Ehepaar Elisabeth („Lisbeth“) und Bernhard („Berni“) Homscheid.

Abgebildete Personen

Aufnahme: 2025

Ehepaar Elisabeth („Lisbeth“) und Bernhard („Berni“) Homscheid.

Die Gärtnerei und das Lebensmittelgeschäft der Familie Homscheid in Eudenbach

Die Anfänge der Gärtnerei und des Lebensmittelgeschäfts Homscheid reichen zurück in die frühen 1950er Jahre. Im Jahr 1952 begann Bernhard Homscheid - mit dem Meisterbrief im Gärtnerhandwerk - in einem kleinen Gewächshaus am elterlichen Wohnhaus in der Unterdorfstraße in Eudenbach mit dem Anbau und der Pflege von Pflanzen. Unterstützt wurde er dabei von Familienangehörigen.

Kurze Zeit später erwarben Bernhard und Elisabeth Homscheid ein Grundstück in der Schulstraße 10 mitten im Herzen von Eudenbach.  Noch vor dem Bau des dort geplanten Wohnhauses wurden drei große Gewächshäuser errichteten. Ab 1955 wohnten die Eheleute mit ihren drei Töchtern dort. Das Gelände entwickelte sich rasch zu einem florierenden Betrieb mit Schwerpunkt auf der Anzucht von Jungpflanzen, dem Verkauf von Schnittblumen und der Gestaltung von Blumensträußen und floralen Arrangements – teilweise mit Blumen aus eigenem Anbau. 

Die individuelle Floristik fand auch über Eudenbach hinaus Anerkennung.  Für festliche Anlässe wie Geburtstage, Hochzeiten oder Trauerfeiern wurden individuelle Tischdekorationen, Girlanden für besondere Anlässe, Zeltdekorationen sowie anspruchsvolle Trauerfloristik gefertigt.  Auch die örtliche Erntekrone zum Erntedankfest wurde mit Homscheids Hilfe gestaltet. 

Eine Besonderheit des Familienbetriebs war die eigene Schleifendruckmaschine, mit der Elisabeth Homscheid die Schleifen für Kränze und Gestecke selbst bedruckte. Jede Schleife wurde zudem mit einer passenden Fransenborte von Hand verziert. 

Auch in der Herstellung von Papierrosen war die Familie aktiv. Anfänglich wurden die Bordekanten dieser Rosen mühsam von Hand mit einer Nadel umgeschlagen. Später kam eine handbetriebene Kreppmaschine zum Einsatz, die schließlich einen Elektromotor bekam. Seitdem engagierte sich die Familie nicht nur bei feierlichen Anlässen wie Erstkommunionen und Hochzeiten, sondern auch für die Papierrosen zum örtlichen Karneval bekannt.

Parallel zur Gärtnerei betrieb die Familie ein Lebensmittelgeschäft direkt im Wohnhaus. Das Sortiment umfasste frisches Obst und Gemüse, Konserven, Öllichter, Trauer- und Festtagskarten, Gartendekoration sowie Topf- und Schnittblumen. Die Kombination aus Gärtnerei, Floristik und Lebensmitteln machte das Geschäft zu einer festen Größe im Dorf – und zu einem Ort des persönlichen Austausches.

Bis Mitte der 1960er Jahre war Bernhard Homscheid zusätzlich als Friedhofsgärtner tätig. Zu seinen Aufgaben gehörte neben der Grabpflege auch das manuelle Ausheben von Gräbern. Besondere Pflege erhielt das Friedhofsgelände vor kirchlichen Feiertagen, insbesondere Allerheiligen – häufig unter Mithilfe der Familie.  

In der Vorweihnachtszeit fertigte der Betrieb handgebundene Miniatur-Tannenbäume aus frischem Tannengrün, die als Dekoration verkauft wurden. Diese Bäumchen wurden in einen Topf mit Lehm gesetzt und mit heißem Paraffin besprüht, um ihnen ein verschneites Aussehen mit etwas Glitzer zu verleihen. Auch Kränze für die Trauerfloristik wurden individuell gebunden und mit passenden Schleifen aus eigener Fertigung verziert. 
Trotz großer Hingabe und viel Leidenschaft und Mühe konnte sich der kleine Betrieb den wirtschaftlichen Veränderungen nicht entziehen. In den 1970er Jahren nahm Bernhard Homscheid eine Stelle als Postzusteller an, da die Einnahmen aus Gärtnerei und Laden nicht mehr ausreichten. 1990 wurde das Geschäft schließlich geschlossen – wie viele kleine Betriebe in der Region, die dem wachsenden Wettbewerb durch Supermärkte nicht mehr standhalten konnten. Ganz aufgeben konnte Bernhard Homscheid das Gärtnern aber nicht. Er legte nach der Geschäftsaufgabe einen großen Gemüsegarten für die Familie an. 

Auch nach Geschäftsaufgabe blieb der Einfluss des Familienunternehmens auf das Dorfleben deutlich spürbar. 
Viele Dorfbewohner erinnern sich nicht nur an die floralen Arrangements und das vielfältige Angebot, sondern vor allem an die besondere Atmosphäre, die mit dem Laden verbunden war. Man kam nicht nur um Einkaufen, sondern auch auf einen Kaffee und ein gutes Gespräch vorbei. Das Geschäft war Treffpunkt, Anlaufstelle und Ort der Gemeinschaft zugleich. Auch viele Jahre nach der Geschäftsaufgabe blieb die Familie Homscheid ein wichtiger Bezugspunkt im Dorfleben – fest verwurzelt in Eudenbach und bis heute geschätzt für ihre Herzlichkeit und ihren Einsatz für die Gemeinschaft. 

Zur Galerie: Gärtnerei / Lebensmittel Homscheid, Eudenbach - siehe Link unten.

Quelle
Bildarchiv: Familie Homscheid, Eudenbach
Zur Verfügung gestellt von
Familie Homscheid: Foto und Text
Räume & Galerien
Aus den Dörfern ringsum Gewerbe
Aufrufe
641

Etwas zu ergänzen?

Kennen Sie abgebildete Personen, das Jahr oder Hintergründe zu diesem Bild? Schicken Sie uns einen Hinweis – wir prüfen ihn und ergänzen das Objekt.