Aufnahme: 1995
Marienkapelle Eisbach
"In einigen Aufzeichnungen auch Ispich genannt, in 15 Minuten von Oberpleis bequem erreichbar, besaß in älterer Zeit zwei Stellmacher, einen Leinenweber und einen Leinemacher, der gleichzeitig Dorfbarbier war. Vom Letzteren erzählt Johannes Bennerscheid aus seinen Erinnerungen. Die ersten fanden im Wald ihr Material, der zweite brauchte den Flachs und der dritte zum Flachs eine Medizinflasche, die mit Petroleum gefüllt Licht verbreitete, welches beim Haareschneiden vonnöten war.
Weiter erzählt er vom gemeinsamen Plausch auf der „Folterbank" am Wochenende über Hexen und Geister. Über einen Viehhändler, mit dem in hiesigen Breiten äußerst seltenen Namen Lichtenberg, der stets in Geldnöten war. Weiter von einem Abortgrubenleerer, der seine Entlohnung nach der Zahl der Kerben auf seiner Schöpfkelle maß. Dann war da noch der Viehdoktor Hannes Schmitz, der leidenschaftlich gerne Karten spielte und dessen Frau das Heizen vergaß, wenn sich der Hausherr auf der Verliererstraße befand.
Der hier in Ruhe lebende Pfarrer Johannes Preuß fand dagegen ernstere Betrachtungen Erinnerungswert. Das Gebet der Familie Kirschbaum am Heiligenhäuschen um die Gnade der glücklichen Geburt ihres ersten Sohnes. Ihr Gelübde fand Erhörung und wirkte sich dahingehend aus, daß in Eisbach, auch durch Zutun einiger Frohnhardter, eine Kapelle gebaut wurde. In dieser Kapelle feierte der 1869 in Rom geweihte, erste bekannte Eisbacher Priester Johannes Kirschbaum im Jahre 1870 das erste Meßopfer. Bezeichnend für die Gläubigkeit der Dorfbewohner ist die Zahl der Priester, die im Laufe der Zeit aus der Dorfgemeinschaft her vorgegangen sind. Nach Johannes Kirschbaum noch Pater Johannes Weber, Prälat Peter Buchholz und Pfarrer Franz Weber. Letzterer versieht zur Zeit sein priesterliches Amt in der Kapelle, die der Rosenkranzkönigin geweiht ist. Als Gefängnispfarrer von Berlin-Plötzensee hat Prälat Peter Buchholz über die Grenzen hinaus Dank und Anerkennung gefunden. Aus den zahlreichen Publikationen ist das Nachwort des ehemaligen Essener Erzbischofs Franz Hengsbach eines der treffendsten:
„Sein Lebenswerk ist mit menschlichen Maßstäben nicht auszumessen, hat er doch in Abgründe blicken müssen und Höhen und Tiefen des menschlichen Herzens schauen dürfen, die den meisten Menschen verborgen bleiben.'' In zahlreichen Abhandlungen wurde seiner gedacht. Er selbst erinnerte im Oberpleiser Pfarrblatt vom Oktober 1957 anläßlich des Eisbacher Kapellenfestes an Pfarrer Dr. Kirschbaum und sein Erbe, welches er übernommen habe und weitblickend die Bitte äußerte, daß nach ihm wieder Priester da sind, die die Tempelwache übernehmen und daß noch gläubiges Volk da ist, das mitbetet und mitopfert. Ich grüße Euch, meine lieben Oberpleiser, in heimatlicher Verbundenheit.
1981 heißt es in einer Pressemitteilung: Rosenkranzfest in Eisbach. Nach alter Tradition wird auch in diesem Jahr die Eisbacher Kapellenkirmes festlich begangen. Am Sonntag, dem 4. Oktober 1981, ist in der Kapelle um 10 Uhr das Hochamt mit anschließendem Frühschoppen. Für ein warmes Mittagessen ist ebenfalls gesorgt. Am Nachmittag wird gegen 15.30 Uhr - nachdem die Prozession aus Oberpleis eingetroffen ist - die Andacht sein. Danach sind alle herzlich eingeladen, sich bei Kaffee und Kuchen zu erholen und für den Heimweg zu stärken. Der Erlös ist für eine notwendig gewordene Renovierung der Kapelle bestimmt."
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