Aufnahme: 1985

Antoniuskapelle in Wahlfeld

"Die Ramersdorfer Kapelle wurde im vergangenen Jahrhundert auf den Alten Friedhof in Bonn verpflanzt, das Schreckenbergskapellchen im Stieldorfer Uthweiler erlebte kürzlich eine Verlegung in das benachbarte Wahlfeld, wodurch es vor dem Ruin gerettet wurde. Hier erfährt es eine derartig liebevolle Pflege, wie man es allen Kapellen nur wünschen möchte. Am 13. Juni 1982 vollzog Pastor Willi Müller von Oberpleis die Einweihung der Kapelle, die im schmucken Fachwerk mit feiner Umgebung so erstrahlt, als habe sie schon 100 Jahre dort gestanden. Der erste wie der zweite Anfang war in gleicher Weise schwierig, aber auch liebevoll, wie folgende Berichte zeigen: „Kapelle zu Ehren des H. Antonius in Uthweiler, Pfarre Stieldorf, erbaut in den Jahren 1885 und 1886. Die Kapelle haben erbaut die Geschwister Schreckenberg von Uthweiler. Die Baustelle ist geschenkt von Heinrich Lehmacher, Stieldorf, dazu später die ganze Parzelle zur Erhaltung und Unterhaltung der Kapelle. Nach dem Tode der Eheleute Heinrich Lehmacher und seiner Frau treten die Geschwister Schreckenberg in den vollen Besitz derselben. Außerdem hat die Katharina Lehmacher 2 Eichen zum Bau geschenkt sowie die Hälfte der Kaufsumme der Glocke bezahlt. Die andere Hälfte hat ihr Vetter Bertram Sens bezahlt. Die vorgenannten Eheleute Lehmacher haben sonst noch viel dazu geschenkt.

Die Statue des hl. Antonius habe ich in Cöln bei Jansen auf der Breitestr. Nr. 44 gekauft, sie kostet 16 Taler oder 48 Mark. Die Gelder dafür habe ich gesammelt. Die Himmelskönigin habe ich von einem Unbekannten geschenkt erhalten, den hl. Joseph habe ich in Bonn bei Willmers gekauft, der hat auch die Himmelskönigin gemacht. Die anderen Statuen haben wir selbst angeschafft. Den Altar habe ich selbst im Winter gemacht sowie die 4 Bänke. Im Herbst 1886 war sie fertig gestellt. Herr Pastor Oswald von Stieldorf kam im November am Sonntag-Nachmittag mit dem Wagen und segnete es ein zum Bethause. Michael Weiler von Oberscheuern hat ihn am 8. November gefahren. Wir halten den Monat Mai zu Ehren der Mutter Gottes mittags Andacht, den Monat Juni zu Ehren des hl. Herzen Jesu. Geschrieben zu Uthweiler am 22, April 1888 Wilhelm Schreckenberg. Im Laufe des folgenden Jahrhunderts änderten sich nicht nur die Besitzverhältnisse des Grundstückes und damit der Kapelle, sondern auch deren Bedeutung und Nutzung. Einige Zeit diente die Kapelle dem Kölner Bildhauer Achilles sogar als Werkstatt und Atelier. Seine herrlichen Holzschnitzereien sind in der Uthweiler Kirche zu bewundern. Nun die Vorgeschichte in Wahlfeld: In Wahlfeld war es üblich, dass bei einem Sterbefall 7 Mädchen an 7 Kreuze gingen und für den Verstorbenen beteten. In den letzten Schreckenstagen des zu Ende gehenden 2. Weltkrieges wurden 4 Kreuze von Granaten zerschlagen. Nun war guter Rat teuer! Die Pfarrkirche war tagsüber geschlossen, das Heiligenhäuschen auf dem Hinzberg durch schlechte Wege kaum zu erreichen. Da war es Agnes Behr, die den Wunsch nach einer Gebetsstätte äußerte, und viele Wahlfelder schlossen sich ihr an.

Es wurden auch schon Pläne gemacht, die aber wegen der Standortfrage nicht zur Ausführung kamen. Als Agnes Behr am Montag nach dem Passionssonntag 1958, nach langer Krankheit im Alter von nur 39 Jahren starb, wurde ihr Wunsch erneut aufgegriffen. Bei der üblichen Haussammlung für einen Kranz und zwei heilige Messen blieb soviel Geld übrig, dass dann ein Sparbuch mit dem Grundbetrag von etwa 37,50 DM für den Bau einer Kapelle als Anfangsbetrag angelegt werden konnte. In den folgenden Jahren kamen auf diese Art größere und kleinere Beträge zusammen, bis jetzt etwa 2500 DM. In unsere Überlegungen platzte Herr Müllenholz, ein gebürtiger Wahlfelder, mit dem Vorschlag, da die Kapellengemeinde Uthweiler doch kein Interesse zeige, wolle er das Schreckenbergs-Kapellchen der Dorfgemeinschaft schenken, da brauche man nicht neu zu bauen, dazu 1000 DM für den Wiederaufbau. Leider blieb da nur das Versprechen, denn als Frau Müllenholz kurz darauf verstarb, war nichts geschrieben. Herr Müllenholz verkaufte dann das Grundstück mit dem Kapellchen als Bauland, und als der Bauherr sein Haus fast fertig hatte, stand ihm das alte Gebäude im Weg.

Angehörige der Feuerwehr haben es dann buchstäblich in letzter Stunde abgebrochen und die einzelnen Teile gesichert. Nach langen Verhandlungen hat uns Herr Dr. Maximilian Graf von Spee einen Bauplatz überlassen, der auch dem Herrn Landeskonservator, der inzwischen seine Hand im Spiel hatte, angenehm war. Aber noch bevor der Zuschuss des Landeskonservators zugeteilt war, verstarb der Landeskonservator. Seinem Nachfolger passte wiederum der vorgesehene Standort nicht, er hätte das Kapellchen lieber mitten im Dorf gesehen, was aber (mangels Platz) nicht möglich war. Man einigte sich über einen Platz nahe beim Bönnschenhof, dessen Eigentümer (Franz Schurff) sein Einverständnis gab. In Wahlfeld geht die Begeisterung teilweise so weit, dass man annimmt, diese Kapelle sei nur in die alte Heimat zurückgekehrt. Im vergangenen Jahrhundert sei sie von Wahlfeld durch irgendwelche Umstände nach dem Stieldorfer Uthweiler gekommen."

Quelle
Kapellenkranz um den Michaelsberg; Verlag Abtei Michaelsberg; 1985; Seiten 62 und 63
Zur Verfügung gestellt von
Willi Joliet
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