Aufnahme: 2019
Kapelle St. Anna in Oberpleis-Pleiserhohn
Pleiserhohn ist ein Ortsteil der Stadt Königswinter, gehört zum Stadtteil Oberpleis und zur Gemarkung Wahlfeld. Eine erste urkundliche Erwähnung des Ortes fand 1645 unter der Ortsbezeichnung ‚Haen‘ statt, als Landbesitz der Propstei Oberpleis verpachtet wurde. Die Bewohner hatten Anteil an der Markgenossenschaft ‚Höhner Mark‘, einem Waldgebiet zwischen den heutigen Orten Pleiserhohn, Thelenbitze und Wahlfeld. Durch die Säkularisation Anfang des 19. Jahrhunderts und Auflösung der ‚Höhner Mark‘ entstand die ‚Nachbarschaft Pleiserhohn-Thelenbitze‘. Das unter dem Namen ‚Oberpleiserhohn‘ verzeichnete Dorf wurde 1845/46 mit Wahlfeld in die neue gebildete Gemeinde Oberpleis eingegliedert.
Kapelle St. Anna
Mündlichen Überlieferungen zufolge soll in Pleiserhohn (‚Haen‘, ‚Oberpleiserhohn‘) ein sogenanntes ‚Nachbarschaftskreuz‘ aus Holz gestanden haben. Der folgende Vermerk im Waldbuch der Propstei Oberpleis bestätigt die Existens des Kreuzes „Anno 1769 Dem Peter Mohr seine Reparatur am Kreuz auß zahlt“. Mit einem Ochsenhorn, in das die Jahreszahl 1771 eingeritzt ist, wurden die Dorfbewohner zur Gebetsstätte gerufen. Dieses Horn wird in Pleiserhohn noch als Andenken an alte Zeiten aufbewahrt.
Anstoß zum Bau der Kapelle hat die ‚unverehelichte Gertrud Weber von hier‘ mit einem gestifteten Betrag von 750 Goldmark gegeben. Im Jahr 1885 übernahm Christian Gratzfeld die Führung der Nachbarschaft. Er schrieb den folgenden - in die heutige Schreibweise übertragenen - ausführlichen Bericht: ‚ Die Kapelle ist erbaut worden im Jahr 1885 unter der Regierung des 88-jährigen Kaisers Wilhelm I., als der Papst Leo XIII. 75 Jahre alt war und Philippus Krementz zum Erzbischof von Köln ernannt war. Den ersten Anlass hierzu gab die unverehelichte Gertrud Weber von hier, welche sofort 750 Mark zu dem Bau schenkte. Das weitere Geld ist durch die Nachbarn von hier und Thelenbitze und verschiedenen Auswärtigen zusammengebracht worden. Die Kapelle hat gebaut und verputzt der Maurer Wilhelm Dornbusch aus Rott nebst seinen Gesellen. Das Handlangern haben die Nachbarn besorgt. Das ganze Material ist beinahe alles durch die Bauern von hier und auswärts hergeschafft worden. Über die ganzen Auslagen an der Kapelle kann ich eine spezielle Rechnung beilegen.
Pleiserhohn, im Jahr 1885,
Christian Gratzfeld‘
Die Kapelle wurde im Jahre 1885 auf sogenanntem ‚Dorfgemeinschaftsland‘, einem Überbleibsel der früheren Markgenossenschaft, errichtet; Eigentümer der Kapelle war somit die Dorfgemeinschaft. Überlegungen zum Bau der Kapelle fielen in die Zeit des im Rheinland herrschenden Kulturkampfes. Johann Hertel, Pfarrer in Oberpleis, wurde am 1. Januar 1875 das Gehalt entzogen, weil er antikatholische Gesetze nicht anerkennen wollte. Am 20. Dezember 1875 mußten Pastor Hertel und Vikar Vorent ihre Wohnungen in Pastorat und Vikarie räumen. Sie zogen in die Burg Niederbach, die dem Grafen Spee gehörte. Paulus Melchers, Erzbischof von Köln, wurde auch Opfer des Kulturkampfes. Nach Haft im Kölner ‚Klingelpütz‘ wurde er des Landes verwiesen und ging nach Rom in die Verbannung.
Sein in Hartenberg geborener Hauskaplan, Dr. Peter Gratzfeld begleitete ihn. Die Auseinandersetzungen zwischen katholischer Kirche und preußischem Staat eskalierten ab 1871 und wurden erst 1887 diplomatisch beigelegt. Die offizielle Vollendung des Kölner Doms wurde am 15. Oktober 1880 gefeiert. Kaiser Wilhelm I. nutzte die Veranstaltung für seine repräsentativen Vorstellungen, um die Einigkeit und Größe des neu gegründeten Reiches zu demonstrieren. Viele Katholiken, deren kirchliche Würdenträger von der Feier ferngehalten wurden, boykottierten die Feier ‚in würdiger Zurückhaltung‘.
Für eine offizielle kirchliche Einweihung der Anna-Kapelle fehlen entsprechende Unterlagen. Friedrich Schmitz, Pastor von Oberpleis, schrieb 1889 an das Erzbistum Köln und an den zuständigen Dechanten in Küdinghoven, dass die Einwohner von Pleiserhohn die Kapelle ‚würdig‘ eingerichtet hätten und er keine Bedenken habe, zweimal im Jahr eine Messe in der Kapelle zu feiern. Im Jahr 1900 wurde der Innenraum der Kapelle neu gestrichen. In den Jahren 1925 und 1926 folgten umfangreiche Renovierungsarbeiten im Innenbereich. Die Kapelle gelangte 1952 bei einem Flurbereinigungsverfahren an die Gemeinde Oberpleis. Bei der kommunalen Neuordnung 1969 wurde die Stadt Königswinter Eigentümerin der Kapelle.
Das Kapellendach mit Dachreiter drohten 1974 einzustürzen. Kosten für die Reparaturen von mehr als 30.000 DM wurden mit Hilfe von Spenden, Zuschüssen von Kirche und Stadt Königswinter vor allem durch erhebliche Eigenleistungen der Dorfbewohner gedeckt. 1977 stand wieder eine Renovierng der Kapelle an. In Form einer Schenkung seitens der Stadt Königswinter gingen die Kapelle und das Grundstück in das Eigentum der katholischen Kirchengemeinde St. Pankratius Oberpleis über. Die Betreuung von Kapelle und Vorplatz übernimmt die Nachbarschaft Pleiserhohn-Thelenbitze e.V.. Zur Nutzung der Kapelle gehören: Die Messfeier zum Namenstag der Schutzpatronin Anna im Juli, Maiandachten und Totengebete bei Sterbefällen der Nachbarschaft. Im Laufe des Jahres finden auf dem Kapellenplatz zahlreiche Veranstaltungen statt. Hauptereignis ist natürlich die Anna-Kirnes, die jedes Jahr zum Namenstag der heiligen Anna, Schutzpatronin der Kapelle, gefeiert wird.
Die Kapelle St. Anna in Oberpleis-Pleiserhohn wurde am 5. Dezember 1996 von der Stadt Königswinter als A 320 in die Liste der zu schützenden Baudenkmäler eingetragen.
Zum Bericht von Johann Bennerscheid siehe Link unten.
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