Aufnahme: 1987
Horst Eggert wurde 100 Jahre alt
104 ehemalige Schülerinnen und Schüler aus der DDR
kamen zum Geburtstag nach Frohnhardt
gst. Frohnhardt, ein kleiner Ortsteil von Königswinter, stand am Wochenende im Mittelpunkt großen Geschehens. Dort fand die bisher größte deutsch-deutsche Begegnung statt. 104 Rentner aus der DDR, genauer gesagt, aus Mark-Kleeberg bei Leipzig, kamen mit einem Sonderzug nach Bonn, wo sie von dem Leiter der Dorfgemeinschaft Frohnhardt, Wilhelm Lehmacher, empfangen wurden. Der Grund: Lehrer Horst Egert, der viele Jahrzehnte im heutigen Mark-Kleeberg unterrichtete, wurde 100 Jahre alt. Egert lebt seit vielen Jahren im idyllischen Frohnhardt. Nun hatte Wilhelm Lehmacher die Idee, einige Ehemalige anzuschreiben, sie einzuladen, die dann weitere Schüler von Horst Egert mitbringen sollten.
Lehmacher rechnete mit etwa 30, doch gekommen waren nun 104, die das Rentenalter erreicht hatten. Weitere 100 hatten sich ebenfalls auf eine Reise in den Westen gefreut. Doch die DDR-Behörden verweigerten die Ausreise, weil sie eben noch nicht das Rentenalter erreicht haben. Dazu kamen weitere 80 Männer und Frauen, die von Horst Egert unterrichtet wurden und heute in der Bundesrepublik leben. Es war ein Freudenfest für Horst Egert und für den ganzen Ortsteil. Mit Gedichten, eigens auf Horst Egert geschrieben, gratulierten die Schüler und Schülerinnen der einzelnen ehemaligen Klassen.
Dabei wurde immer wieder die Herzlichkeit des ehemaligen Lehrers betont. Auch hatten sie alle nette Geschenke mitgebracht, die den Altersjubilar erfreuten, der all die Strapazen der Feierlichkeiten in seltener Rüstigkeit überstand. Selbst der Bundespräsident gratulierte schriftlich mit einem Geldbetrag. Bügermeister Günter Hank verlas das Glückwunschschreiben, gratulierte aber auch mit einem Geldgeschenk und einem Frühstückskorb im Namen der Stadt. Horst Egert sei nun der Dritte im Bunde der über 100jährigen in der Stadt Königswinter. "Ihr habt mich glücklich gemacht." Gerührt und mit Tränen in den Augen begrüßte Horst Egert seine Gäste, nachdem Wilhelm Lehmacher die vielen ehemaligen Realschüler und Realschülerinnen des beliebten Lehrers willkommen geheißen hatte.
Das auf einer Straße aufgestellte Zelt konnte die Gäste kaum fassen. Die Straße wurde während der „Festoktav" für den Verkehr gesperrt. Seine Ehemaligen erkannten ihn alle wieder, obwohl Horst Eggert verschmitzt meinte: "Ich gehöre als prähistorisches Fossil in ein Museum." Das konnten aber alle seine Gäste nicht bestätigen. Die Glückwünsche des Kreises überbrachte namens des Landrates Dr. Franz Möller sein Vize Dr. Wim Nöbel, der ein Geldgeschenk des Kreises überbrachte. Nöbel verlas auch einen zweiseitigen Glückwunschbrief des Ministerpräsidenten Johannes Rau, der ebenfalls ein Geldpräsent mitschickte. "Dass ich 100 Jahre alt geworden bin, verdanke ich meinem christlichen Lebenswandel", meinte Horst Eggert in einem Interview mit dem Mittagsmagazin des Westdeutschen Rundfunks, das live während der Feier gesendet wurde.
Doch der 100jährige meinte, die Kirche hätte er nur zweimal gesehen, zur Konfirmation und zur Hochzeit: "Aber darüber, daß ich ein so altes Knäblein geworden bin, bin ich glücklich und stolz." Stolz waren auch Horst Eggert und alle seine Gäste, dass sie auch live in der Aktuellen Stunde des Fernsehens auftreten konnten. Selbst die Moderatoren kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus, so viele Gäste hatte der WDR noch nie gesehen. Dieses deutsch-deutsche Treffen sprach sich übrigens wie ein Lauffeuer in der Bundesrepublik rund, denn viele überregionale Medien berichteten über diesen Besuch aus der DDR. Die Bundesbahn hatte für die 104 Rentner von Köln nach Bonn einen Sonderzug eingesetzt. Auch die evangelische Kirchengemeinde ließ die Glückwünsche aussprechen. Einen musikalischen Gruß entbot das Posaunencorps der evangelischen Gemeinde Oberpleis. Und dazwischen immer wieder persönliche Gratulationen und viele 100-mal musste Horst Eggert die Hände schütteln.
Vor dem Zelt wurde er mit seinen "Ehemaligen" oft von Pressefotografen abgelichtet. Alle Gratulanten sprachen auch Wilhelm Lehmacher, der das Fest organisiert hatte, den Dank aus. So hatte Wilhelm Nöbel auch ein Geschenk für ihn mitgebracht. Und die Ehemaligen: "Das hier ist einmalig. Das vergessen wir nie." Die DDR-Besucher durften nur 15 Mark mitbringen für den einwöchigen Besuch. Viele Seiten haben geholfen. Der Bundesminister für innerdeutsche Beziehungen bewilligte pro Person 140 Mark, die Stadt gab pro Besucher weitere 25 Mark. Hinzu kamen viele Spenden. Die meisten Gäste konnten privat untergebracht werden. "Vielleicht hilft dieser Besuch Freundschaften über die Mauer hinweg zu schließen, dies auch im Zeichen des Honecker-Besuches. Diese Freundschaften mögen dann ewig halten, auch über das Leben von Horst Eggert hinaus", hofft Wilhelm Lehmacher. Und noch ein Wunsch vieler Besucher: "Die Stadt Königswinter könnte ihren Plan, eine Partnerstadt mit einer DDR-Stadt zu schließen, doch mit Mark-Kleeberg vollziehen."
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