70 Jahre Freiwillige Feuerwehr in Eudenbach

Aufnahme: 1994

70 Jahre Freiwillige Feuerwehr in Eudenbach

Der Wunsch nach einer Feuerwehr bestand bei den Euden­bacher Bürgern wohl schon längere Zeit vor der Gründung der Wehr. Der Großbrand beim landwirtschaftlichen Anwe­sen Wermers in Schnepperoth am 6. Januar 1924 war aber dann der letzte Anstoß zur Bildung einer Freiwilligen Feuerwehr. Der Oberpostschaffner Wilhelm Schneider ergriff die Initiative und lud alle Bürger aus dem Schulbezirk Eudenbach zu einer Versammlung ins Lokal Honnef ein, um auf die Dring­lichkeit einer Feuerwehr in Eudenbach hinzuweisen. Man war von der Idee begeistert und es wurde sofort ein Ausschuß gebildet, der die Vorbereitungen zur Gründung der Freiwilligen Feuerwehr zu treffen hatte. Unter dem Vorsitz des Kreisbrandmeisters Medgenberg aus Siegburg wurde die Grün­dung schließlich am 15. November 1924, also vor nunmehr 70 Jahren, vollzogen.

Als Brandmeister wurde Wilhelm Schneider gewählt, zu seinem Stellvertreter Josef Eich. Insgesamt meldeten sich 33 Männer zum Dienst in der Feuerwehr. In der Folgezeit gab es große Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Uniformen und Ausrüstungsgegenständen. Die Gemeinde Oberpleis zeigte sich den berechtigten Wünschen der Feuerwehr gegenüber wenig aufgeschlossen. Anfang 1925 wurde von den Wehrmitgliedern beschlossen, eine Haussammlung durch­zuführen. Der erste Feuerwehrball wurde abgehalten und ei­ne Spende des Vereinswirtes rundete eine erkleckliche Sum­me nach oben ab. Die ersten zwei Uniformen konnten gekauft werden.

Völlig unerwartet traf eine Nachricht des Kreisbrandmei­sters ein, daß in der Siegburger Geschoßfabrik eine noch gut erhaltene Saug- und Druckspritze zum Verkauf stehe. Brand­meister Schneider und zwei Feuerwehrleute machten sich auf den Weg und kauften die Spritze. Die Gemeinde stellte nun ihrerseits ein Nebengebäude an der Eudenbacher Schu­le als Geräteraum zur Verfügung und nach und nach konnten noch andere Gerätschaften angeschafft werden. Jeden zweiten Sonntag wurde eine Übung anberaumt. Bei einem Brand im Nebengebäude des Anwesens Müller konnte die Wehr erstmals ihre Schlagkraft unter Beweis stellen. Zwei Gönner schenkten 1929 zwei Brandhörner zum Alarmieren der Wehr. Im September 1930 brach in Sand ein Scheunenbrand aus, der von den Wehren aus Uthweiler und Eudenbach gemeinsam bekämpft wurde. 1935 wurde Wil­helm Schneider aus Altersgründen von Peter Demmer abgelöst, der aber sein Amt 1936 schon wieder abgab. Johann Homscheid wurde zum neuen Brandmeister ernannt.

Im Kriegsjahr 1939 war ein Brand in Rostingen zu bekämpfen. Nachdem der zweite Weltkrieg im Mai 1945 beendet war, war die Feuerwehr Eudenbach nicht mehr einsatzfähig. Das Gerätehaus war zerstört, die Ausrüstungsgegen-stände waren gestohlen oder vernichtet. Das Protokollbuch war beim Beschuß und der Zerstörung der Gaststätte Wiesgen verloren gegangen. Willi Limbach, Peter Zumhoff, Walter Hom­scheid, Willi Piel und Heinrich Spinat kamen nicht mehr aus dem Krieg zurück. Josef Eulenberg und Josef Rösgen kamen bei einem Bombenangriff ums Leben. Die Freiwillige Feuerwehr Eudenbach bestand 1949 25 Jahre, aber gefeiert wurde nicht. Die Zeiten waren zu schlecht, man hatte kein Geld und nichts zu essen. Aber ob­wohl keine Ausrüstung und keine Uniformen mehr vorhanden waren und die Handdruckspritze beschädigt war, wurde doch über den Fortbestand der Feuerwehr nachgedacht. Es dauerte dann noch bis 1952, ehe wieder junge Leute in die Feuerwehr aufgenommen werden konnten.

Nach Johann Homscheid wurde Bernhard Homscheid Brandmeister. Die alte Motorspritze aus Uthweiler wurde den Eudenbacher Wehrkameraden übergeben. Mit den wenigen Schläuchen war die Wehr nur begrenzt einsatzfähig. Die Handdruckspritze hatte die Gemeinde Oberpleis verkauft, obwohl sie ihr nicht gehörte, denn sie war ja 1925 von Spenden der Euden­bacher Bürger in Siegburg gekauft worden. Nach heftigen Protesten bei der Gemeindeverwaltung wurde aber der Verkaufserlös der Feuerwehr überwiesen. 1959 begann die Gemeinde mit dem Bau des Feuerwehr­hauses am Marktplatz. Da der Gruppenraum aber viel zu klein war und ein größerer Raum nicht finanziert werden konnte, beschlossen die Wehrkameraden, Geld aus eigener Tasche beizusteuern. Um die Ausrüstung der Eudenbacher Feuerwehr weiter zu vervollständigen, wurde von der Amtsverwal­tung der Kauf eines Tragkraft-spritzenfahrzeuges beschlos­sen. Anfang 1960 wurden das neue Fahrzeug und das neue Feuerwehrhaus eingeweiht. Die Ausstattung der Wehr war für die damaligen Verhältnisse nahezu komplett.

Die Verdienste des Brandmeisters Bernhard Homscheid wurden 1964 mit der Ernennung zum Oberbrandmeister entsprechend gewürdigt. Bei der Jahreshauptversammlung im Januar 1967 wurde die Gründung eines Fanfarencorps beschlossen. Im November 1966 war nämlich in Eudenbach eine Einsatzübung der Feuerwehren des Amtes Oberpleis angesetzt worden, zu der das Tambourcorps der Feuerwehr Uthweiler den musikalischen Rahmen bilden sollte. (Das Uthweiler Tambourcorps wurde kürzlich aufgelöst. Die Red.). Man entzündete zwei Fässer mit Nitrolackresten, um den Zuschauern auch optisch den richtigen Eindruck von Flammen und Rauch zu vermitteln. Aber die Flammen verlöschten und der Rauch verzog sich, ohne daß die Eudenbacher Wehrleute den „Brandherd" erreichten. In die Ratlosigkeit hinein spiel­ten die Uthweiler Tambouristen dann auch noch das Lied vom St. Martin. Das traf die Eudenbacher sehr. Auf den Arm nehmen konnten sie sich selber, dazu brauchten sie die Uthweiler nicht. Und so kam es zu dem Entschluß, selber ein Tambourcorps zu gründen, das heute noch besteht. Den An­fang im Fanfarencorps machten 16 Feuerwehrmänner. Die Leitung wurde Unterbrandmeister Winfried Narres übertragen.

In einer geselligen Runde wurde angeregt, daß eine Vereinsfahne angeschafft werden müßte. In diese Überlegungen hinein unterbreitete Matthias Radermacher das Angebot, er werde 500 DM zum Kauf einer Feuerwehrfahne beisteuern Voraussetzung sei jedoch, daß sein angemeldeter Nachwuchs ein Stammhalter werde. Es kam so wie es kommen sollte. Die Fahne konnte gekauft werden. Während die Wehr jetzt bald ihr 70jähriges Bestehen feiern kann, blickt die Ju­gendwehr, die 1969 ins Leben gerufen wurde, auf 25 Jahre zurück.

Der noch im ehemaligen Amt Oberpleis gefaßte Beschluß zum Neubau eines neuen und größeren Feuerwehrgeräte­hauses wurde von Rat und Verwaltung der neuen Stadt Kö­nigswinter als Auftrag übernommen. Zum 50jährigen Bestehen im Jahre 1974 wurde das neue Haus eingeweiht. Im Februar 1978 wurde Karl-Josef Gilgen zum neuen Löschgrup­penführer bestellt. Die Jugendfeuerwehr wurde von Oberfeu­erwehrmann Erich Hensen übernommen. In all den Jahren gab es zahlreiche kleinere, aber auch größe­re Einsätze. Zu nennen ist der Großbrand beim Gründungsmitglied Josef Eich. Den Brand löste ein Blitzschlag aus. Weitere größere Brandbekämpfungen: Wohnhausbrand Dohle. Brand bei Koslar und die Werkstatt Becher sowie in einem Gewerbetrieb in Quirrenbach. Auch ein selbstentzündeter Pferdemisthaufen mußte gelöscht werden. Bei Verkehrsun­fällen mußte ebenso des Öfteren Hilfe geleistet werden, wie bei Wasser- und Sturmkatastrophen. Heute wird die Wehr von Leo Meis geleitet. Er ist der sechste Löschgruppenführer seit Bestehen der freiwilligen Feuerwehr Eudenbach.

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr.32 vom 11.08.1994; Foto und Bericht: Günher Steeg
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Rudolf Pieper (SZ)
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