Aufnahme: 2005

Altarraum der Kapelle "Maria Frieden" in Sandscheid

Weihe der Kapelle in Sandscheid

Unter diesem Titel wurden die Feierlichkeiten zur Weihe der Kapelle in Sandscheid im Pfarrblatt der Kirchengemeinde St. Pankratius vom 30. Mai 1954 festgehalten

Es war am Sonntag, dem 9. Mai, einem strahlend schönen Maientag, als sich von der Schule Sandscheid aus ein festlicher Zug zur gegenüberliegenden Kapelle hin bewegte. Da gingen hinter dem Kreuz zunächst die Schulkinder von Sandscheid, viele mit weißen Kleidern und Blumen in den Händen, die, geführt von Lehrern und begleitet von einem Blasorchester, unter Bernhard Winterscheids Leitung, frohen Herzens ihr "Lobet den Herren" in den sonnigen Morgen hinaussangen. Da gingen hinter dem Pfarrer und den beiden Patres Schoroth und Pisinger die Männer der Gemeinde, Vertreter des Kirchenvorstandes, des Amtes und des Kapellenvereins, und diesen schlossen sich die Eltern unserer Kinder an und viele andere aus den umliegenden Dorfschaften. Sie alle umstanden vor dem Portal der Kapelle unsere Kinder wie ein lebendiger Schutzwall, wie ein Gestalt gewordenes Treueversprechen, Hüter des Heiligtums zu sein für diese Kinder.
Die heilige Weihe einer Kapelle besteht vor allem in der Segnung der Wände, außen und innen, und in der Segnung des Altares. Die Segnung der äußeren Wände unter dem Gebet des 50. Psalms steht am Anfang der kirchlichen Weihe. Die Segnung der inneren Wände unter dem Gebet der Psalmen 119 bis 121 bilden den Abschluß. In der Mitte steht die Segnung des Altares und der Kapelle auf den Namen des Schutzpatrones.
Diese Segnung ist eingebaut in die Allerheiligenlitanei und lautet in Sandscheid "Das du, o Gott, diese Kapelle und diesen Altar zu Ehren und auf den Namen Mariens, der Königin des Friedens, heiligen und segnen wollest: Wir bitten dich, erhöre uns"
Im Anschluß an die Weihe zelebrierte der Pfarrer unter Assistenz der beiden Patres ein feierliches Amt in dem nun für alle Zeit geweihten Raum der schlichten und doch so farbenfrohen Kapelle. Der Oberpleiser Kirchenchor sang dazu musikalisch farbenfroh und klar eine 4-stimmige Messe von Karl Krafft.
Des Pfarrers Worte standen unter dem Gedanken: "Das ist der Tag, den der Herr gemacht hat. Lasset uns darum frohlocken und über den Tag uns freuen."
Er sagte: "Ein Tag, den der Herr gemacht hat, nicht nur, weil alle Tage aus Gottes Händen kommen und in Gottes Händen ruhen, nicht nur, weil heute Sonntag, also wirklich der Tag des Herrn ist und Gottes Sonne so strahlend scheint. Sondern auch, weil Gott heute mit der ganzen Fülle seiner Liebe auf diese geweihte Stätte herabsteigt, weil Gott heute dieses ihm gebaute Haus gnadenvoll in Besitz nimmt und weil er von heute ab wieder in seinem Opfer und durch sein Opfer mitten unter uns sein, zu uns kommen und bei uns bleiben will.
Dieses Tages wollen wir uns von ganzem Herzen freuen, weil er uns die Erfüllung dessen schenkt, was wir jahrelang geplant und erstrebt haben: Gott ein kleines, aber würdiges Haus zu bauen, eine Stätte des Segens für unsere Kinder und eine stille Zufluchtsstätte für alle, die ihre Not zur Mutter des Herren tragen wollen."
Ein Wort des Dankes sagte der Pfarrer nächst Gott dem Herrn allen, die das Werk förderten und trugen, die schafften, sammelten und spendeten und die den Plan ersannen und ausführten. Besonderen Dank sagte er auch den Architekten, die den äußeren Bau planten und ihm seine innere Gestaltung gaben.
Zum Schluß forderte der Pfarrer alle Gläubigen auf, Gott zum Lobe zu singen:
"Ein Haus voll Glorie schauet."
Er sagte: "Wenn auch dieses Haus klein und bescheiden ist, es ist doch schön schmuck und traulich, und Gottes Glorie ist hier ebenso groß, wie im nächstvollsten Dom der Welt.
Der Schlußakkord der selten schönen Feierstunde war das von den Bläsern und allen frohbewegten Menschen machtvoll gesungene Lied: "Großer Gott, wir loben dich."
Den Ausklang bildete ein Zusammensein der Gäste mit den Förderern des Kapellenbauvereins. Möge die liebe Mutter Maria an dieser stillen Stätte für immer ihre Freude haben.

Quelle
Pfarrblatt vom 30. Mai 1954
Zur Verfügung gestellt von
Paul Winterscheidt Die Sandscheider Kapelle und ihre interessante Geschichte - Standort auf Karte
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