Aufnahme: 1990
Bürgermeister von Markkleeberg zu Gast in Frohnhardt
st. „Für uns in der DDR hat am 9. Oktober 1989 eine neue Zeitrechnung begonnen." So Bürgermeister Claus-Jürgen Bernsdorf aus der DDR-Stadt Markkleeburg bei Leipzig bei einer Zusammenkunft Frohnhardter Bürger in der Oberpleiser Gaststätte „Zum Ännchen". Eingeladen dazu hatte der Frohnhardter Bürger Wilhelm Lehmacher. Vor drei Jahren hatte er aus Anlaß des 100. Geburtstages eines ehemaligen Lehrers aus Markkleeberg die seinerzeitigen Schülerinnen und Schüler bereits in Frohnhardt zu Gast. Ein Gegenbesuch der Frohnhardter scheiterte an den DDR-Behörden im Jahre 1988. Zum vergangenen Jahreswechsel besuchte Wilhelm Lehmacher die DDR-Stadt und lud den Bürgermeister zu einem privaten Besuch nach Frohnhardt ein.
Diese Einladung nahm Bürgermeister Bernsdorf spontan an und weilte nunmehr drei Tage im Siebengebirge. Bei einem Umtrunk beschlossen die Frohnhardter, die vor drei Jahren geknüpften Kontakte zu vertiefen. Bernsdorf: „Die 104 Markkleeberger, die vor drei Jahren für ein paar Tage in das schöne Rheintal reisten, zehren noch heute von ihren Erlebnissen. Sie erwarten in nicht allzu weiter Ferne den Besuch der Freunde aus Frohnhardt und wollen später wieder einmal an den Rhein kommen." Bürgermeister Bernsdorf dankte für den Empfang jetzt und vor drei Jahren und schilderte die politischen Verhältnisse heute in Markkleeberg und in der DDR, die sich fast täglich ändern. Er würde sich nicht wundern, wenn sich in den wenigen Tagen seiner Abwesenheit die Dinge wieder geändert hätten. Zurzeit gebe es in der gesamten DDR etwa 45 verschiedene politische Gruppierungen.
Für die nicht etablierten Parteien sei es sehr schwer, sich politisch bei den kommenden Wahlen zu behaupten. Doch er begrüße trotzdem die vorgezogenen Wahlen am 18. März. Ob er allerdings nach 91/2-jähriger Tätigkeit als Bürgermeister wiedergewählt werde, sei noch zweifelhaft. Er habe sich zwar immer zum Wohle der Stadt eingesetzt, doch sei er aus der SED ausgetreten und nun kandidiere er als Unabhängiger. Bernsdorf, der seine Stadt näher schilderte, würde eine Städtepartnerschaft zwischen Markkleeberg und Königswinter sehr begrüßen, doch würde die Freundschaft nicht darunter leiden, falls eine Partnerschaft nicht zustande kommen würde.„Markkleeberg fühlt sich gegenüber Frohnhardt seit 1987 in Schuld." Henning Niemeyer von den Grünen möchte gerne einen baldigen Jugend- und Schüleraustausch verwirklicht wissen. Diesem Wunsche war der Bürgermeister aufgeschlossen.
Natürlich wurde auch über den Tourismus und das Hotel- und Bettenangebot diskutiert. Hier mußte Bernsdorf zugeben, daß der Tourismus in der gesamten DDR noch sehr im argen liegt. In Markkleeberg gibt es zur Zeit nur ein Hotel mit etwa 50 Betten. Bei einem Gegenbesuch würden die Markkleeberger ihre neuen Freunde aus dem Westen auch gerne privat unterbringen. Bernsdorf sprach auch über die billigen Mieten und den dadurch teilweise entstandenen Verfall der Bausubstanz. Markleeberg entstand 1934, ist der größte Vorort von Leipzig, hat 18600 Einwohner und 13 Ratsmitglieder. Wilhelm Lehmacher führte seinen Gast durch Königswinter und zeigte ihm das Bonner Regierungsviertel. Claus-Jürgen Bernsdorf wurde auch von seinem Königswinterer Kollegen Bürgermeister Günter Hank im Haus Bachern empfangen.
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