Aufnahme: 1988

Gedenkmesse für Prälat Peter Buchholz

Die Siebengebirgs-Zeitung berichtete:

Kranzniederlegung aus Anlass des 100. Geburtstages am Grab an der Kapelle in Eisbach.

Mit einer Kranzniederlegung an seinem Grab neben der Rosenkranzkapelle in Eisbach werden Bürgermeister Günter Hank und Stadtdirektor Franz Josef Schmitz am kommenden Sonntag, 31. Januar, des Prälaten und Ehrenbürgers der ehemaligen Gemeinde Oberpleis, Peter Buchholz, gedenken. Anlass ist der 100. Geburtstag eines Priesters, der während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft Tausenden Verurteilten half, seelischen Beistand leistete und letzten Trost spendete auf dem Wege zur Hinrichtung. Am Sonntag um 16 Uhr wird sein Neffe - Prälat Peter Buchholz - ein Messopfer zelebrieren und Pater Dr. Gabriel Busch OSB, der den Seelsorger noch als Gefängnispfarrer kannte, die Predigt halten.

In Eisbach als viertes von neun Kindern geboren, kam Peter Buchholz nach der Volksschule auf das Gymnasium in Neuß. 1907 entschloss er sich zum Priesterberuf und wurde am 10. August 1911 im Kölner Dom zum Priester geweiht. Von 1911 bis 1914 wirkte er als Kaplan an St. Antonius in Düsseldorf. Während des Ersten Weltkrieges als Divisionspfarrer im Einsatz, übernahm er nach Kriegsende eine Kaplanstelle in Essen und wurde Religionslehrer am Mädchengymnasium und Lehrerinnenseminar. Mit der Berufung zum Strafanstaltspfarrer in Essen begann für Peter Buchholz ein neuer Lebensabschnitt. Von 1941 bis 1943 als Gefängnisseelsorger in Düsseldorf tätig, wurde der inzwischen zum Geistlichen Rat Ernannte am 23. August 1943 ermächtigt, das Hinrichtungsgefängnis in Berlin-Plötzensee als Oberpfarrer zu übernehmen. Außerdem übergab man ihm das Frauengefängnis, ein Jugendgefängnis und das Gefängnis Berlin-Tegel mit 2000 Insassen zur Betreuung.

Am schlimmsten war für ihn - nach späteren Schilderungen - Plötzensee, eine Stätte des Grauens, wo neben dem Hinrichtungsschuppen, in dem die Menschen erhängt wurden, Tausende auch den Weg zum Schafott gehen mussten. Viele Gegner Hitlers, die an der Verschwörung des 20. Juli 1944 beteiligt waren, bereitete Pfarrer Peter Buchholz hier auf ihre letzte Stunde vor, unter ihnen Graf von Moltke, Generalfeldmarschall von Witzleben, Rechtsanwalt Josef Wirmer, die Gewerkschaftsführer Bernhard Letterhaus und Nikolaus Groß, Generalleutnant von Hase, Generaloberst Höppner, Peter Graf Yorck von Wartenburg u.a.m.

Im Mai 1945 berief ihn der sowjetische Kommandant in den Magistrat der Stadt Berlin als "Beirat für kirchliche Angelegenheiten". Ende 1946 kehrte Pfarrer Buchholz auf seinen alten Posten nach Düsseldorf zurück, nachdem er zuvor zum Ehrendomherrn in Berlin ernannt worden war. 1952 verlieh ihm Papst Pius XII. den Titel eines Päpstlichen Hausprälaten. Der Bundespräsident zeichnete den Träger des EK I und 11 aus dem Ersten Weltkrieg 1952 mit dem Verdienstkreuz I. Klasse und 1959 mit dem Großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland aus.

Die damals selbstständige Gemeinde Oberpleis ernannte Ihren großen Sohn auf einstimmigen Ratsbeschluss vom 15. August 1961 am Tage seines Goldenen Priesterjubiläums zum Ehrenbürger, "im Bewusstsein seiner besonderen Verbindung zur Gemeinde Oberpleis infolge seines tief verwurzelten. Heimatgefühls und in Würdigung seiner Verdienste um seinen Geburtsort Eisbach, nicht zuletzt aber wegen seines mannhaften, aufrechten und unerschrockenen Eintretens für seine verlassensten Brüder in Deutschlands schwerster Zeit", wie es in der Verleihungsurkunde heißt.

Prälat Peter Buchholz starb am 4. Mai 1963. Er wurde, seinem Wunsche entsprechend, in seinem geliebten Eisbach neben der von ihm miterbauten Kapelle beigesetzt. Ein Freundeskreis stiftete dem "Märtyrer der Neuzeit" ein Jahr später einen würdigen Gedenkstein. Er steht nahe der Kapelle, dort, wo der Gefängnispfarrer immer wieder Kraft sammelte, um dann hinauszugehen zu seinem Martyrium und bitteren Kreuzweg in Hitlers grausamen Strafanstalten.

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 4 vom 28. Jan.1988
Zur Verfügung gestellt von
Friedrich Müller
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