Aufnahme: 1988

Interview mit Herrn Pater Columban Esser OSB - Priester in der Benediktinerabtei auf dem Michaelsberg Siegburg

P F: Herr Columban, Sie sind bereits seit 1960 in unserer Pfarrei als Priester in Uthweiler tätig.
Schildern Sie uns doch einmal kurz ihren Lebenslauf.

Das werde ich gerne tun. Ich wunde 1926 in Köln geboren und habe nach der Volksschule das bekannte Dreikönigsgymnasium in Köln besucht. Der Schulbesuch wurde allerdings vom zweiten Weltkrieg unterbrochen. Mit 17 Jahren wurde ich als Luftwaffenhelfer eingezogen. Bei Kriegsende war ich zunächst in amerikanischer, dann in französischer Gefangenschaft. Bis Ende 1948 war ich als Landarbeiter in Südfrankreich eingesetzt. Ich habe dann in 1949 das Abitur nachgeholt und bin Ostern 1950 in den Benediktinerorden auf dem Michaelsberg eingetreten. Dort war ich bis 1953 als Mönch tätig und habe dann von 1956 bis 1960 in Rom Theologie und Philosophie studiert. Im Jahre 1957 wurde ich in Köln zum Priester geweiht.
 
P F: Wie kam es eigentlich zu der für Sie - man kann beinahe schon sagen schicksalshaften Sendung als Priester nach Uthweiler?
 
Oh, um das zu beantworten, muß ich ein klein wenig ausholen.
Die Abtei auf dem Michaelsberg mußte im Krieg von den Mönchen geräumt werden.
Den damaligen Abt Ildefons hatte es während dieser Zeit in unsere Pfarrei verschlagen. Er wurde damals von hiesigen Bürgern besonders unterstützt. Aus Dankbarkeit hat er dann dafür gesorgt, daß immer ein Priester vom Michaelsberg nach Uthweiler kam.
So kam er dann auch im Oktober 1960, kurz nachdem ich wieder aus Italien zurück war, zu mir und meinte: „Columban, geht Du mal zu den Uthweilern!“

P F: Und da sind Sie jetzt schon 28 Jahre. Was können Sie aus
dieser Zeit an besonderen Anlässen erwähnen?
 
Das größte Geschehen war der Kapellenneubau in 1968. Bereits kurze Zeit, nachdem ich Uthweiler betreute, stellte ich fest, daß die damalige Kapelle wegen Feuchtigkeit dringend renovierungsbedürftig sei. Es stellte sich aber heraus, daß eine Vollrenovierung eine Unsumme Geld verschlungen hätte. So reifte also unter den Uthweiler Bürgern der Entschluß, vielleicht eine neue Kapelle errichten zu können.
Nach vielen Jahren der Entscheidung und Planung und unter Mithilfe des damaligen Pastors Wichert wurde dann endlich in 1968 die neue Kapelle eingeweiht.
Aber was reden wir hier von besonderen Anlässen? Viel wichtiger war mir in all den Jahren der Kontakt zu der Bevölkerung mit ihren Sorgen und Freuden.
 
P F: Nun wollen wir einmal Uthweiler verlassen. Was unsere Leser sicherlich sehr interessiert ist: welche Funktion hatten und haben Sie im Kloster?

Da will ich aber nur die wichtigsten Tätigkeiten erwähnen:
Aufgrund meines Studium, insbesondere der Philosophie, war ich dazu auserkoren, Vorträge an Theologischen Hochschulen zu halten; ich war Religionslehrer an Schulen, war Magister und Novizenmeister (Betreuung für Priester und Bruderanwärter), habe Kathechetenausbildungen für Erwachsene abgehalten usw.
Zurzeit übe ich neben anderen Tätigkeiten die Unterrichtung der Neubrüder in Theologie aus.

P F: Herr Columban, wie sieht eigentlich so ein Tagesablauf in einem Benediktinerkloster aus?

Ganz kurz gesagt – sehr lang - !
Um 5,15 Uhr ist Wecken. Von 5,45 Uhr bis 6,30 Uhr ist der Frühgottesdienst mit Chorgebet.
Dann kann bis 7,30 gefrühstückt werden.
Von 7,30 Uhr bis 8,00 Uhr ist gemeinsame Meditation in der Privatkapelle.
Von 8,00 Uhr bis 12,10 Uhr kann jeder seiner Arbeit nachgehen.
Von 12,15 Uhr bis12,40 Uhr wird das Mittagessen eingenommen.
Bis 13,30 Uhr ist dann eine Erholungszeit.
Von 13,30 Uhr bis 17.15 Uhr geht dann jeder wieder seiner Arbeit nach.
Von 17,15 Uhr bis 18,05 Uhr wird ein gesungenes Choralhochamt gehalten.
Danach ist gemeinsames Abendessen.
Von 19,15 Uhr bis 19,45 Uhr ist der Vespergesang
und von 20,45 Uhr bis 21,00 Uhr ist das Komplet.
Die Zeit danach steht jedem - meist dann bereits als Nachtruhe - zur freien Verfügung.
 
P F: Sie haben zwar nicht viel Zeit bei diesem ausgefüllten Tagesablauf.
Aber sagen Sie uns doch mal, welche Hobbys und besonderen Neigungen sie haben?

Ich liebe Fremdsprachen, wandere gerne, reise gerne - besonders in südliche Länder.
Ich war oft als Reiseleiter für das Bibelwerk im heiligen Land. Außerdem interessiere ich mich sehr für die klassische Archäologie und antike Geschichte.

P F: Herr Columban, vielen Dank für ihre offenen und interessanten Antworten.

Quelle
Pfarrfamilie Nummer 5, Oktober/November 1988
Zur Verfügung gestellt von
Edith Jarzombek / Pfarrarchiv St. Pankratius Oberpleis
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Aus den Dörfern ringsum Presseberichte Presseberichte 1 (bis 1989)
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