Aufnahme: 1990

Kunst und Geschichte - Anke Ikelle-Matiba-Kohlhausen - Zeitkritische Aquarelle einer Uthweiler Malerin

In der Raiffeisenbank Siebengebirge, Dollendorfer Straße 23, in Oberpleis sieht man bis zum 13. August während der üblichen Schalterzeiten ausgewählte Aquarelle und Collagen von Anke Ikelle-Matiba­ Kohlhausen. Sie wurde 1946 in Barkhausen an der Porta Westfalica geboren und lebt jetzt mit ihrem zweiten Mann Rolf Kohlhausen in Uthweiler. Sie studierte 1974-1978 an der Pädagogischen Hochschule Bonn Kunst und Sozialwissenschaften und lehrt diese Fächer an der Gesamtschule Troisdorf. Während ihrer Ausbildung lernte sie Grundbegriffe der Bildenden Kunst, besonders der Malerei kennen, die sie dann im Selbststudium und durch die Beschäftigung mit den Surrealisten weiterpflegte, zuletzt angeregt und ermutigt durch den Künstler Tor Michael Sönksen. Eines ihrer frühen Werke „Bauman­ thropomorphose",  1976, wurde in der Reihe der DuMont Kunsttaschenbücher 61 von Martin Schuster und Horst Beisl „Kunst-Psychologie, wodurch Werke wirken", Köln 1978, als Beispiel für eine persönliche Ausdruckskraft in einer zeitgenössischen Kunstrichtung abgebildet.

Während ihrer ersten Ehe mit dem inzwischen verstorbenen Schriftsteller und Literaturpreisträger Jean Ikelle-Matiba befaßte sie sich seit 1985 mit der schwarzafrikanischen Kultur, die noch heute in vielen ihrer Visionen gegenwärtig ist. Sie gewährt uns jetzt Einblicke in ihre neueste Schöfungsphase: Stellungnahme zu allgemeinen Fragen der Menschen aller Rassen, ausgelöst durch ihren Aufenthalt in der DDR während der entscheidenden Tage des vergangenen Herbstes - in einer Art „Explosion" von  17 Bildern zwischen Oktober 1989 und Mai 1990. In dieser Zeit entstand der Zyklus bestehend aus „Schrei nach Freiheit", „Schatten der Vergangenheit" und „Schnee im Frühling". Eine andere Bildfolge beginnt mit dem Teil „Im Goldenen Käfig", wo wir eine der berühmten und in der Kolonialzeit verschleppten afrikanischen Metallarbeiten von Benin sehen, und wie eine Künstlerin sich leidenschaftlich gegen Sinnfosigkeit der Museen wendet, in denen Kultgegenstände fremder Völker gefangen gehalten werden. Im anschließenden Bild fliehen die Nachfahren alter Kulturen vor der Umweltzerstörung, wovor weder die Masken der göttlichen Ahnen noch das Kreuz der Kolonialherren eine Rettung verheißen.

Anke Ikelle-Matiba-Kohlhausen schildert das (Un-)Wesen der neuen Kultfiguren, wenn sie in einer Serie die Geschmacksverirrungen im Bilde der Barbie-Puppe vor Augen und ad absurdum führt: „Die Heilige Barbie" zeigt, wie moderne Erfindungen zum Konsumzwang und zur Naturzerstörung verführen, während anschließend im „Tanz um das Goldene Kalb" Symbole der Ewigkeit verdreht werden. Die Künstlerin nimmt auch auf jüngste klimatische Vorgänge Bezug, z.B. im Aquarell „Die Welt ist Wind". Schließlich geht die Malerin auch voller Humor, mit fröhlichen Farben in den Bildern „Hahnenkult" und „Das Ei" auf Tagesereignisse des kommunalen Lebens ein: Als sie in Begleitung ihres Mannes, des „Grünen"-Stadtrats Rolf Kohlhausen, beim Besuch der Stadt Königswinter in der Partnerschaftsstadt Cognac ein Federvieh zum Geschenk erhielt. Hier sind Tier- und Lebens-Symbole aus ältester Zeit in neuer Fassung ins Bild gesetzt, hier wird in ganz persönlicher Erfindungsgabe festgehalten, was damals in der französischen Regionalpresse mit Witz kommentiert wurde: "Ein gallisches Huhn dem teutonischen Hahn"

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 24 vom 13.06.1990; Foto: J. L. Ikelle-Matiba; Text: Prof. Dr. Klaus Fischer
Zur Verfügung gestellt von
Rudolf Pieper (SZ)
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