spee'schen Besitztümer in Oberpleis, Herrn Johann Bennerscheid. Der heute fast 80jährige, aber noch sehr rüstige Eisbacher, verwaltet die großen Ländereien der Grafen von Spee. (Die Siebengebirgs-Zeitung berichtete im Sommer des vergangenen Jahres ausführlich über die lange Geschichte der Grafen von Hillesheim-Spee und deren Besitztümer in Oberpleis, (Burg Niederbach, Wahlfelder Mühle usw.)
Die Gräflich von Spee'sche Gutsverwaltung, früher reiner landwirtschaftlicher Betrieb, entwickelte sich in den letzten Jahrzehnten zu einem führenden Obstanbau-Unternehmen im Siebengebirge. Heute umfaßt der Betrieb in den Gemarkungen Oberpleis und Wahlfeld ca. 50 Morgen Edelobstplantagen. Von Johannisbeeren über Sauerkirschen und Birnen sind es vor allem Äpfel, die hier in den Obstanlagen reich gedeihen. James Grieve, Goldparmäne, Cox Orange, Golden Delicious, Roter Boskoop sind nur einige der ausgewählten Edelobstsorten.
Um leistungsfähig und konkurrenzstark zu bleiben, hat die Speesche Gutsverwaltung ihren Betrieb in den letzten Jahren erheblich modernisiert. So wurde neben Traktoren und Tiefladern eine hochmoderne Gebläsespritze angeschafft. Die große, maschinengekühlte Sortier- und Lagerhalle am Ortseingang von Eisbach ermöglichte schließlich, das Obst bis zur völligen Reife zu lagern. Der gesamte Arbeitsablauf ist auf Rationalisierung eingestellt. Die einzelnen Obstsorten werden von Frauen abgeerntet und gleich am Baum vorsortiert. Mit Tiefladern gelangt das Obst zur Lagerhalle. Während die nicht haltbare Ware sofort vermarktet wird, gelangt die lagerfähige Ernte in besonders gekühlte Räume. Erst bei Vollreife wird das Obst auf Sortiermaschinen nach Marktvorschrift in drei Qualitäten A, B und C sortiert. Die A- und B-Ware wird dabei noch einmal in 4 verschiedene Größen und Stärken unterteilt. Schließlich wird die A-Ware noch mit einem Werbekragen versehen. Per LKW werden dann die Obsterträge zum Erzeugergroßmarkt gebracht.
Zur augenblicklichen Lage der Siebengebirgsobstanbauer angesprochen, meinte Herr Bennerscheid: „Wir befinden uns momentan in einer ernsten Situation. Der Frühapfel „James Grieve", eine schön rot-gelb gestreifter, sehr saftige und würzige Apfelsorte, dessen Erntezeit jetzt ist, wurde am meisten von dem schweren Hagelschlag betroffen. Der Apfel hat an Geschmack zwar nichts eingebüßt, aber die oft daumengroßen Einschlaglöcher begünstigen eine schnelle Fäulnis. Da diese Apfelsorte außerdem keine lange Lagerfähigkeit besitzt — sie eignet sich hauptsächlich zur Kompottbereitung – müsste sie so schnell wie möglich vermarktet und verkauft werden. Der Markt aber kann diesen starken Obstanfall im Augenblick aber nicht mehr bewältigen. Unter diesen Umständen sehen wir uns gezwungen, die in der Qualität erheblich geminderte Apfelsorte zu stark herabgesetztem Preis an die Direktverbraucher zu verkaufen.“
Da bleibt zum Schluss nur noch zu wünschen, dass sich einesteils genügend Abnehmer für die leicht geschädigte Ware finden werden, und zum anderen die späteren Ostsorten, vor allem das Winterobst, sich doch noch besser entwickelt und heranreift, als unsere Obstanbauer momentan glauben.
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