Aufnahme: 1987
Horst Egert wird 100 Jahre alt. Frohnhardt feiert mit 250 Ehemaligen
gst. Großer Festtag für den Ortsteil Frohnhardt, besonders aber für den noch sehr rüstigen Lehrer i. R. Horst Egert, der am 28. August 100 Jahre alt wird. Dieser Geburtstag wird eine ganze Woche lang gefeiert zumal an die 250 ehemalige Schülerinnen und Schüler des lOO-jährigen zur Geburtstagsfeier kommen werden. Der rührige Frohnhardter Mitbürger Wilhelm Lehmacher hatte zu Jahresbeginn die Idee, einige Ehemalige pensionierten Geburtstagskindes aus der DDR einzuladen. Er schickte nur wenige Einladungen und bat weitere Adressen ausfindig zu machen. Was keiner ahnte: 118 ehemalige Schülerinnen und Schüler, die bereits das Pensionsalter erreicht haben, dürfen aus der DDR ausreisen und kommen nach Frohnhardt, weitere 80 haben einen Antrag auf eine Reise in den Westen gerichtet, doch ist ihr Antrag bisher weder genehmigt noch abgelehnt worden. Weitere 65 Männer und Frauen, die von Horst Egert unterrichtet wurden, leben im Westen und haben ihr Kommen ebenfalls zugesagt.
Die DDR-Reisenden kommen am Freitag, 28. August, 19 Uhr, in Bonn an und werden mit Bussen am Bahnhof abgeholt und nach Frohnhardt gebracht. Dort ist eine erste Begrüßung mit Abendessen im Festzelt geplant. Das Zelt wurde der Dorfgemeinschaft vom Technischen Hilfswerk kostenlos zur Verfügung gestellt. Am Samstag, 29. August, 14 Uhr, findet dann im Zelt die große Gratulationsfeier statt, wozu auch alle anderen über 75 Jahre alten Bürger und Bürgerinnen aus Frohnhardt eingeladen sind. Am Sonntag wird der ganze Tag über im Festzelt weiter gefeiert. Am Montag unternehmen die Gäste aus der DDR eine Stadtrundfahrt. Mittags gibt es auf dem Nasseplatz einen Erbseneintopf, am Nachmittag wird der Drachenfels bestiegen. Am Dienstag starten die Gäste zu einer Schiffstour nach Andernach mit anschließender Busfahrt nach Maria Laach und auf demselben Wege am Frühabend wieder zurück. Die beiden Bundestagsabgeordneten Dr. Franz Möller (CDU) und Dr. Wim Nöbel (SPD) haben die Freunde aus der DDR zu einer Besichtigung des Deutschen Bundestages am Mittwoch um 13 Uhr mit anschließendem Kaffeetrinken im „Langen Eugen" eingeladen.
Am letzten Tag, Donnerstag, 3. September, gibt die Stadt Königswinter um 17 Uhr in der Aula Oberpleis einen Empfang für die deutschen Besucher aus der DDR. Abends ab 20 Uhr - übrigens ist jeden Abend im Zelt ein gemütliches Beisammensein vorgesehen - findet die Abschiedsfeier statt. Horst Egert, der 1951 von Leipzig in die Bundesrepublik kam, war dort Mittelschullehrer. Er war 40 Jahre lang ein beliebter Pädagoge. Übrigens ist die älteste Schülerin von Horst Egert, die sich bisher angemeldet hat, auch bereits 79 Jahre alt. Für gut 70 Personen hat der Initiator des deutsch-deutschen Treffens, Wilhelm Lehmacher, erst Quartier. Doch er ist zuversichtlich, daß sich noch weitere Mitbürger melden, die einem Gast aus dem anderen Deutschland für wenige Tage ein Obdach geben werden. Lehmacher geht es vor allem darum, daß sich Menschen aus Ost und West begegnen und ins Gespräch kommen, Verständnis füreinander finden und Bekanntschaften über Grenzen hinweg knüpfen. Der 100-jährige ist dabei, eine Festrede auszuarbeiten. Noch einmal richtet Lehmacher die Bitte: Da die DDR-Besucher nur 15 Mark mitnehmen können und sie von der Bundesregierung 45 Mark Begrüßungsgeld erhalten sind Spenden willkommen: Hier noch einmal die Konten: Evangelische Kirchengemeinde Oberpleis; Kreissparkasse Oberpleis Konto-Nr. 008004517 und katholische Kirchengemeinde Oberpleis Raiffeisenbank Oberpleis Konto-Nr. 6967, Verwendungszweck "DDR-Besuch".
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