Aufnahme: 1993 (Bericht)

Das Foto zeigt eine Aufnahme vom Rosenkranzfest in Eisbach im Jahre 1934

Über den Bittweg und die Eisbacher Kapelle
 
Sie bedeuten uns viel und wir lieben sie: Die alten Kreuze an unseren Wegen und die Heiligenhäuschen. Sie sind nicht nur wertvolle alte Kulturdenkmäler, sondern wie Leuchten in einer vom katholischen Glauben geprägten Landschaft.

Die Kreuze weisen hin auf das Kreuz von Golgota und sind zugleich Zeichen eines unfaßbaren Geschehens. Sie künden, daß Gott die Menschen leidenschaftlich liebt, liebt bis zum Äussersten. Kreuze künden, daß Gottes Arme weit ausgestreckt bleiben und künden auch von Gottes Treue und Erbarmen. Kreuze sagen uns, daß Gott auch an den Wegen unseres Lebens steht und unsere Wege mitgeht. Eine Landschaft ohne Kreuze ist arm und kalt.

Ähnlich ist es mit den Heiligenhäuschen. Sie bringen Wärme und weisen hin auf eine Wirklichkeit, jenseits reiner Diesseitigkeit. Immer waren sie auch Zufluchtsstätte für die Menschen in ihren Anliegen und Nöten. Solch ein Heiligenhäuschen mit dem Bild der Schmerzensmutter stand auch auf der Höhe oberhalb des Dorfes Eisbach. Alte Überlieferungen berichten, daß neben dem Bild der Gottesmutter Krücken hingen, zur Erinnerung an Gottes Hilfe und zum Dank für die Fürsprache der Gottesmutter. Hier, an diesem Heilgenhäuschen, gelobte Konrad Kirschbaum in schwerer Bedrängnis, eine Kapelle zu bauen.

Entlang des Feldweges von Oberpleis nach Eisbach stehen sechs Kreuze. Das älteste, nahe der Straße nach Frohnhardt, wurde 1736 von den Eheleuten Johann Dietrich Otto und Anna Katharina Weschbel zu Ehren der Hl. Fünf Wunden errichtet. Dieselben Eheleute errichteten etwa 500 m weiter auf der Höhe des Bittweges im Jahre 1747 zur Ehre Gottes ein weiteres Kreuz. Durch Kriegseinwirkungen erlitt es 1945 schweren Schaden. Vor völliger Zerstörung wurde es aber dank einiger Eisbacher Männer bewahrt. Die Stadt Königswinter, in deren Besitz sich das Kreuz befindet, beabsichtigt eine baldige Restaurierung.

Ein besonders eindrucksvolles Kreuz auf dem Bittweg wurde 1867 von den Eheleuten Johann Weber und Anna Katharina Kirschbaum errichtet. An den Kreuzesbalken sind die fünf Wundmale unseres Herrn angebracht. Die Inschrift auf dem unteren Teil des Kreuzes lädt zu einem kurzen Gebet ein: "Durch dein Leiden, deinen Tod/ hilf Jesus mir in aller Not/ und laß dein Blut und deine Pein/ doch nicht an mir verloren sein."

Ein anderes Holzkreuz, das sicher auf ein hohes Alter zurückblicken kann, nahe dem Bächlein, wurde nach dem Krieg schändlich geplündert. Der Eisencorpus wurde abgesägt und gestohlen. Ferdi Nipken ist es zu verdanken, daß das alte Steinkreuz an der Ecke Bittweg/Hasenweg vor dem Zerfall bewahrt blieb und wieder ein würdiges Denkmal des gekreuzigten Herrn ist. Das völlig verwitterte Holzkreuz am Hause Rudi Hoff konnte nicht mehr gerettet werden. Gerhard Pohl fertigte aus altem Holz ein neues Kreuz, das am Kapellenfest 1991 von Dechant Müller geweiht wurde.

Sechs Kreuze haben dem Weg von Oberpleis zum Heiligenhäuschen der Sieben Schmerzen Mariens auf der Höhe von Eisbach das Geleit gegeben. Wenn auch kein Dokument darüber vorliegt, darf man annehmen, daß dieser Weg seit Jahrhunderten ein Prozessionsweg ist. Das findet seinen Ausdruck auch darin, daß dieser Weg hin zur Kapelle heute Bittweg heißt. An den sechs Kreuzen und am Heiligenhäuschen der Schmerzensmutter wurden vermutlich die sieben Kniefälle gebetet. Aufbruch dieses Betens wird sicher die altehrwürdige Pfarrkirche gewesen sein. Wie es vielerorts Brauch wer, haben sich die Frauen des Dorfes an den Kreuzen versammelt, um dort zu beten, wenn jemand gestorben war.

An der Stelle, wo das Heiligenhäuschen gestanden hat, wurde 1870 die Eisbacher Kapelle gebaut. Auf dem schlichten Altar befand sich eine kleine Pieta aus weißem Porzellan. So wurde in der neuerrichteten Kapelle die Verehrung der Schmerzensmutter weitergetragen. Das fand seine Fortsetzung in einer ausdrucksvollen Pieta aus Holz, die dem Gefängnispfarrer Peter Buchholz von der Pfarrgemeinde Oberpleis und seinen Essener Freunden im Jahre zum Silbernen Priesterjubiläum geschenkt wurde und ihren Platz auf dem Altar der Kapelle fand. Heute befindet sich diese Pieta in einer Nische neben dem Eingang zur Kapelle, deren Patronin die Rosenkranzkönigin ist. Die Menschen pilgerten gern zur Gottesmutter, entweder allein oder in Prozession, an Bitttagen bei der Flurprozession, vor allem aber am Patronatsfest der Kapelle.

Im Rosenkranzmonat tragen wir dieses Erbe weiter. Unbeirrt durch die Verunsicherung unserer Zeit, machen sich auch heute am ersten Sonntag im Oktober viele Pilger auf den Weg zu dieser kleinen Wallfahrt. Sie ist Zeichen unseres zum Ewigen hin. Wenn wir unterwegs den Rosenkranz beten, ist das Ausdruck dafür, daß wir mit Maria zu Christus gehen. Denn ER ist ja das Ziel aller Wanderschaft des Erdenlebens. Auch daran werden wir durch die alten Kreuze am Weg erinnert.

Pastor Franz Weber 

Quelle
Pfarrfamilie Nummer 2, April / Mai 1993; Bericht: Pastor Franz Weber
Zur Verfügung gestellt von
Edith Jarzombek / Pfarrarchiv St. Pankratius Oberpleis Bittweg bei Google Maps
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