Aufnahme: 1985

Kapellenwanderung Quirrenbach - Ittenbach

Kapelle „Kreuzerhöhung" in Quirrenbach

"Dort, wo sich in Quirrenbach die Straßen von Eudenbach und Aegidienberg treffen, steht der stattliche Bau der Kapelle ‚Kreuzerhöhung’. Bereits 1742 hat an dieser Stelle eine wesentlich kleinere Kapelle gestanden, für die sich die Bewohner von Quirrenbach in dem genannten Jahr um die Feier einer hl. Messe an den Sonn- und Feiertagen bemühten. Ende des 19. Jahrhunderts wurde dieser Kapellenbau durch den jetzigen aus Feldbrandziegeln mit rundem, fensterlosem Chorabschluss ersetzt. Das verschieferte Dach wird von einem stattlichen Dachreiter mit einer Glocke gekrönt, welche die Gläubigen zu dem wöchentlich stattfindenden Gottesdienst ruft. In den siebziger Jahren wurde die Kapelle gründlich renoviert und erhielt dabei einen hellen farbigen Außenputz, wobei der Lisenenfries im Giebel und die Pfeilerandeutungen an den Längsseiten des Kapellenschiffes im dunkleren Farbton abgesetzt wurden.

Der ursprünglich düster wirkende Baukörper hat dadurch einen freundlicheren Charakter erhalten und stark gewonnen. Über dem Eingangstor aus kräftigem Eichenholz befindet sich ein bleiverglastes Fenster mit der Darstellung Mariens, die den Mantel ausbreitet, welches die bei der Renovierung eingebrachte Orgelempore erhellt. Das Innere der Kapelle wird durch je vier große rundbogige Fenster an den Längsseiten erhellt, die in Bleiverglasung Darstellungen des schmerzhaften und des freudenreichen Rosenkranzes zeigen. Die Fenster der linken Seitenwand enthalten ’Christus am Ölberg’, ’Christus an der Geißelsäule’, ’Christi Dornenkrönung’ und den’Kreuz tragenden Christus’. In den Fenstern der rechten Seite vom Chor ausgehend sind die ’Auferstehung Christi’, ’Christi Himmelfahrt’, die ’Herabsendung des Hl. Geistes’ und die ’Aufnahme Mariens in den Himmel’ dargestellt.

Diese wohldurchdachte künstlerische Gesamtkonzeption der Fenster eröffnet sich dem Betrachter erst voll und ganz, wenn er das hell getünchte Innere der Kapelle betritt, wo die Farbigkeit der Fenster erst voll und ganz zur Geltung kommt. Der Blick des Eintretenden wird durch ein mächtiges, erst neuerdings farblich gefasstes Missionskreuz aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts mit einem, ursprünglich dort nicht angebrachten Korpus gefangen. Es wurde gemäß der teilweise noch zu entziffernden Inschrift auf dem Kreuzbalken von den Nachbarn von Quirrenbach errichtet und hat nach Aussagen von Dorfbewohnern bis zur Renovierung der Kapelle außen an der Chorwand gestanden. Es dürfte zu der großen Zahl von Missionskreuzen aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts gehören, wie sie recht zahlreich im Gebiet der alten Christianität Siegburg vertreten sind - man denke nur an die Kapellen in Geisbach und Heide bei Birk.

Umrahmt wird das Kreuz durch Reste eines barocken Altaraufsatzes, die ebenfalls restauriert wurden. Auf farbig gefassten Säulen mit Kapitellen schweben Engel in derber bäuerlicher Barockfassung, die in ihren Händen die Leidenswerkzeuge halten. Unter dem Kreuz stehen Statuen von Maria und Johannes aus schwach farbig gefasstem Basalttuff, wie er in der Gegend gebrochen wird. Auch der Tabernakel mit blau marmorierten Türen, eingerahmt von zwei gedrehten, goldfarben gefassten Säulen, mit einem weißen, goldfarbig abgesetzten Muschelornament, stammt aus einem Barockaltar. Wenn wir uns dem Ausgang zuwenden, fällt rechts neben der Tür ein schmuckloser, bemalter spätbarocker Beichtstuhl und links ein Weihwasserbecken ins Auge, das aus einem Trachytblock in Form einer kantigen Säule gehauen ist. Der Besucher verlässt die Kapelle von Quirrenbach mit dem Gefühl, ein Juwel einfacher Volksfrömmigkeit des Pleiser Ländchens in einer unscheinbaren Schale geschaut zu haben, das von den Bewohnern des Ortes liebevoll erhalten und gehütet wird".


s. Link: Kapellenwanderung Quirrenbach - Ittenbach

Quelle
Kapellenkranz um den Michaelsberg; Verlag Abtei Michaelsberg; 1985; Seiten 68, 69 und 70
Zur Verfügung gestellt von
Willi Joliet Kapellenwanderung Quirrenbach - Ittenbach
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