Rheingoldwagen als Restaurant

Aufnahme: 1986

Rheingoldwagen als Restaurant

gst.  „Zuschlagfrei" ist der Besuch des neuen Restaurants  „Bahnsteig 11" im Hofe  des Gasthauses „Tannenhof"  in  Bellinghausen. Die Gebrüder Karl-Heinz und  Hans-Josef Dornbusch hatten die Idee, einen ausrangierten Wagen des „Rheingol des"  käuflich zu erwerben. Dafür mußten sie tief in die Tasche greifen. Der Kauf des Wagens mit 36 Sitzplätzen, der schwierige Transport von Bonn-Tannenbusch nach Oberpleis sowie der Umbau und die Verlegung der sanitären Einrichtungen kostete die  Brüder  runde 100.000  Mark. Geöffnet ist das neue Bahnwagenrestaurant  - auf  Schienen  errichtet  - außer mittwochs täglich von 16 bis ein Uhr.  Bei günstiger Witterung wird  noch ein Kinderspielplatz gebaut und der Bahnwagenvorplatz ausgebaut, so daß er auch als Grillplatz benutzt werden kann. Tische und  Stühle werden dann die Gäste zum Verweilen einladen. Außer den Sitzplätzen wurde der Bahnwagen vollkommen umgebaut und mit einer Theke versehen. Freitagabend wurde die Eröffnung des neuen Restaurants mit Gästen und Handwerkern gebührend gefeiert.

Eigens für dieses Bahnsteiglokal engagierten die Gebrüder Dornbusch zwei Kellnerinnen. Die Serviererinnen tragen originale Kostüme, so wie ihre Kolleginnen auch früher im Rheingoldzug Speise und Getränke kredenzten. Da der Zug in den 30er Jahren zwischen Hoeck van Holland und Basel verkehrte und nur in größeren Städten hielt, gibt es nun kleine Speisen, die an die Haltepunkte der früheren Bahnlinie erinnern. So steht für Köln „Kölsche Kaviar" und „Ne Halve Hahn" auf der Speisekarte. In Mainz angekommen gibt es Handkäs mit Musik und natürlich in Frankfurt die bekannten Würstchen. Die Preise des Magenfahrplans liegen zwischen DM 3.50 und DM 6,-.

Gleich am Eröffnungsabend erhielt Hans-Josef Dornbusch von einem Gast ein besonderes Geschenk: Bahnhofsmütze und eine Kelle. Die Jacke war allerdings nur für diesen Abend geliehen. Der Rheingoldwagen kann zu allen Anlässen gemietet werden. Und neben den bekannten Melodien aus der Lautsprecheranlage erklingt auch hin und wieder der Originalton der Kölner Bahnhofssprecherin „Der D-Zug nach Mannheim hat 20 Minuten Verspätung."

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 10, vom 06.03.1986; Foto und Bericht: Günther Steeg
Zur Verfügung gestellt von
Rudolf Pieper (SZ)
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