Aufnahme: 2019
Haus Neuglück in Bennerscheid
"Wie kommt jemand auf die ausgefallene Idee, fast abseits und unbemerkt eine Idylle zu schaf fen, die ihresgleichen sucht? Da konkrete Beweise mangelhaft sind, kann man sich hauptsächlich nur auf mündliche Überlieferungen und gewagte Annahmen berufen. Die Vermutung liegt nahe, daß das Schlößchen in enger Beziehung zum nahen Bergwerksgelände der Grube Neuglück gestanden haben könnte. In der Karte von 1789 ist schon die Eintragung 'Altes Silberbergwerk' zu lesen. Anhand von zwei alten Lithographien, die der Flugzeugmotorenbauer und Sammler Peter Limbach aus Sassenberg dem Siebengebirgsmuseum in Königswinter zur Verfügung stellte, ist in etwa die Größe des Projekts erkennbar. Es ist bekannt, daß belgische und französische Gesellschaften die Förderung der Bodenschätze betrieben. Was liegt also näher, als zu vermuten, daß die um die Jahrhundertwende dort ansässige Gräfin de Milhaud in Verbindung mit den Bergwerkseignern gestanden haben könnte.
Um diese Dame aus edlem französischem Geschlecht ranken sich die seltsamsten Geschichten. Neben der Fischhaut, die ihrer Tochter, der Comtess Gabrielle nachgesagt wird, und dem Wasser, das diese täglich aufsuchen mußte, muß man der schrulligen Dame einen exzellenten Kunstverstand bescheinigen. Die drei Hauslehrer, die die Tochter Gabrielle unterrichteten, lassen auch keineswegs auf Armut schließen. Als der später zu Ehren gekommene Lehrer und Poet Apollinaire der jungen Comtess mehr die französische Sprache beibringen wollte, waren seine Tage gezählt.
Nach dem 2. Weltkrieg erschien in der Schule Sandseheid ein französisches Fernsehteam und suchte ein blondes Mädchen. Doris Weber aus Bennerscheid genügte ihren Ansprüchen, um die jugendliche Comtesse darzustellen. Die Dreharbeiten in und um das Schloß verliefen zufriedenstellend, so daß der Film über das Leben des Dichters Appolinaire im französischen Fernsehen ausgestrahlt wurde. Auch das deutsche Fernsehen wollte nicht zurückstehen. Das ZDF strahlte von hier einmal sein Sonntagskonzert aus. Der Ingenieur Burgmann erwarb das Anwesen, aber die Renovierungs und Unterhaltungskosten überstiegen seine finanziellen Mittel. Der Oberpleiser Cafebesitzer Heinrich Pinnen kaufte das Schmuckstück und führte einige Jahre hier einen Restaurationsbetrieb."
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