Aufnahme: 1987
Bockerother Findlingsstein -Teil 1
Entwendeten Bockerother Stein aus Eudenbach? (SZ Nr. 34 vom 20.08.1987)
gst. Kommt es zu einem „Krieg" zwischen den Dörfern Bockeroth und Eudenbach? Was ist geschehen? Auf jeden Fall stehen die Zeichen der Zeit auf Sturm.
Da lebte vor etwa 70 Jahren in Eudenbach ein Revierförster Herlach. Er bemühte sich Zeit seines Lebens um das Wohl der Eudenbacher und Oberhauer Mitbürger. Auch um den Kirchbau vor 75 Jahren erwarb er sich Verdienste. Eine Figur an der Kirche über dem Eingang soll ihn sogar erzürnt darstellen, wenn sich die Bürger nicht nach seinen Wünschen beugten. Als dann der Revierförster das Zeitliche segnete, da erhielt er trotz allem eine würdige Grabstätte auf dem Eudenbacher Friedhof. Ein großer Findling zierte sein Grab und wurde zu einem Blickfang auf dem kleinen Friedhof im Oberhau.
Da keine Nachkommen mehr da sind, wurde das Grab von der Stadt, Eigentümerin des Friedhofes, eingeebnet.
Sie hätte auch den Grabstein entfernen müssen. Doch wie es hieß, habe die Stadt kein Fahrzeug, das einen so schweren Stein tranportieren könnte. Also blieb der Stein da, wo er Jahrzehnte stand. Zwar hatten die Eudenbacher vorgehabt, ein Kriegerehrenmal in der Nähe der Kirche zu errichten. Dafür hätte man den Findlingsstein gut und gerne gebrauchen können. Aber die Eudenbacher beließen es bei dem Plan und der Stein fristete weiter sein Dasein auf dem Eudenbacher Friedhof.
Jetzt steht dieser Grabstein an der Leithecker Straße in Bockeroth in einer kleinen gärtnerischen Anlage als Dorfmittelpunkt. Ruhebänke laden zum Verweilen ein. Ein Steinmetz aus Oberdollendorf hat auf dem über eine Tonne schweren Findling das Wort „Bockeroth" angebracht.
Doch bleibt der Findling nun in Bockeroth? Inzwischen haben nämlich Eudenbacher Bürger gegen das Vorgehen der Bockerother Protest erhoben. Sie stehen auf dem Standpunkt, daß der Findling zu Eudenbach gehört und zurück müsse. Das sei Diebstahl, weil nach Ablauf einer Ruhefrist das Grab an die Stadt zurückfalle und somit der Stadt oder dem Ortsteil Eudenbach gehöre. Pfarrer Josef Weyler wurde zu einem Vermittlungsgespräch gebeten.
Die Steine selbst, so schwer sie sind ... Versammlung der Bockerother Bürgergemeinschaft
gst. Nun ist der Stein tatsächlich gewandert — bis vor das Amtsgericht in Königswinter. Gemeint ist der Findlingsstein, der ehemals auf einem Grab des Eudenbacher Friedhofes seinen Platz hatte und nach Einebnung der Grabstelle mit Erlaubnis der Stadt Königswinter von Bockerother Bürgern „entführt" wurde.
Nun ziert der ca. eine Tonne wiegende Stein, standfest verdübelt, das Bockerother Ortsbild. Seitdem geht aber der Streit um das Eigentumsrecht zwischen Eudenbach und Bockeroth hin und her. Die Eudenbacher argumentieren, da es sich bei dem Grab auf ihrem Friedhof um ein Ehrengrab für den verstorbenen Hegemeister Herlach gehandelt habe, der sich große Verdienste um Eudenbach erworben hat, sei der Stein ihr Eigentum und müsse wieder zurückgegeben werden.
Unterstützung erhalten die Oberhauer nun von einem Rechtsanwalt, dem Vermögensverwalter der Enkeltochter des Hegemeisters Herlach, dessen Grab ehemals der Stein schmückte. Auch die Bockerother haben sich einen Rechtsanwalt genommen und so wird nun die Angelegenheit vor dem Königswinterer Amtsgericht ihre Fortsetzung finden.
Dies teilte der Vorsitzende der Bockerother Bürgergemeinschaft, Josef Wicharz, auf der gut besuchten Generalversammlung des Vereins mit. Übrigens, es soll auch Eudenbacher geben, die den ominösen Abgang des Findlingssteins so kommentieren: „Mir Essele hätten jo oppasse könne."
„Aufstellung des Bockerother Findlings ist korrekt" (SZ Nr. 35 vom 27.08.1987)
gst. Als absolut korrekt hat die Bürgergemeinschaft Bockeroth das Aufstellen des neuen „Dorfsteines" in Bockeroth bezeichnet. Die Gemeinschaft schreibt uns: „Der Stein ist mit ausdrücklicher Genehmigung der zuständigen Behörde der Stadt Königswinter, die Eigentümerin des Steines ist, mit Privatfahrzeugen von Eudenbach nach Bockeroth transportiert worden. Mit Befremden hat man daher innerhalb der Bockerother Bevölkerung auf Äußerungen einiger Eudenbacher Bürger reagiert, die an diesem Transport Kritik geübt haben. Es sei vielmehr im Interesse der Stadt Königswinter, wenn Findlinge, die offensichtlich unbeachtet jahrelang abseits gelegen hätten, an exponierter Stelle wieder ihren Platz finden. Die Bürgergemeinschaft Bockeroth appelliert daher an die Eudenbacher Bürgerschaft, zu der sie ein traditionell gutes Verhältnis unterhält, diese Fakten anzuerkennen und insbesondere haltlose Verdächtigungen, wie sie auch gegenüber der Presse geäußert wurden, künftig zu unterlassen.
3. Teil des „Dramas“
Eudenbacher wollen Findlingsstein zurück (SZ Nr. 38 vom 17.09.1987)
gst. Der Stein, der viele Jahrzehnte auf einem Grabmal in Eudenbach gestanden hat und dann von Bockerother Bürger weggeholt wurde und nun den Dorfmittelpunkt in Bockeroth ziert, muß wieder nach Eudenbach zurück!
Das jedenfalls fordern die Eudenbacher Bürger, die glauben, ein Recht auf diesen Stein zu haben. Mehr als 70 Jahre stand er auf dem Friedhof. Er sollte jetzt als Ehrenmal für die Gefallenen und Verstorbenen während der Zeit des dritten Reiches hergerichtet werden.
Der Bonner Rechtsanwalt Wolfgang Lüpertz wurde mit der juristischen Regelung des Falles beauftragt, Lüpertz ist Vermögenspfleger von Charlotte Hermes, der Enkeltochter des verstorbenen Hegemeisters Herlach, auf dessen Grab der umstrittene Findlingsstein stand. Herlach hat sich zu seinen Lebzeiten große Verdienste um Eudenbach und seine Bewohner erworben. Lüpertz erklärte sich in einem Schreiben an das katholische Pfarramt St. Mariä Himmelfahrt in Eudenbach einverstanden, daß der ehemalige Grabstein des Großvaters von Frau Hermes als Ehrenmal in der Kath. Gemeinde Eudenbach aufgestellt werden darf.
In dieser Angelegenheit hatte sich auch Bruno Koll vom Kirchenvorstand eingesetzt. Da es sich um ein Ehrengrab gehandelt hat, sind die Eudenbacher der Ansicht, daß sie ein Recht auf diesen Stein hätten. Einige Eudenbacher bezichtigen sogar die Bockerother des Diebstahls: „Die können Mein und Dein nicht unterscheiden“. Mit dieser Angelegenheit der Eudenbacher Pfarrgemeinde befassen sich nunmehr auch Bürgermeister Günter Hank und Stadtdirektor Franz-Josef Schmitz. Pfarrer Josef Weyler, Bruno Koll und Karl-Hermann Uhlenbroch von der katholischen Pfarrei:
Der Stein muß wieder nach Eudenbach zurück!
Den zweiten Teil der Geschichte vor Gericht finden Sie im Datensatz 17627 durch anklicken des unten stehenden Links
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