Aufnahme: 2010

Stammtisch - Reliquie weckt Erinnerungen an Germania - Bier

Die als Tanzbierbar über Oberpleis hinaus bekannte Dorfschänke Pleiserhohn war gleichzeitig auch eine normale Gastwirtschaft mit einer regelmäßig tagenden Stammtischrunde. Neben sicherlich mancher Erinnerung an dort verbrachte feucht-fröhliche Stunden ist davon der Wimpel erhalten geblieben, der jetzt den Partyraum der Wirtstochter ziert und dort weiterhin für Germania – Bier Reklame macht.

Ach ja, Germania, das „Oberpleiser Bier unserer Eltern und Jugendzeit“ – in den fünfziger und sechziger Jahren Inbegriff fröhlicher Geselligkeit familiärer und nachbarschaftlicher Feste, aber auch der ersten alkoholisierten Namenstags- und Geburtstagsfeiern der heranwachsenden Jugend! Wie der blaue Dunst, so gehörte zu dieser Zeit oft nicht nur eine Flasche „Germania Märzen“, aus Hersel geliefert in Holzkästen und einzeln erhältlich für 65 Pfennig ohne Pfand, zur Arbeitsbewältigung im Alltag dazu – heutzutage undenkbar. Zu Weihnachten wartete die Brauerei alljährlich mit einer Spezialität auf: Die Flaschen mit dem Bügelverschluss zierte jetzt ein festliches Etikett mit einem grünen geschmückten Tannenzweig sowie der Bezeichnung „Festtags-Bier“, und es gab keinen Zweifel: Das Weihnachtsbier hatte damit deutlich an edlem Geschmack gewonnen!

Germania-Bier wurde in Oberpleis vom Bierverlag Pütz, Herresbacher Straße, vertrieben, der neben dörflichen Verkaufsstellen (in Wahlfeld: Anna Meurer im alten Bauernhof Bäßgen in der Kurve der Siegburger Straße) unter anderem die Oberpleiser Gaststätte Bellinghausen (Post-Mattes) belieferte.

Verursachte das Germania in stärkerem Maße Kopfschmerzen als andere Biersorten? Hierüber gingen damals schon die Meinungen auseinander. Die Dorfspatzen jedenfalls widersprachen im Karneval 1991 mit ihrer Hymne auf das legendäre Gebräu dieser Auffassung:

"Vür vierzich Johr kome mir op de Welt,
do hatt use Pap att et Bier kaltjestellt:
Zur Feier des Tages stand lang schon da
ein Nachkriegskasten Germania.
Opa un Oma, de Ühm un de Tant,
die hatten an Bier noch nix Bess’res jekannt,
drum schlugen zur Taufe Pastor und Kaplan
ein Fässchen Germania an.

Alles Blabla, alles Blabla, et is jarnich wahr,
der Koppingsverzell vom Germania,
alles Blabla, alles Blabla, denn es ist doch klar,
dass es schon das Bier unsrer Väter war!
Alles Blabla, alles Blabla, denn seit Jahr und Jahr
schmeck däm Walter sing Bier nach Germania,
un et schmeck jarnit schlääch, un du meens janz jewess,
dat e Nilpferdche dir op de Zong jepiss.
Määt der Kopp dir och Ping, schött schnell noch eent ren,
denn et künnt jo ding vürletztes sin!

Prost!"

Zur Verfügung gestellt von
Marlene Lichtenberg geb. Schonauer Otto Schonauer in seiner Pleiserhohner Dorfschänke - Geschichte der Germania-Brauerei Hersel
Räume & Galerien
Aus den Dörfern ringsum Gewerbe Zu guter Letzt
Aufrufe
3513

Etwas zu ergänzen?

Kennen Sie abgebildete Personen, das Jahr oder Hintergründe zu diesem Bild? Schicken Sie uns einen Hinweis – wir prüfen ihn und ergänzen das Objekt.