Aufnahme: 2010 (Bericht 1995)
Anna-Kapelle Pleiserhohn im Winter
"Pleiserhohn/ Thelenbitze
Im Jahre 1985 wurde von den beiden Pleiserhohner Heimatfreunden Peter Weber und Willi Zerres eine Schrift mit dem Titel ‚Ein Blick zurück in die Vergangenheit‘, erstellt und veröffentlicht. Als Quellen dienten, ein Wald- und Nachbarschaftsbuch von 1765 aus dem Archiv der kath. Kirchengemeinde Oberpleis, das Nachbarschaftsbuch von 1906, das Baugesuch der Nachbarschaft von 1885 sowie schriftliche und mündliche Überlieferungen.
Aus den Akten der Propstei Oberpleis ist ersichtlich, daß es sich bei den Landbesitzungen in „Haen" um Pleiserhohn handeln muß. Später ist dann von der ‚Höhner Mark‘ die Rede und in diesem Zusammenhang wird von einem Waldschultheißen Peter Isbach gesprochen. Die „Mark" erstreckte sich über das Waldgebiet Pleiserhohn-Thelenbitze-Wahlfeld. Den Aufzeichnungen nach gab es in Pleiserhohn einen sogenannten Nachbarschaftsplatz. An dieser Stelle steht heute die St.-Anna-Kapelle. Es befand sich dort auch eine Wasserquelle, der sogenannte Pütz. Später ist von Jungfrauen die Rede, denen die Reinigung und Instandhaltung des Nachbarschaftsplatzes oblag, gegen eine Entschädigung von 20 Pfennigen.
Zum Gebet am Nachbarschaftskreuz wurden die Bewohner durch ein großes, gelbes Ochsenhorn mit dem Eintrag ‚1771' gerufen. Dieses wertvolle Stück ist erhalten geblieben. Den Grundstock zum Kapellenbau legte die unverehelichte Gertrud Weber, die 750 Mark schenkte. Es müßte sich hier um Goldmark handeln. Die weiteren Kosten wurden durch Sammlungen und Spenden aus der Gemeinde aufgebracht und letztlich waren große Eigenleistungen von Nöten, um den Neubau zu ermöglichen.
Die Einwohnerzahlen waren mit 120 für Pleiserhohn und 30 für Thelenbitze angegeben. An Steuern mußten für die Kapelle in vier Jahren 1,30 (Mark, Thaler?) bezahlt werden. Eine Kapellenrenovierung durch die Firma Adolf Wendel im Jahr 1926 kostete 323,46 Reichsmark. Mit großen Feierlichkeiten wurde 1935, am Anna-Tag, das Fest der 50-Jahrfeier begangen.
Aus den knappen Angaben der nächsten Jahre ist eines bemerkenswert. Im Jahr 1945 besetzten die Amerikaner Pleiserhohn, um anschließend wieder von den deutschen Truppen verjagt zu werden. Von den Auswirkungen war mehr oder weniger jeder Dorfbewohner betroffen. Wie die Mehrzahl der Häuser. hatte auch die Kapelle Schaden genommen. Die Reparaturkosten ließen sich nicht in Zahlen ausdrücken, ohne Naturalien, so würde man heute sagen, ‚lief nichts'.
Im Lauf der Jahre wurden der Kapelleninnenraum und die Fenster erneuert, was zum größten Teil in Eigenleistung geschah und von Spenden bestritten wurde. Größere Renovierungsarbeiten waren dann 1976 wieder erforderlich, deren Großteil von der Stadt Königswinter bestritten wurden. Den Dienst in der Kapelle versieht derzeit Willi Zerres, der auch in anderen Belangen für seinen Heimatort ,da" ist. In neuerer Zeit wurde von der Behörde durch den Einbau von Fahrbahnverengungen die Geschwindigkeit für den Durchgangsverkehr gemindert.
Der im vergangenen Jahr (Anm.: 1994) gegründete ‚Nachbarschaftsverein Pleiserhohn/Thelenbitze‘ mit den Vorstandsmitgliedern Günther Herr, Willi Zerres, Uschi Hochstetter, Ute Rosendahl. Manfred Kottke. Anno Schoroth, Siegfried Rieden, Richard Stommel und Renate Müller hat es sich zur Aufgabe gemacht, lokale Interessen zu vertreten und die Gemeinschaft der Bürgerinnen und Bürger zu pflegen. Diese Bereitschaft bekundeten am ersten Versammlungsabend bereits 50 Mitbürger.
Der Zusammenschluß ist künftig für alle Dorfangelegenheiten zuständig und wird sich auch um die Ausrichtung von Festen aller Art im Jahresablauf bemühen."
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