Flugplatz wird Naturschutzgebiet

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Flugplatz wird Naturschutzgebiet

Naturschützer und Flieger begrüßen die Entscheidung.

St. Das im Landeseigentum stehende 48 Hektar große Segelfluggelände auf der Mußer Heide bei Eudenbach beherbergt eine artenreiche Flora mit vielen Arten, die auf der sogenannten Roten Liste stehen. Vor allem ist die Natternzunge zu nennen, die dort mit etwa 3000 Exemplaren ihren größten Bestand im Rhein-Sieg-Kreis hat. Wegen der besonderen Bedeutung als Lebensraum für Pflanzen und Tiere soll das Gelände als Naturschutzgebiet ausgewiesen werden. Der Verordnungsentwurf der Bezirksregierung in Köln hat Anfang des Jahres öffentlich ausgelegen. Nun fand vor Ort eine Besichtigung des geplanten Naturschutzgebietes statt. Daran nahmen neben Landrat Frithjof Kühn, Vertreter des Beirates bei der Unteren Landschaftsbehörde, der Städte Bad Honnef und Königswinter, der Interessengemeinschaft der Luftsportvereine, der Geschäftsführer des Flugplatzes, Ashok Sridharan, und Vertreter des Kreistages aus den beiden Städten teil.

Es war für die Naturfreunde 1936 ein Schock, als die Mußer Heide in einen Flugplatz umgebaut und die Heide gerodet wurde. Was damals alles zerstörte, nämlich der neue Flugplatz, erweist sich heute als Glücksfall. Da die Nutzung des Geländes in der Nachkriegszeit als Segelflugplatz mit einer vieljährigen Bewirtschaftung durch Schafweidung und Mahd, ohne Pflanzenschutz und Düngung, begleitet wurde, haben sich großflächig erneut ökologisch hochwertige naturschutzwürdige Magergrünlandbestände entwickelt. Sie vermitteln uns heute einen Eindruck davon, wie das historische Grünland ausgesehen hat. Die Heide allerdings, die früher einmal über 500 Hektar bedeckte, ist dahin. Mit ihr auch der Sonnentau, doch der Lungenenzian ist wieder da. Das teilte ein Vertreter des Kreises mit, der eine Tafel mit Buntbildern von Blumen und Pflanzen zeigte, die heute wieder auf der Mußer Heide wachsen.

Vor zwei Jahren sah die Situation für die Naturschützer, die Flieger und die beiden Städte Bad Honnef und Königswinter sehr viel schlechter aus, wie Honnefs Bürgermeister, Peter Brassel, und der Königswinterer Technische Beigeordnete, Hubert Kofferath, erklärten. Das Land wollte den Flugplatz abstoßen und für 4,5 Millionen DM verkaufen. Aber die Proteste vieler Bürgerinnen und Bürger zeigten Wirkung. Die Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten sowie das Landesamt für Agrarordnung bestätigten die Naturschutzwürdigkeit des heutigen Segelfluggeländes. Das Gebiet bleibt nun Flugplatz und im Landeseigentum. Allerdings steht die endgültige Entscheidung noch aus. Bis es so weit ist, wurde eine Veränderungssperre erlassen. Die Mußer Heide liegt auf einem leicht nach Süden geneigten Höhenrücken der Niederwesterwälder Hochmulde in etwa 300 Meter Höhe an der Grenze zu Rheinland-Pfalz.

Von der Gesamtfläche liegen 35 Hektar in NRW und 12 in Rheinland-Pfalz. An der Besichtigung und dem Spaziergang über die weitflächige Heide nahm auch der Schäfer Wolski teil, während seine Schafe ruhig weiter grasten. Bei dem Rundgang erläuterten die Naturschützer die seltenen Pflanzen, die auf dem Fluggelände wieder sprießen, insgesamt 180 Arten. Beobachtet wurden auch 23 Schmetterlingsarten. Viele Vögel nisten hier, und auch Heuschrecken sind zu beobachten. Die Landesanstalt für Ökologie sowie das Landesamt für Agrarordnung haben eine Reihe von Vorschlägen für das geplante Naturschutzgebiet unterbreitet. Außer dem Flugbetrieb darf keine sonstige Nutzung vorgenommen werden. Vorgeschlagen wurde die Anlage von Kleingewässern. Mit dem Segelflugbetrieb wurde 1956 begonnen. Ab 1978 übernahm die Interessengemeinschaft Flugplatz Eudenbach das Gelände als Pächter zur Nutzung und Betreuung.

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 32 vom 10.08.2000; Foto und Text: Günther Steeg
Zur Verfügung gestellt von
Rudolf Pieper (SZ)
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