Abgebildete Personen
Aufnahme: 2019
Begegnung mit Ungeziefer in der Eisbacher Kapelle
Ja, eine solche fand statt, und zwar musikalisch: Das Ensemble Cosa Animata sang und spielte Werke aus verschiedenen Jahrhunderten von der Renaissance bis zur Gegenwart, die eines gemeinsam hatten: Sie befassten sich mit Flug-, Kriech- und Krabbeltieren. Die Musiker boten dem erstaunten Auditorium damit ein ungewöhnliches amüsant-skurriles Programm über allbekannte Plagegeister, so etwa mit dem Madrigal „Der Floh“ von Erasmus Wittmann (1572-1614), dessen Text die Menschheitsplage aus der Sicht der Frauen anschaulich schildert:
"Der Floh
Es ist ein Tierlein auf der Welt, hält sich gar gern zu'n Weiben.
Wiewohl es ihnen nicht gefällt, kann's doch kein Mensch vertreiben.
Es beißt und sticht, es hilft auch nicht, wenn man sich fest tut reiben.
Es ist ein Floh, dess' sein nicht froh die jung und alten Weiben.
Im Hemd und Kleid tun's ihnen Leid im Haus und auf der Gassen.
In Pelz und Rock sind manches Schock und plagen's auf der Strassen.
Mit großem Fleiß auf manche Weis' den Flöhen sie nachstellen,
und wenn sie's dann erhaschet han, so tun sie's weidlich knellen.
Ein Floh, ein Floh, ein Floh, ein Floh,
der beißt und sticht,
der zwickt und pickt,
der stupst und hupft,
der kreucht und weicht,
er kitzelt und bitzelt,
er krabbelt und zappelt:
Die Maidlein und die Weiblein
nicht sicher vor ihm bleiben."
Johannes Kötting sang unter anderem Ludwig van Beethovens ironisches Lied über einen sich am Königshof mit seiner Sippschaft einnistenden Floh, und Hannah Kirrinnis interpretierte Modest Mussorgskis dramatisches Lied „Der Käfer“. Einige der zahlreichen Instrumentalstücke waren der volkstümliche „geflötete“ Flohwalzer, die Frottola „El Grillo“ von Josquin des Prez (1450-1521) und „Die Motten“ von Michael Praetorius (1571-1621).
An diesem kurzweiligen Abend, dessen gespendeter Erlös der Stiftung Eisbacher Marienkapelle zugute kam, wurde reichlich applaudiert. „Im nächsten Jahr kommen wir sehr gerne wieder“, versprach die Gruppe, „aber mit welchem Thema, verraten wir noch nicht.“
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