Bürgerversammlung im Freien - Müll - Kanal - Verkehr

Aufnahme: 1992

Bürgerversammlung im Freien - Müll - Kanal - Verkehr

"Im Rhein-Sieg-Kreis werden jährlich 450000 Tonnen Müll produziert, die nicht nach Frankreich exportiert werden, berichtete der Geschäftsführer der Rhein-Sieg-Abfallwirtschaftsgesellschaft, Karl Heinz Meys, auf einer sehr gut besuchten Bürgerversammlung in Berghausen, die Bürgermeister Herbert Krämer einberufen hatte. An diesem lauen Sommerabend kamen etwa 200 Bürgerinnen und Bürger zum Dorfbrunnen. Nach den Worten von Meys wird der Müll per Eisenbahn über Troisdorf nach Mechernich befördert, doch nur noch sechs Jahre. Dann soll eine Müllverbrennungsanlage in Niederkassel gebaut werden. Das ist jedenfalls der Wunsch der CDU. Doch anders die FDP, sie will die Anlage nicht. Nach den Worten von Meys wird man aber nicht darum kommen, diese zu bauen.

Auf die Frage eines Bürgers, was denn diese Müllverbrennungsanlage kostet, antwortete der Geschäftsführer: Rund 400 Millionen Mark. 1 1/4 Stunde wurde über den Müll diskutiert. Der Müllhaushalt muss kostendeckend sein und somit wird der Müll immer teurer. Dafür, dass trotz aller Sparmaßnahmen Müll produziert wird, sei die Tatsache, dass man dem Bürger zu große Mülltonnen offeriert, kritisierte ein Bürger. Man stopft sie voll, um die Gebühren auszunutzen. Dazu entgegnete Meys: ‚Die Gebühren werden nach der Haushaltsgröße berechnet und nicht nach der Größe der Mülltonnen.' Für die generelle Biomüllabfuhr mit der braunen Tonne sei ein ‚Bonus für Eigenkompostierer‘ in den Überlegungen. Sparen könne der Bürger auch nach wie vor mit der 14-tägigen Müllabfuhr. Dem Fünf-Personenhaushalt spare das jährlich rund 100 Mark. Für die Müllabfuhr habe die Gesellschaft Fremdunternehmer beauftragt. Das sei billiger, als wenn der Müll in Eigeninitiative abgefahren wird, so Meys. Im Durchschnitt kommen 345,8 Kilo Müll auf jeden Einwohner des Kreises. Rund 30 Prozent davon werden der Wiederverwertung zugeführt.

Dann war das Thema dem Kanalbau gewidmet. Im Jahre 2010 ist die gesamte Stadt Königswinter an das Kanalnetz der Kläranlagen Dollendorf und Menden angeschlossen. Dazu ist es noch notwendig, sagte Krämer, dass jährlich 20 Millionen Mark in die 'Erde vergraben' werden. Bis 1994 ist die Kanalleitung bis Herresbach vollendet und dann wird die zwei Kilometer lange Berghausener Straße in Berghausen die Abwässer in diesen Kanal einleiten. Die Dimensionierung des Kanals der Berghausener Straße ist dann noch ausreichend. Die Einleitungserlaubnis des RP läuft 1994 ab. 1995 und 1996 werden alle Nebenstraßen Berghausens einen Kanalabschluss erhalten. Wenn dann auch diese Nebenstraßen ihren Schlamm in den Kanal Berghausener Straße einleiten, ist dieser Kanal nicht mehr ausreichend und muss neu verlegt werden. Dann wird Berghausen eine einzige Baustelle sein, sagte Krämer. Er betonte dabei auch, dass den Berghausener dadurch keine erhöhten Kosten entstehen. Die Bevölkerung Gesamtkönigswinters wird zur Kasse gebeten.

Walter Jansen von der Berghausener Straße 74 hatte Anfang des Jahres eine Eingabe an den Stadtrat gemacht. Danach seien in zwei Vormittagsstunden 650 Autos an seinem Haus vorbeigerast. Das sei unerträglich und er beantrage, die Berghausener Straße als Anliegerstraße zu deklarieren. Die Autofahrer, meist mit fremden Kennzeichen, benutzen die Berghausener Straße als Abkürzung, obwohl es eine gut ausgebaute Umgehungsstraße gibt. Er schlug ferner vor, eine 30-Kilometerzone anzuordnen und weitere Parktaschen anzulegen. Walter Jansen bemängelte zudem, dass die bestehenden Parktaschen, wenn sie nicht benutzt werden, überfahren werden können. Das waren alles Vorschläge, die im Rat und seinen Ausschüssen keine Gegenliebe fanden, auch nicht bei den übrigen Berghausener. Herbert Krämer sagte, dass seine Frau zur gleichen Zeit ebenfalls die Autos gezählt habe. Es waren nur 135, Jansen gab zu, nur sieben Minuten gezählt und dann auf zwei Stunden die Autozahl hochgerechnet zu haben. Herbert Krämer: ‚Die von Ihnen hochgerechneten Zahlen können so von uns nicht akzeptiert werden. In Berghausen sind 23 selbständige Kaufleute tätig, da halte ich es für unmöglich, die Haupt-Dorfstraße zur Anliegerstraße zu erklären."

"Ganz abgesehen davon hat die Stadt für Verkehrsberuhigungsmaßnahmen baulicher Art keine Mittel mehr im Säckel." Krämers Ratskollege Karl-Heinz Seger (SPD), ebenfalls Berghausener: ‚Es ist für mich unverständlich, dass auswärtige Autofahrer durch Berghausen fahren. Ihren Antrag habe ich trotzdem mit abgelehnt, weil er nicht der Mehrheit der Bürger von Berghausen entspricht.‘ Seger kann die Abneigung der Berghausener gegen Recycling-Schwellen verstehen. Vor den Schwellen wird gestoppt und hinter den Schwellen wieder Gas gegeben. Eine Mutter stellte sich hinter Janses Antrag, ich kann meine Kinder nicht mehr alleine auf die Straße gehen lassen. Eine andere Bürgerin: ‚Man baut nicht erst ein Haus und fängt dann an zu meckern.‘ Krämer schlug eine neue gemeinsame Zählung vor und ermahnte alle Berghausener sie sollten wenigstens langsamer fahren."

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 36 vom 3. Sept. 1992
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Friedrich Müller
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