Aufnahme: 2017
Lebensmittel mobil
Nach 1945: Ein Kurzentwicklungsbericht zu Handel und Gewerbe in Berghausen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in Berghausen noch so einiges an gewerblichem Leben.
Da gab es das 'alteingesessene' Lebensmittelgeschäft Josef Maagh, das später von seiner Tochter Elisabeth-Barbara (Lilli genannt) auch nach ihrer Heirat mit Clemens Lichtenberg fortgeführt wurde. Eine Zeitlang führte dann Hans-Günter Klein, Sohn des Sandscheider Hauptlehrers Hans Klein, das Geschäft fort. Die Tochter von Clemens Lichtenberg, verheiratete Heitkamp, errichtete dann Mitte der 1960-er Jahre neben dem bisherigen Geschäftshaus einen neuen Laden unter REWE`s Obhut.
Mit Wilhelm Limbach IV (römisch vier), so postalisch bezeichnet, weil es zeitgleich drei weitere Personen mit Namen Wilhelm Limbach in Berghausen gab, gab es ein weiteres Lebensmittelgeschäft im 'Unterdorf', heute Berghausener Strasse 103. Er war der Bruder des neben seinem Geschäft schaffenden Bäckermeisters Christian Limbach, dessen Betrieb nach seinem Tode im Jahre 1975 vom Sohn Rudi weitergeführt wurde.
In der Bäckerei Limbach war zeitweise ein kleiner Verkaufsraum (siehe Datensatz 3785) installiert, und links neben dem Eingang war eine Gaststätte. Die Berghausener Lebensmittelgeschäfte waren, rückwirkend betrachtet, wirkliche liebenswerte 'Tante-Emma-Läden', ausgestattet mit allem, was die bescheidenen Kunden brauchten. Vieles gab es noch in loser Form, etwa Mehl, Zucker, Salz, Marmelade, das dann in Dreiecktüren (im 'Blööschen') abgewogen oder in mitgebrachte Behältnisse eingefüllt wurde.
Neben zwei Schuhgeschäften in Oberpleis gab es dort noch das Kaufhaus Dreesen mit seinem Angebot an Stoffen, Kleidern, Gardinen und Eisenwaren. Die weitere Versorgung der Berghausener Bevölkerung mit 'Spezialitäten' besorgte der Haus-zu-Haus-Lieferant Hubert Dahm, der auch in Oberpleis, Siegburger Straße, einen kleinen Obst- und Gemüseladen betrieb, mit seinem Hansa-Dreirad, mit dem er nach 1945 unter anderem die heiß begehrten Bananen anbot, wodurch man ihn mit dem Beinamen 'Bananen-Hubert' versah. Ein weiteres fahrendes Angebot an Bäckereierzeugnissen besorgte der Bäcker Neuenfels aus Uckerath, der daher allseits nur noch 'Der Uckerather' genannt wurde. Die seit Friedenszeiten bestehende Selbstversorgersituation des Ortes in Verbindung mit drei größeren landwirtschaftlichen Höfen (Friedrich Wasserheß, Kaspar Hedemann und Matthias Klein), die Milch, Kartoffeln und Weizen anbauten, war Berghausen ernährungstechnisch gut versorgt.
Nach der Schließung der beiden Lebensmittelgeschäfte versuchten die Eheleute Helmut und Ilse Köpsel, im gleichen Metier Fuß zu fassen bzw. neu zu beginnen. Hierzu mieteten sie zunächst den bisherigen REWE-Laden und führten ihn in Eigenregie, um dann etwas später auf die leerstehende Industriehalle, heute Haus-Nr. 131, in der zuvor Textilien hergestellt worden waren, und das danach jahrelang das Kfz-Zubehör- und Ersatzteilgeschäft von Arnold Mies beherbergt, auszuweichen. Herrn Köpsel blieb jedoch trotz seines erweiterten Lebensmittelangebotes und wöchentlich zweimaligen Lieferangeboten per VW-Bus der durchschlagende, dauerhafte Erfolg wegen der zunehmenden Mobilität der Bewohner und des Aufkommens großer Diskountläden auf der grünen Wiese, die jedoch um Berghausen einen großen Bogen schlugen, versagt, und er musste nach überschaubarer Zeit aufgeben.
Es gab sogar in den 1970-er Jahren einen Fleischerei-Erzeugnisse-Verkauf, den Werner Leineweber "Im Broich" betrieb. Damit war Berghausen bis dahin durchgehend und ausreichend mit Lebensmitteln versorgt.
Aber auch handwerklich geschah damals noch so einiges in Berghausen: Es gab einen Schneidermeister (Wilhelm Limbach I), der, als es noch keine Stangenkonfektion gab, komplette Anzüge schneidern konnte und ein Meister im Umändern getragener Kleidung war. Es gab drei Schuhmachermeister, Theodor Fischer, der in einem ein Meter siebzig hohen Räumchen in der I. Etage des Hauses Bitzerweg 2 seinem hauptsächlich Reparaturen ausführenden Gewerbe nachging, und einen weiteren Schuhmachermeister namens Knipp am 'Goldberg-Wiesenweg', und Peter Pees werkelte bis in die 1980-er Jahre in seinem Haus "Im Hagen".
Die Post war vertreten mit einem kleinen Büro im Hause Josef Christoffel, das später Tochter Hildegard betrieb, und das die erste Zeit nach dem Krieg eines der wenigen im Ort installierten Telefone besaß. Dieses wurde von Allen benutzt, und so blieb Hildegard immer auf Trab, wenn es hieß, einen Arzt oder Krankenwagen zu bestellen oder den Inhalt eines von ihr entgegengenommenen Anrufes mündlich weiter zu vermelden.
Selbst für die Holzbearbeitung und den Möbelbau gab es zwei Schreinereien, Wilhelm Olbert in der Wegenstraße (heute Berghausener Straße) und Wilhelm Paffrath. Der Zimmermann Josef Kurenbach erstellte Dachstühle. Clemens Lichtenberg, der Ehemann der Frau Maagh, war gelernter Elektriker und betrieb in einem kleinen Raum neben dem Lebensmittelgeschäft einen Elektroartikelladen. Nach dem Krieg waren Radios als Nachfolger des Volksempfängers ein erstes lukratives Geschäft. Bei Anton Brenner, der im 'Unterdorf' ein kleines Geschäft für Farben, Tapeten und sonstigen Renovierungsbedarf betrieb, konnte man z.B. noch Gips zum Spachteln und zur Gipsbilderherstellung in Pfundmenge käuflich erwerben.
Alles Schnee von gestern: Nachdem auch noch der 'Dorfsaal' und die Traditionsgaststätte 'Müllers Marie' ihre Pforten schlossen, sind die Berser ganz auf Angebote im Umland angewiesen. Schade! Aber so ist nun mal der Lauf der Zeit.
In früher Vorbereitung auf das, was wir heute Berufspraktikum für Schulabgänger nennen, sind wir als Viertklässler im Jahre 1950 mit dem Lehrer Hanns Wald zu einigen Handwerkern und Gewerbetreibenden im Ort gezogen, haben uns die Betriebe angesehen und uns erklären lassen und haben jedesmal unser Lied vorgetragen:
Text zum deutschen Volkslied
Wer will fleißige Handwerker seh'n
Der muss zu uns Kindern geh'n
Stein auf Stein, Stein auf Stein
Das Häuschen wird bald fertig sein
Stein auf Stein, Stein auf Stein
Das Häuschen wird bald fertig sein
Wer will fleißige Handwerker seh'n
Der muss zu uns Kindern geh'n
Oh, wie fein, oh, wie fein
Der Glaser setzt die Scheiben ein
Oh, wie fein, oh, wie fein
Der Glaser setzt die Scheiben ein
Wer will fleißige Handwerker seh'n
Der muss zu uns Kindern geh'n
Tauchet ein, tauchet ein
Der Maler streicht die Wände fein
Tauchet ein, tauchet ein
Der Maler streicht die Wände fein
Wer will fleißige Handwerker seh'n
Der muss zu uns Kindern geh'n
Zisch, zisch, zisch, zisch, zisch, zisch
Der Tischler hobelt glatt den Tisch
Zisch, zisch, zisch, zisch, zisch, zisch
Der Tischler hobelt glatt den Tisch
Wer will fleißige Handwerker seh'n
Der muss zu uns Kindern geh'n
Poch, poch, poch, poch, poch, poch
Der Schuster schustert zu das Loch
Poch, poch, poch, poch, poch, poch
Der Schuster schustert zu das Loch
Wer will fleißige Handwerker seh'n
Der muss zu uns Kindern geh'n
Stich, stich, stich, stich, stich, stich
Der Schneider näht ein Kleid für mich
Stich, stich, stich, stich, stich, stich
Der Schneider näht ein Kleid für mich
Wer will fleißige Handwerker seh'n
Der muss zu uns Kindern geh'n
Rühr ein Ei, rühr ein Ei
Der Kuchen wird bald fertig sein
Rühr ein Ei, rühr ein Ei
Der Kuchen wird bald fertig sein
Wer will fleißige Handwerker seh'n
Der muss zu uns Kindern geh'n
Trapp, trapp drein, trapp, trapp drein
Jetzt geh'n wir von der Arbeit heim
Trapp, trapp drein, trapp, trapp drein
Jetzt geh'n wir von der Arbeit heim
Wer will fleißige Handwerker seh'n
Der muss zu uns Kindern geh'n
Hopp, hopp, hopp, hopp, hopp, hopp
Jetzt tanzen alle im Galopp
Hopp, hopp, hopp, hopp, hopp, hopp
Jetzt tanzen alle im Galopp
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