Kohle-, Basalt- und Tonvorkommen in Uthweiler und Umgebung
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Aufnahme: 1996 (Bericht)

Kohle-, Basalt- und Tonvorkommen in Uthweiler und Umgebung

Die von der Bahn geplante ICE-Trasse Köln-Frankfurt und der historische Braunkohlenbergbau im östlichen Königswinter
Von Friedrich Falk

Das Erdbaulaboratorium Ahlenberg in Herdecke hat 1994 im Auftrage der Deutschen Bahn AG auf dem Gelände der von der Bahn geplanten Trasse einer ICE-Neubaustrecke Köln-Frankfurt u. a. im Ostteil der Stadt Königswinter eine Reihe von Bohrungen zur Untersuchung des geologischen Zustandes durchgeführt. Ich habe zusammen mit dem Bonner Diplom-Geologen Björn Bohne die Unterlagen über die Bohrergebnisse bei der zuständigen Stelle der Bahn in Köln eingesehen. Aus den Schichtenverzeichnissen einiger Bohrungen ist zu ersehen, daß an diesen Stellen Braunkohlenvorkommen vorhanden sind.  Ein Beispiel: die südwestlich von Bockeroth an der Flur Leithecke am Streckenkilometer 33,78 bis in 25 m Tiefe, die Bergleute sagen Teufe, erbohrten Schichten, kurzgefaßt.

171,96 m ü.M.
0,10 m    Mutterboden-Schluff
3,90 m    Schluff
1,90 m    Sand
0,10 m    Schluff
2,00 m    Braunkohle
4,00 m    Ton, einzelne Braun¬
                kohleeinschaltungen
0,70 m    Schluff
0,70 m    Braunkohle mit
                tonigem Anteil
0,60 m    Ton
2,00 m    Schluff
 
0,60 m    Ton
0,20 m    Braunkohle
0,80 m    Ton
0,40 m    Braunkohle
0,50 m    Ton
0,10 m    Braunkohle
1,40 m    Ton
0,40 m    Braunkohle
4,10 m    Schluff
0,20 m    Braunkohle
0,30 m    Schluff
146,96 m ü.M.


Wenn man auf dieses Thema zu sprechen kommt, zeigt sich, daß fast jeder bezüglich Braunkohlenvorkommen im Rheinland nur an die großen Abbaugebiete westlich und südlich von Köln denkt. Nur dieses „Rheinische Revier" ist bisher in die nicht nur für Geologen und Bergleute bestimmte, sondern auch für einen breiten Leserkreis interessante Literatur eingegangen. Am Nordabfall des Siebengebirges ist aber seit der Mitte des 18. Jahrhunderts bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts, in einigen Fällen sogar bis in die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts, Braunkohle unter Tage bergmännisch abgebaut wurde. Es liegt die Frage nahe, warum dieser Abbau gerade vor ca. 250 Jahren begann. Sie läßt sich aus den bisherigen Ergebnissen der Forschung für eine heimatkundliche Darstellung des ganzen hiesigen Braunkohlenreviers in den heutigen Stadtgebieten Königswinter, Bonn (Bezirk Beuel), Sankt Augustin, Hennef beantworten. Die Bauern werden natürlich zwar vorher, wie am Vorgebirge noch bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts, für ihren eigenen Bedarf auf ihren durch Erbteilung immer kleiner werdenden Grundstücken nach günstig lagernder Kohle gegraben haben. Das war aber kein bergmännischer Abbau mit dem Recht, ihn unter fremden Grundstücken durchführen zu dürfen. Im 18. Jahrhundert bemühten sich die souveränen Landesfürsten im Staatenbund „Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation" um das, was wir heute Wirtschaftsförderung nennen. Die Fürsten brauchten Geld für prunkvolle Schlösser und ständige Heere. Dazu war eine Steigerung der Steuereinnahmen notwendig. Die staatlichen Bestrebungen waren aber auch eine Folge der Aufklärung, einer im 17. Jahrhundert entstandenen intellektuellen Bewegung, die u. a.  eine Verbesserung im Sinne der öffentlichen Wohlfahrt durch Ausbau einer Infrastruktur und durch Förderung von Handel und Landwirtschaft, auch des Bergbaus, zum Ziele hatte.

Die Notwendigkeit hierzu wird von dem außerordentlichen Ansteigen der Bevölkerungszahl im 18. Jahrhundert und dem dadurch steigenden Bedarf an Heizmaterial (bisher nur Holz) verstärkt worden sein. Die Staaten förderten den Export, z.B. durch Subventionen, und behinderten den Import durch hohe Schutz-Zölle oder, wenn das Produkt im eigenen Land erzeugt werden konnte, verboten ihn sogar. So hat z.B. der Herzog von Berg, zu dessen Territorium das spätere hiesige Kohlenrevier gehörte, 1733 die Einfuhr ausländischer Kohle unter Androhung von Konfiskationsstrafe verboten. Das Beziehen von Braunkohle von der linken Rheinseite am Vorgebirge, wo sich ein primitiver Abbau entwickelte; wäre illegaler Import aus dem Ausland Kurfürstentum Köln gewesen. In der Mitte des 18. Jahrhunderts reorganisierte der Herzog von Berg die Bergverwaltung und machte dabei auch deutlich, daß er das Verfügungsrecht (das „Bergregal") beanspruchte. Die Landesherren übten im Allgemeinen den Bergbau nicht selbst durch Staatsbetriebe aus. Vielmehr überließen sie dies Privatpersonen, die eine Genehmigung der Bergbehörde brauchten und dafür zahlen mußten.

Diese Maßnahmen führten zum Beginn auch des Berg-amtlich genehmigten und beaufsichtigten Abbaus von Braunkohle zwischen dem unteren Sieg und dem Rhein am Siebengebirge oder politisch-administrativ ausgedrückt: in den Ämtern Blankenberg und Löwenburg des Herzogtums Berg. Es wurden Fachleute aus älteren, traditionellen Bergbaugebieten ins Land geholt. Man könnte sie als Entwicklungshelfer bezeichnen. Bereits seit 1729 hatte man zwischen Uthweiler und Niederpleis im großen Umfang nach Ton gegraben, der häufig nach Holland verkauft wurde. Dabei mußte man infolge der dortigen geologischen Verhältnisse auch auf Braunkohle stoßen. Die erste bergamtliche Nachricht haben wir über eine 1749 gemutete Grube bei Uthweiler, im damaligen Kirchspiel (Gemeindeverband) Oberpleis des Amtes Blankenberg. Es erfolgte aber keine Belehnung. Es ist zweckmäßig, wenn ich die beiden bergbaulichen Begriffe Mutung und Belehnung kurz erläutere. Die Mutung war ein Antrag an die Bergbehörde auf Genehmigung des Abbaurechts, der sogen. Belehnung. Die Bergbehörde befand sich bei der herzoglichen Hofkammer in der Haupt- und Residenzstadt Düsseldorf. Mit der Belehnung wurde der Belehnte Eigentümer oder Miteigentümer eines Grubenfeldes. Er besaß dann alleine oder mit „Konsorten" (Miteigentümer) eine Immobilie unter Tage. Man nennt den Eigentümer im Verhältnis zu den anderen Miteigentümern „Gewerke" (die Gesamtheit der Gewerken einer Grube ist die „Gewerkschaft"), im Verhältnis zum Staat, der ihn mit dem Abbaurecht belehnt hat, „Lehnträger".

Die Belehnungen erfolgten im Herzogtum Berg bis zum ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts für „holzartige Steinkohle", und erst dann verwendete man die Bezeichnung „Braunkohle". Die Mutung bei Uthweiler erfolgte durch einen W. Molly und - leider nicht namentlich genannte - Konsorten. Sie legten Schächte und auch eine sogenannte Wasserkunst zur Hebung des in der Grube anfallenden Wassers an. Diese hölzerne Mechanik nach einem jahrhundertealten technischen System muß durch Wasserkraft, ähnlich wie bei den Wassermühlen, betrieben worden sein. Man muß den Pleisbach durch eine hölzerne Wehr gestaut und von dort durch einen Graben Wasser zu der Wasserhebemaschine geleitet haben. Nachdem diese Wehr zweimal vom Hochwasser weggerissen worden war, wollten sie ein neues aus Stein bauen. Da die Gewerken aber bereits ein Minus von einigen Tausend Reichstalern hatten, ließen sie diesen Plan wieder fallen. Der Betrieb wurde nach einigen Jahren wieder eingestellt. Es gibt zu dieser Auflassung auch eine weitere Überlieferung. Danach sollen in der Grube beschäftigt gewesene Arbeiter infolge von Bestechung durch die neue Konkurrenz fürchtenden Kohlengrubeneigentümer aus Mülheim an der Ruhr aufsässig geworden sein. Vielleicht kam beides zusammen.

Die Kapitalnot läßt annehmen, daß an dieser ersten Grube sogenannte Eigenlöhner beteiligt waren. Ein Eigenlöhner war ein in der Grube mitarbeitender Gewerke und Bergmann, wie das in der Frühzeit am oberen Wolfsbach bei Hoholz, Roleber und Gielgen im heutigen Bonner Stadtbezirk Beuel vielfach der Fall gewesen war (ich habe hierüber im „Holzlarer Boten" vom Dezember 1995 berichtet). Die Eigenlöhner waren selbständigen, aber nicht kapitalkräftigen Handwerkern vergleichbar. Der Bonner Geologe C.W. Nase stellte 1789 fest, daß die Grube bei Uthweiler wieder in Betrieb gewesen war. Man habe bereits viele Kohlen gewonnen, „als am ersten Dezember der gegen Südwest, unter dem Oberpleis-Bach hinweg, geführte Stolllen einstürzte, mit dem Wasser des Bachs sich füllte, und somit das Werk ersäufte, ..." 1808/09 wurden in der dortigen Gegend zwei Gruben gemutet und belehnt: die Grube „Satisfaktion" und die Grube „Drei gute Kinder". Bei der „Satisfaktion" wird es sich wohl um das 1749 erstmals bearbeitete Grubenfeld zwischen Uthweiler und Scheuren gehandelt haben, dessen Lagerungsverhältnisse wegen der Qualität der Kohle besonders interessant ist. Eine Bohrung im vorigen Jahrhundert ergab, daß über dem bei ca. 12,5 m Tiefe beginnenden ca.4,5 m mächtigen Flöz eine ca. 9,5 m mächtige Basaltschicht lag. Dort ist die ansonsten am Nordabfall des Siebengebirges übliche erdige oder eine Holzsubstanz enthaltende Weichbraunkohle in den Jahrmillionen ihrer Entstehung z.T. durch Hitzekontakt infolge von Vulkanismus schuf eine Mächtigkeit von 0,30 m in Hartbraunkohle umgewandelt worden, die man Glanz- oder (in Bayern) Pechkohle nennt. Sie stellt den Übergang zur Steinkohle dar. Die Kohle dieses Grubenfeldes hat einen ziemlich guten bis mittelmäßigen Heizwert. Die Förderung erfolgte - mit Unterbrechungen - bis 1921. Im Kirchspiel Stieldorf, das ebenfalls zum Amt Blankenberg gehörte, ist 1805/06 die Grube „Ludgard" zwischen Stieldorf und Rauschendorf gemutet und belehnt worden. Gewerken waren ein Geheimrat Bennett und - ebenfalls nicht namentlich genannte - Konsorten. Die vielen weiteren in der Frühzeit bei Hoholz, Roleber und Gielgen im alten Stieldorfer Kirchspiel entstandenen Gruben lagen im heutigen Bonn-Beueler Stadtbezirk.

 
Belehnung für das Grubenfeld „Satisfaktion" (Auszug), Transkription der obigen Handschrift: Belehnung von dem im Amte Blanckenberg Kirchspiel Oberpleis gelegenen Steinkohlen Flöz die Satisfaktion genannt. Die von Herrn Diezet Godtschalck in Aachen, Herr Michael Ludwig Godtschalck in Düren, Herr Joh. Caspar Hansen in Cölln, Herr Johann Heinrich Ehrlich in Dülken, Herr Joseph Tillmanns in Aachen, Herr Eliphicus Klöckner in Cölln, Herr Johann Adam von Reisch in Godesberg, Herr Christoph Heinrich Rau in Nürnberg unterm 11ten Jänner 1808 eingelegte, und bis danher in Frist und Feder erhaltene Muthung auf das im Amt Blanckenberg Kirchspiel Oberpleis bei der Lotterbach auf Uthweiler an der Pleißbach gelegenes holzartiges Steinkohlenflöz, nunmehr Satisfaktion genannt, wo selbst in Kraft vorgedachter Muthung auf dem Wolfsberg circa 6 Lachter abgeteuften Schachtes fündig gemachtes flötzweise streichende holzartige Steinkohlen Geschicke ... (6 Lachter waren 11,89 Meter)
 
Die Bergleute der Gruben in dieser Frühzeit, d. h. die Eigenlöhner und die Lohnarbeiter, kamen meistens aus dem einheimischen Bauernstand bzw. gehörten ihm im Nebenberuf noch weiter an. Man kann diese Verhältnisse mit denen des frühen Braunkohlenbergbaus bei Bad Marienberg im Hohen Westerwald und des frühen Steinkohlenbergbaus an Emscher und Ruhr, dem heutigen Ruhrrevier, vergleichen, die sich beide ebenfalls aus kleinbäuerlichen Verhältnissen entwickelt haben. Die aus anderen Revieren, vor allem aus dem böhmischen Erzgebirge und dem Westerwald, zugezogenen Bergleute werden die notwendigen Fachkenntnisse und auch das Wissen um die berufsständischen Belange an die aus dem bäuerlichen Milieu stammenden einheimischen Berufsneulinge weitergegeben haben. Ein solcher fremder Bergmann war der als „fossorem metallicum et carbonarium" {Erz- und Kohlengräber) bezeichnete Anton Becker in Freckwinkel bei Uthweiler, der aus Harth, Kreis Pilsen in Deutsch-Böhmen, heute Tschechien, stammte. Er war wohl auf der Grube „Satisfaktion" beschäftigt gewesen. 1809 heiratete er die aus Bonn stammende und in Hangelar wohnende Anna Maria Schneider.

Soweit an einzelnen Gruben auch Eigenlöhner beteiligt waren, arbeiteten, wie in der Landwirtschaft, die arbeitsfähigen Frauen und Kinder mit. Zumindest über Tage mußten die Ehefrauen, wenn sie nicht gerade wieder hochschwanger waren, und die Kinder, etwa ab acht Jahren, mitarbeiten. Frauen und größere Kinder bedienten die Haspel, (eine Winde zum Hochziehen der Kohle aus dem Förderschacht) und fuhren mit Handkarren die Kohle ab. Für die größeren Unternehmergruben wird man außer dem Stammpersonal, insbesondere Steiger und Hauer, je nach Arbeitsanfall, ebenfalls wie in der Landwirtschaft, auch Hilfskräfte beschäftigt haben. Außerdem wurden dort Kinder in den Gruben für das Schieben von Förderkarren eingesetzt. Man nannte sie Karrenläufer.

Die Arbeit war schwer und gefährlich, und allen Menschen drohten vielfältige Krankheiten, insbesondere Seuchen. Die Kindersterblichkeit war groß, etwa ein Drittel bis zum zehnten Lebensjahr! Das Gesundheitswesen war sehr unzulänglich. Die nächsten studierten Ärzte (Medici) waren in Bonn, (Alt-)Königswinter und Siegburg. Es ist nicht bekannt, ob ein „handwerklich" ausgebildeter Wundarzt in der Nähe war. Man war weitgehend auf Kurpfuscher angewiesen. Wer das Erwachsenenalter erreichte, war wohl so robust, daß er trotz der Schwere der allgemeinen Lebensumständen die Chance hatte, ein höheres Lebensalter zu erreichen. Dies galt besonders für die Männer, denn die Frauen waren durch die vielen Schwangerschaften anfälliger. Eine erhebliche Anzahl der Männer war ein- oder zweimal verwitwet. Das war auch bei den Bergleuten so. Einer von ihnen, der aus dem Niederwesterwald stammende Johann Matthias Linnig, war sogar dreimal verwitwet. Seine Familie war besonders vom Unglück verfolgt. Die zweite Ehefrau, Elisabeth Lohr, ist 1752 zusammen mit ihrem zweijährigen Kind und ihrer Mutter in Oelinghoven im durch ein schweres Unwetter am Ölberg reißend gewordenen Lauterbach ertrunken. Dieses schreckliche Ereignis paßt zu dem, was Willi Schmidt in seinem Aufsatz „Hitze, Dürre und Wolkenbruch" in der Ausgabe der Siebengebirgs-Zeitung vom 25. Januar dieses Jahres schildert. Als Linnig 1775 in einer Grube verunglückte, hatte er ein Jahr vorher, nachdem er zum dritten Male Witwer geworden war, seine vierte Frau geheiratet.

Die Arbeit in den Braunkohlengruben muß grundsätzlich für die Gesundheit nicht abträglich gewesen sein, wie der Bergbeamte Johann Philipp Becher 1786 aus dem Hohen Westerwald (wo man die Braunkohle „unterirdisches Holz" nannte) berichtete. Er führt dazu u. a. aus: „Aus meinen Bemerkungen über die Grubenluft möchte gefolgert werden, daß die Arbeit in den Holzgruben ungesund wäre, den Arbeitern einen siechen Körper zuzöge und ihnen ein frühes Grab bereite. Allein dieser Schluß würde nichts weniger als richtig sein, da sie gesund und keinen besonderen Zufällen vor anderen Bewohnern des Westerwalds unterworfen sind, außer einer bleichen Gesichtsfarbe, welche jeder Arbeiter erhält, wobei er jedoch alt wird ...
Das insoweit günstige Bild ändert sich natürlich sofort, wenn es nicht um durch den Bergbau verursachte Krankheiten, sondern um Unglücksfälle geht. Becher betonte, daß die Arbeit auf den Gruben mit besonderer Gefahr verknüpft sei. Er erwähnt, daß „böse mit Schwefel geschwängerte Grubenwetter augenblicklich den Tod bringen". Er führt auch Einsturzgefahren an.

Ein Beispiel: Albert Lachen verunglückte am 12. Dezember 1814, wie es in der Sterbeurkunde heißt „... auf der sogenannten Uthweiler Kohlengewerkschaft durch einen Sturz in eine Berggrube". Ein steinernes Gedenkkreuz steht in Freckwinkel an der Straße, die von Bockeroth zur Pleistalstraße führt.

Nach einer etwa zehnjährigen Zwischenzeit unter französischem Protektorat, in der im Rahmen von Verwaltungsreformen die Kirchspiele Oberpleis und Stieldorf {ohne die Bergbaudörfer Roleber und Gielgen) zur „Mairie"  Oberpleis zusammengefaßt wurden, übernahmen die Preußen 1815 das Rheinland. Damit endete die Frühzeit des Braunkohlenabbaus am Nordabfall des Siebengebirges. Bergrechtlich wurde nun das neue Bergamt Siegen zuständig, das dem ebenfalls neuen Bergamt in Bonn unterstellt war.Im Zweiten Weltkrieg hat es leider erhebliche Verluste an bergamtlichen Akten gegeben. Die Forschung nach den einzelnen Gruben der preußischen Zeit wird dadurch sehr erschwert. Aus noch vorhandenen Unterlagen und aus der Fachliteratur wissen wir, daß neun Grubenfelder ganz und weitere sechs Grubenfelder teilweise im Gebiet der ehemaligen Samtgemeinde, später Amtsbürgermeisterei genannt, Oberpleis (außer Hoholz) lagen. Sie wurden, wenn auch mit Unterbrechungen, bis in das letzte Quartal des 19. Jahrhunderts, in zwei Fällen sogar bis in die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts betrieben.

Beinahe wäre es vor ca. 50 Jahren zu einer Wiederaufnahme des Abbaus gekommen. Die Angehörigen meiner Kriegsgeneration werden sich noch daran erinnern, wie sie in den sehr kalten ersten Wintern nach dem Kriege gefroren haben, weil es keinen Hausbrand gab. Die Kohlen mußten an die Besatzungsmächte geliefert werden. Wer an einer der Bahnstrecken wohnte, auf denen die Kohlenzüge nach Westen rollten, hatte einen strategisch günstigen Standort. Dort, wo die Züge mal hielten, mußte kurz entschlossen zur Selbstversorgung gehandelt werden.  Man nannte das „fringsen", weil der Kölner Kardinal Frings den gläubigen Katholiken für dieses „kriminelle", aber zum überleben unbedingt notwendige Tun die Sündennot genommen hatte. Meine Familie wohnte damals am Troisdorfer Güterbahnhof, auf dem die Kohlenzüge immer wieder rangiert werden mußten. Wir haben nicht gefroren. Das war aber nur eine „Lösung" für eine kleine, durch ihre Wohnlage begünstigte Minderheit. Die Notwendigkeit der Hilfe für alle ihre Einwohner hatte die Amtsbürgermeisterei Oberpleis veranlaßt, Untersuchungen über die Abbauwürdigkeit von Braunkohle (und Ton) vornehmen zu lassen. Sie wurden von dem Bonner Geologen Dr. Christian Klein durchgeführt. Es wurden, vor allem in der unmittelbaren Umgebung alter Braunkohlengruben, insgesamt elf Bohrungen bis auf 27 m Tiefe niedergebracht. Aufgrund dieser und älterer Bohrungen und Kohlenabbaue wurden im Amtsbezirk Oberpleis fünf Gebiete als abbauwürdig befunden. Sie sind in der Karte im Gutachten mit den Buchstaben A bis E gekennzeichnet.

Eine der Bedingungen für die Abbauwürdigkeit war, daß ein Flöz mindestens 1,5 m mächtig sein mußte. Die gesamten „sicheren Braunkohlenvorräte" in den Gebieten A bis E wurden mit ca. 1,5 Millionen Kubikmeter angenommen. Der wirtschaftliche Aufschwung  nach der Währungsreform  1948 und der Wegfall des  Kohlenklaus  durch  die  Besatzungsmächte  machten  dann die Oberpleiser Notpläne aber überflüssig. Aus anderen Gründen führten nun in der heutigen Zeit die Pläne der Deutschen Bahn AG zu den eingangs erwähnten Bohrungen. Ein Vergleich der Trassenpläne mit einer Karte des Landesoberbergamtes NRW, auf der die Grubenfelder des hiesigen historischen Braunkohlenreviers verzeichnet sind, zeigt uns, daß die Trasse auf Königswinterer Stadtgebiet sechs ehemalige Grubenfelder berührt. Dies sind von Norden nach Süden: „Justine" (z.T. auf St. Augustiner und Hennefer Gebiet liegend), „Neu Düsseldorf", „Christine", „Dieschzeche", „Philippine"  und  „Horn". Die eingangs erwähnter Bohrung erfolgte ehemaligen Grubenfeld „Philippine".

Schlußbemerkung
Die ausgewertete Literatur wird in dem Buch „Braunkohle und Bergleute am Siebengebirge" ausführlich verzeichnet sein, dessen erster Band im laufe dieses Jahres veröffentlichungsreif sein soll. Er wird sich vor allem mit der vor preußischen Frühzeit vor 1815 befassen, aber auch einen Ausblick auf die Zeit danach geben, soweit dies nach dem bisherigen Stand der - wie bereits bemerkt - für diese Zeit sehr erschwerten Forschungen möglich ist. Wegen der erheblichen Schwierigkeiten durch die Kriegsverluste an bergamtlichen Akten aus der Zeit nach 1815 würde es sehr begrüßt werden, wenn in Privatbesitz befindliche Unterlagen eingesehen werden könnten. Für eine vorgesehene Exkursion werden Stellen im Gelände gesucht, die auf eine frühere Bergbautätigkeit hindeuten. Zweckdienliche Mitteilungen werden unter Telefon 02223 / 26057 erbeten.

Wer sich für den Aufsatz „Bergleute in Hoholz, Gielgen und Roleber in der Frühzeit des hiesigen ehemaligen Braunkohlenbergbaus" im „Holzlarer Boten" vom Dezember 1995 interessiert, der möge sich an dessen Redakteurin Hella Lenders, Hauptstraße 128, 53229 Bonn-Holzlar, Telefon 0228 / 484551, wenden.

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 12 + 13, 1996; Bericht: Friedrich Falk; Foto: Archiv für Mineralogie, Geognosie, Bergbau und Hüttenkunde, Band 5 / 1832;
Zur Verfügung gestellt von
Rudolf Pieper (SZ); Willi Joliet: Foto 1; Günther Steeg: Foto 2 Kohle-, Basalt- und Tonvorkommen in Uthweiler und Umgebung
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