Aufnahme: 1992

Katholische Volksschule Sandscheid - Bürgerversammlung in Berghausen

fst. Bürgermeister Herbert Krämer hatte am 25. Februar zu einer Bürgerversammlung in die Gaststätte „Müller's Marie" in Berghausen eingeladen. Aufgrund der hochaktuellen Themen drängten sich viele Bürger in die Gasträume. Landtagsabgeordneter Franz Riscop, der stellvertretende Bürgermeister Gerhard Klant, der Vorsitzende des Ortsvereins Josef Els und die Lehrerin Dorothee Birkhäuser waren ebenfalls anwesend. Bürgermeister Herbert Krämer freute sich, daß so viele trotz „Fastelovend" gekommen waren und stellte bei seiner Begrüßungsrede fest, daß dies die 20. Bürgerversammlung seit 1980 in Berghausen sei. Er gab einen Überblick über die vergangenen Aktivitäten und stieg dann gleich in den ersten Besprechungspunkt des Abends ein, der da lautete: „Schule Sandscheid, was nun? Unser Schulbezirk Sandscheid hat zu wenig Kinder". Herbert Krämer belegte anhand von Diagrammen und Statistiken die Einwohner- und Kindersituation in Berghausen und Königswinter insgesamt. Er stellte u. a. fest, daß derzeit in Berghausen 983 Einwohner sind und forderte die jungen Leute scherzend auf, die 1000 vollzumachen. Aber das reicht ja bei weitem nicht aus. Die Entwicklung geht dahin, daß die Kinderzahl abnimmt. So waren es in Königswinter 1979 6345 Schulkinder und heute sind es einschließlich der Asylanten- und Aussiedlerkinder 3617. Die Folge dieses kontinuierlichen Kinderrückganges war die Schließung der Schule in Thomasberg und des Gymnasiums in der Altstadt Königswinter. Die Schließung weiterer Schulen im Bereich Königswinter könne bevorstehen. Herbert Krämer ging auf die Höhen und Tiefen der Sandscheider Schule ein, verwies auf die bewegte Geschichte und belegte anhand alter Unterlagen, daß die Schließung der Schule seit 1981 immer wieder im Gespräch war. Dies konnte u. a. dadurch vermieden werden, daß Kinder aus den vielen umliegenden Ortsteilen die Klassenbelegung verstärkten und so die vom Kultusminister festgelegten „Belegungsrichtwerte für NRW" meist soeben erreicht wurden.

Der Bürgermeister erläuterte dann die schulspezifischen Berechnungsgrundlagen und ging auf die ständigen Fahrprobleme ein. Hierbei machte er auch noch einmal sehr deutlich, daß die Stadt für die Gebäudeunterhaltung und die Fahrtkosten zuständig sei, nicht aber für die Schließung der Schulen wegen Schülermangel verantwortlich ist. Franz Riscop und Gerhard Klant bestätigten das während der leidenschaftlich geführten Diskussion. „Für mich ist es auch nicht einfach, aber leider sind es die Fakten", so Herbert Krämer. Er besuchte ebenfalls die Schule in Sandscheid, die fast eine hundertjährige Tradition hat. Der zuständige Ausschuß der Stadt ist gefordert. Wenn wird die Schließung 1993 oder 1994 realisiert. Die Schule wird dann einer anderen Verwendung zugeführt, Turnhalle und Toiletten sollen der Öffentlichkeit erhalten bleiben. Jedoch wurde auch deutlich, nicht alle Eltern tragen die Schule in Sandscheid. „Es ist eine Katastrophe, diese Schule„, machten einige Eltern ihrem Unmut Luft und schimpften über den schlechten Gebäudezustand.  „Da werden die Sparmaßnahmen auf dem Rücken unserer Kinder ausgetragen". Andere Eltern beklagten sich, daß beim Ausfall eines Lehrers kein Ersatz einspringt. Springerlehrer gibt es nun hier einmal nicht und werden vom Land auch nicht genehmigt. Herbert Krämer belegte anhand von Zahlen, daß für die Unterhaltung der Schule Sandseheid jährlich 40000 Mark aufgebracht werden müßten. Alleine für die Dachsanierung seien 15000 erforderlich. Der Vorsitzende des Ortsvereins. Josef Els, versicherte alles zu tun, um die Schule zu erhalten, fragte dann aber doch, „was wollen wir an der Kinderzahl ändern?"

Als nächstes berichtete Bürgermeister Herbert Krämer über den aktuellsten Stand der Schnellbahn Köln - Frankfurt. Er teilte mit, daß die 17 Planungs-Ordner der Bundesbahn jetzt der Stadt zur Einsichtnahme vorlägen und nannte hierzu einige wichtige Termine: Vom 16. März bis zum 16. April 1992 sind die Planungsunterlagen zur öffentlichen Einsichtnahme im Verwaltungsgebäude Thomasberg ausgelegt. Bis zum 30. April können dann die Bürger ihre Einwände erheben. Schließlich ist am 2. April in der Aula Oberpleis eine große Versammlung, bei der auch Vertreter der Bundesbahn teilnehmen. Wie Bürgermeister Krämer durchblicken ließ, hat sich der Stadtrat nun entschlossen, gegen jede Streckenführung zu k lagen. Vor allem aber ist ihm daran gelegen, für die Stadt bei der Bundesbahn die optimalste Lösung zu erreichen. Bei der anschließenden Diskussion wurde die Pro und Kontraeinstellung der Bürger zum ICE-Streckenverlauf deutlich. Diesen hochpolitischen, mit Sprengstoff geladenen Rahmen sprengten Karnevalsprinz Jopa I. und sein Adjutant Bernd Dahs. Lei­der, wie allgemein bedauert wurde, ohne Prinzessin. Jedenfalls zeigte es sich, daß auch ein Karnevalsprinz ein offenes Ohr für brisante, ortspolitische Probleme hat.

Herbert Krämer ging dann auf die Verkehrssicherheit in Berghausen ein, gab einen Überblick über alte Aktivitäten und stellte schließlich fest, daß es ein Patentrezept für Verkehrssicherheit nicht gäbe. Er appellierte nochmals nachdrücklich an die Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto von der Schule abholen, auf die anderen Fußgängerkinder besonders zu achten. Wie Herbert Krämer mitteilte, wird jetzt an der Kreuzung in Sandseheid eine Anforderungsampel installiert. Weitere Bürgerversammlungen in Berghausen werden folgen„ So vermutet Herbert Krämer, daß der Schulrat in „Sachen Schule Sandseheid" mit Sicherheit vor Ort Rede und Antwort stehen wird.

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 10 vom 05.03.1992; Text: Günther Steeg
Zur Verfügung gestellt von
Rudolf Pieper (SZ); Fritz Karl Birkhäuser; Foto
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