Aufnahme: 1965
Seltsame Geschichte des Hauses Neuglück - Hatte die Gräfin eine Fischhaut?
In der Nähe von Bennerscheid bei Oberpleis steht seit vielen Jahrzehnten ein eigenartiges Haus. Fledermäuse hatten lange Zeit in seinen Türmchen und Luken ein prächtiges Domizil. Bis zur Renovierung vor einigen Jahren verwehrten dichte Spinnengewebe neugierigen Blicke in das geheimnisumwitterte Innere. Tatsächlich verfügt das im Volksmund "Schloß Neuglück" genannte Anwesen über eine bemerkenswerte Geschichte. Hier lebte u. a. der bekannte französische Dichter Guillaume Apollinaire.
Das historische Waldschlößchen „Haus Neuglück", liegt nicht weit von Oberpleis entfernt, inmitten herrlicher Tannenwälder. Seit 1959 besuchen viele Gäste das vom Oberpleiser Konditor Heinrich Pinnen zu einem reizvollen Waldcafé umgestaltete Schloß, und häufig tauchen Fragen auf wie diese:
Wer war Apollinaire ? - Hatte die Gräfin eine Fischhaut?
Bis zum Jahre 1870 wurde im Raum von Bennerscheid intensiv Bergbau betrieben. Vorwiegend schürfte man nach Blei, Kupfer und Silber. Im deutsch-französischen Krieg kam der Bergbau jedoch zum Erliegen. Die mit französischem Kapital unterhaltenen Anlagen lohnten sich wohl nicht mehr. Und nun beginnt die „eigentliche" Geschichte des ursprünglich als Steigerwohnung erbauten Hauses „Neuglück", in der möglicherweise Wirklichkeit und Sage zuweilen ineinander übergehen können. Ein (vom Sklavenhandel?) reich gewordener Mann namens Hölterhoff erwarb das Gebäude und überschrieb es später seiner Tochter, die mit einem französischen Grafen verheiratet war.
Jahrzehntelang bemühte sich die durch ihre Ehe zur Gräfin avancierte Dame immer wieder die verschiedensten Handwerker und ließ von ihnen Türmchen, Erker, Veranden und skurril anmutende Gemälde anfertigen. Ein noch lebender Augenzeuge berichtete, daß sie einen auswärtigen Künstler einmal beauftragte, ein großes Wandbild zu malen. Nachdem dieser in einjähriger Arbeit das Werk fast vollendet hatte, mußte er es auf Geheiß de Gräfin wieder übertünchen und durch ein anderes Motiv ersetzen. Die extravagante Schloßherrin hatte auch das erste Auto in der Gemeinde Oberpleis. Zu ihren Tischspezialitäten zählten Froschschenkel und verschiedene Schnecken. Sie schwamm leidenschaftlich gern, und hartnäckig hat sich bis heute das Gerücht erhalten, sie habe eine Fischhaut besessen, in der Schuppen deutlich erkennbar gewesen seien.
Das einzige aus der Ehe hervorgegangene Kind, die Komteß Gabriele, wurde von einer englischen Erzieherin, einer spanischen Lehrerin (genannt „die Wespe") und dem später berühmt gewordenen französischen Dichter Guillaume Apollinaire erzogen.
Der 1880 geborene und 1918 gestorbene Franzose war mit Picasso befreundet. Wilhelm Kostrowitzky - so hieß er richtig - schrieb ursprünglich moderne volkstümliche Vagantenlieder und fand später zu den Kreisen der Kubisten und Surrealisten.
Im Jahre 1953 drehte eine französische Filmgesellschaft in den Räumen von „Neuglück" einen Film über das Leben des Dichters. Komteß Gabriele heiratete einen Griechen. Der bedeutende, ererbte Reichtum schwand mehr und mehr. Wie verlautete, soll sie im letzten Kriegsjahr (1945) einsam und vollkommen verarmt in einer Dachwohnung in Köln gestorben sein.
Geblieben ist das „Schloß Neuglück'', in dem zahlreiche, seltsam anmutende Räume mit merkwürdigen Tierbildern, französischen Wappen, vergitterten Fenstern und einer interessanten Kapelle an das vergangene Jahrhundert erinnern.
Wer in das Haus eintritt, bemerkt sogleich große Figuren der zwölf Apostel. Vor sechs Jahren hatten Diebe zur Nachtzeit den hl. Andreas entwendet. Als die polizeiliche Fahndung angelaufen war, stand die Figur eines Morgens wieder an altvertrauter Stelle im Hause.
Vielleicht wollte durch diese Begebenheit noch einmal ein seltsamer Spuk auf sein Hausrecht hinweisen, das ihm in früheren Jahrzehnten zugestanden wird.
Gleich rechts hinter dem Eingang liegt der frühere Kapellenraum mit den wertvollen Figuren der zwölf Apostel.
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