Aufnahme: 1985

Heiligenhäuschen auf dem Hartenberg

"Wer mag wohl älter sein, der mächtige Baum oder das kleine Kapellchen? So jemand den Höhenweg von Uthweiler über Jüngsfeld nach Hartenberg geht und dann die Schönheit der ansteigenden Landschaft zum Siebengebirge vor Augen hat, wird er gerade in dieser Weiträumigkeit gerne in das winzige Heiligtum einkehren und eine Kerze anzünden, weil immer schon andere dort waren und Lichter ansteckten. Die Kapelle gehört dem 80jährigen Herrn Meurer, der zu berichten weiß, dass im vergangenen Jahrhundert an der Stelle des Heiligenhäuschen ein Unterstellplatz für Fuhrleute war, die dort auf ihrem Weg von Kloster Heisterbach nach Siegburg Rast machten. Dieser Unterstellplatz wurde bald verschönert und als Heiligenhäuschen umgebaut. Dort gefundene Grenzsteine deuten auf eine Zugehörigkeit zum Kloster Heisterbach hin. Wie Meurer weiter berichtet, sei der Hinzberg bewaldet gewesen und vor dem Heiligenhäuschen habe sich ein Weiher befunden. Wie die mündliche Überlieferung berichtet, sei die Kapelle als Dank für eine überstandene Seuche errichtet worden.

Beide Auffassungen über den Ursprung brauchen sich nicht zu widersprechen. Die Motivation für die Umwandlung des Unterstellplatzes in eine Kapelle wäre dann der Dank der Fuhrleute gewesen, die sich hier nicht nur trafen, sondern auch gemeinsam beten wollten. Denn sie lebten in der Tuchfühlung mit der Seuche (Pest). Der Baum wäre dann ein Überbleibsel von dem Wald, der sein Lied der Kapelle singt, wenn mal niemand kommen sollte. Im August findet hier traditionell ein Erntedankfest unter Beteiligung verschiedener ortsansässiger Vereine statt. Vor einigen Jahren war diese Feier mit einem Erntedankgottesdienst verbunden. Dank vielfältiger privater Initiative und Einsatzbereitschaft wird dieses sakrale, kleine Bauwerk liebevoll instand gehalten. Familie Meurer hat die Betreuung übernommen.

Die Kapelle hat keine Fenster, das Satteldach bringt kaum eine Erhöhung in der Mitte. Außen zeigt ein kleines Kreuz den sakralen Charakter, während innen vor dem Kreuz brennende Kerzen die religiöse Atmosphäre schon deutlicher machen. Draußen laden Ruhebänke zur Rast ein, denn wer wandert, muss auch rasten können. Weil allerdings auch den modernen Wanderer innere Stürme und Gewitter erschüttern, weil die Vielzahl der Süchte wie eine Seuche wirkt und gar quälen kann, hat man diesen kleinen Unterstellplatz mitunter so nötig, denn an solchen Stellen geschehen die kleinen und verborgenen Wunder. Wo soll der ratlose und oft so hilflose Mensch sich unterstellen, wenn nicht ganz in der Nähe des Kreuzes?"


Quelle
Kapellenkranz um den Michaelsberg; Verlag Abtei Michaelsberg; 1985; Seiten 64 und 65
Zur Verfügung gestellt von
Willi Joliet Das Heiligenhäuschen bei www.kirche-am-oelberg.de
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