Aufnahme: 2019
Kapelle „Maria Rosenkranzkönigin“ Oberpleis-Eisbach
„An der Stelle, wo sich oberhalb des Dorfes an einer Weggabelung jetzt die Kapelle erhebt, stand schon vor mehreren hundert Jahren zwischen zwei mächtigen Kastanienbäumen ein Heiligenhäuschen mit einem Bild der Gottesmutter. Alte Leute berichten, dass neben dem Bilde Krücken hingen zur Erinnerung an Gottes und seiner heiligen Mutter Hilfe in mancher Not. So fand auch – es war im Jahre 1844 – Peter Kirschbaum aus Eisbach in einem schweren Anliegen den Weg hierhin zur Gottesmutter. Seine Frau Anna Maria, geborene Gratzfeld, erwartete das erste Kind, und es stand bedenklich um Mutter und Kind. Da gelobte er der Gottesmutter, wenn seine Frau ihre schwere Stunde gut überstehen würde, wolle er hier zum Dank eine Kapelle bauen. Und wenn Gott ihm einen Sohn schenke und er brav und fromm bliebe und Neigung zum geistlichen Stand zeige, dann solle ihm kein Opfer zu schwer sein, um ihm das Studium zu ermöglichen und ihn als Priester Gott und seiner heiligen Mutter zuzuführen.
Sein Beten wurde erhört. Seine Frau überstand wider Erwarten glücklich ihre schwere Stunde, und Gott schenkte ihm einen Sohn, der schon in frühen Kinderjahren durch seine Frömmigkeit alle erbaute und, wie in einer alten Familienchronik zu lesen ist, bereits als drei- bis vierjähriges Kind seine Großmutter zum Heiligenhäuschen begleitete und dort von ihr die Anleitung erhielt, den Rosenkranz zu beten. Als Zwölfjähriger gestand er den Eltern, dass er nichts sehnlicher wünsche, als Priester zu werden, um sein Leben Gott und seiner heiligen Mutter ganz zu weihen. Die Eltern, Anna Maria und Peter Kirchbaum waren über diesen Entschluss ihres einzigen Sohnes überglücklich und ermöglichten ihm den Besuch des Apostelgymnasiums in Köln, von wo er nach glänzend bestandenem Abschlussexamen zur Absolvierung seiner philosophischen und theologischen Studien nach Rom ging und dort im Jahre 1869 im Deutschen Kolleg die Priesterweihe empfing.
Das ist bis dahin der Lebenslauf von Johannes Kirschbaum, ohne den die Kapelle nie gebaut worden wäre. Ich vermute, dass der damalige Pfarrer von Oberpleis, Johannes Hertel, den Weg von Johannes Kirschbaum nicht nur geistlich, sondern auch finanziell begleitet hat. Denn die Eltern Kirschbaum waren kleine Bauern, damals Ackerer genannt, für die schon der Besuch des Gymnasiums in Köln und das Geld für Kost und Logis kaum aufzubringen waren. Und das Studium in Rom, zu dem Johannes Kirschbaum vom Erzbistum Köln ausgewählt worden war, war zwar ehrenvoll, aber wohl auch mit Kosten verbunden. ‚Unterdessen‘ entstand unter schwersten finanziellen Opfern des alten Vaters Kirschbaum mit Unterstützung von Nachbarn und Verwandten an Stelle des alten Heiligenhäuschens die Kapelle, die der Rosenkranzkönigin geweiht wurde. ‚Unterdessen‘ ist die Zeit von 1844 bis 1870.
Es ist die Zeit der Vorbereitungen zum Bau der Kapelle und deren Verwirklichung. Darüber gibt es keine Unterlagen, weder Baupläne noch Baugenehmigung, trotz intensiver Nachforschungen in den Archiven der Stadt Königswinter und des Erzbistums Köln. Es gibt nur ein paar Briefe, die wegen des Baus der Kapelle geschrieben wurden, und einen zur Priesterweihe von Johannes Kirschbaum, die aber deswegen um so wertvoller und erhaltenswerter sind. Der Tag der Grundsteinlegung ist nicht bekannt, auch nicht die Stelle, wo sich der Grundstein befindet, wohl aber der Tag, an dem die Eisbacher Kapelle mit tatkräftiger Unterstützung Vieler aus Eisbach, aber auch aus den umliegenden Dörfern, vor allem aus Frohnhardt, vollendet worden war. Am 7. Oktober 1870, dem Rosenkranzfest, feierte Johannes Kirschbaum in der Eisbacher Kapelle seine Primiz, und die Kapelle wurde dadurch ihrem heiligen Dienst geweiht. Es war ein überaus großes Fest, nicht nur für Eisbach, sondern auch für die ganze Pfarrgemeinde Oberpleis. Von da an wurde in jedem Jahr das Rosenkranzfest gefeiert.
Es ist das Kirchweihfest und wird deshalb auch Kapellenkirmes genannt. Pfarrer Johannes Kirschbaum kam jedes Jahr zu diesem Fest, um in der Kapelle die heilige Messe zu feiern. Ich bin sicher, dass seitdem auch die Prozession von Oberpleis über den Bittweg zur Kapelle kommt. Nach seinem Tod übernahm Prälat Peter Buchholz gerne diese Aufgabe. Denn er liebte die Kapelle aus ganzem Herzen und sorgte für sie. Nachdem die Kapelle 80 Jahre in ihrem äußeren Erscheinungsbild nicht verändert worden war, vergrößerte Prälat Peter Buchholz die Kapelle. Zu seinem 40jährigen Priesterjubiläum 1951 entstanden die Sakristei und die Orgelempore. Das Dach und der Dachreiter wurden von Grund auf erneuert. Die letzte äußere Veränderung erhielt die Kapelle zu seinem Goldenen Priesterjubiläum 1961. Der Dachvorbau als Schutz gegen Regen wurde geschaffen und eine gemütliche Sitzecke. Sie lädt Wanderer und Spaziergänger ein, auszuruhen und die Schönheit der Kapelle mit der sie umgebenden Landschaft zu genießen – heute und auch zukünftig. Im Jahre 2010 errichtete Werner Buchholz, der letzte noch lebende Prieseter aus Eisbach, mit Eisbacher Bürgern und Freunden des kleinen Dorfes die "Stiftung Eisbacher Marienkapelle".
Diese gemeinnützige rechtsfähige Stiftung bürgerlichen Rechts trägt seither die Sorge für den Erhalt unserer denkmalgeschützten Kapelle. 2011 wurde der Zugang zur Kapelle behindertengerecht gestaltet und 2013 konnten wir den Vorbau der Kapelle erneuern. 2015/16 wurden sämtliche Kunstgestände der Kapelle fachmännisch gesichert und restauriert, die Elektroinstallation der Kapelle erneuert und ein neues Beleuchtungskonzept realisiert sowie die Kapelle innen und außen neu gestrichen. Im Jahr 2017 gestalteten wir das Außengelände der Kapelle um.“
Die Kapelle ‚Maria Rosenkranzkönigin‘ wurde am 2. Dezember 1996 von der Stadt Königswinter als Nummer A 317 in die Liste der geschützten Baudenkmäler eingetragen.
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