Aufnahme: 1985
100 Jahre Anna-Kapelle
gst. Einen großen Festtag sieht die kleine Gemeinde Pleiserhohn entgegen. Zwei Jubiläen können am ersten Augustwochenende gefeiert werden: 100 Jahre St. Anna-Kapelle und 220 Jahre Nachbarschaft zwischen Pleiserhohn und Thelenbitze. Peter Weber und Willi Zerres blickten zurück auf 220 und 100 Jahre. Heute berichten wir über die 100-jährige Anna-Kapelle. Alten mündlichen Überlieferungen zufolge soll in früherer Zeit in Pleiserhohn ein sogenanntes Nacharschaftskreuz aus Holz gestanden haben. Als möglichen Standort desselben wird die Grundstücksgrenze zwischen den heutigen Grundstücken Müller und Koch in der Straße "Zur Sandkaule" vermutet. An diesem Nachbarschaftskreuz wurden von den Einwohnern der Dörfer Andachten und bei den damals doch recht häufigen Sterbefällen, besonders waren davon Kinder betroffen, auch der Rosenkranz gebetet. Dieser Brauch wird auch heute noch gehalten. Ob an diesem Kreuz auch die hl. Messe gefeiert wurde, ist nicht feststellbar. Man vermutet jedoch die Zelebration der Messen in der Pfarrkirche zu Oberpleis.
Mit einem besonderen Horn wurden die Dorfbewohner zur Teilnahme an Andachten und Betstunden zusammengerufen. Dieses Horn, ein großes, gelbes Ochsenhorn mit Mundpfeife, ist noch heute vorhanden. In dieses Horn ist die Jahreszahl 1771 eingeritzt. Das Nachbarschaftskreuz ist als Vorläufer einer festen und überdachten Gebetsstätte anzusehen. Welche Gründe schließlich ausschlaggebend für den Bau der Kapelle waren, ist nicht mehr festzustellen. Die Verfasser der Chronik sind der- Meinung, daß man nicht mehr jedem Wetter ausgesetzt sein, oder aber den Nachbargemeinden nacheifern wollte. Denn in Uthweiler wurde 1879 und in Eisbach 1870 eine Kapelle gebaut. Wie dem Nachbarschaftsbuch aus einem Bericht von Christian Gratzfeld zu entnehmen ist, hat die verehelichte Gertrud Weber den ersten Anstoß zum Kapellenbau gegeben. Sie stiftete spontan 750 Goldmark, nach heutiger Währung etwa 4000 DM. Und eben dieser Christian Gratzfeld hat dann den Bau der Kapelle vorangetrieben. Ihm verdanken wir dann auch den Chronistenberichte über die neue Kapelle.
„Die Kapelle ist erbaut worden im Jahre 1885 unter der Regierung des 88-jährigen Kaisers Wilhelm 1., als der Papst Leo XI I I. 75 Jahre alt war und Philippus Krementz zum Erzbischof von Köln ernannt wa r. Neben den 750 Mark der Gertrud Weber wurde das weitere Geld zum Bau durch die Nachbarn von Pleiserhohn und Thelenbitze und verschiedenen Auswärtigen zusammengebracht. Die Kapelle hat der Maurer Wilhelm Dornbusch aus Rott nebst seinen Gesellen gebaut. Das Handlangern haben die Nachbarn besorgt. Das Baumaterial haben die hiesigen Bauern beschafft." Dem Bau voraufgegangen war ein Baugesuch der Nachbarschaft vom 26. Mai 1885 an den damaligen Bürgermeister der Gemeinde Oberpleis. Der Bürgermeister J. Heuser erteilte am 11. Juni 1885 die Genehmigung zum Bau der St. Anna-Kapelle. Dieser Bauantrag war von einer großen Anzahl von Einwohnern der Nachbarschaft unterschrieben worden. Doch nicht alle Anlieger beteiligten sich am Bau. Der Bauantrag und die Genehmigung wurden erst vor einigen Jahren im Pfarrarchiv wiederentdeckt.
Vor I00 Jahren wohnten in Pleiserhohn und Thelenbitze 150 Einwohner, heute sind es 290 Personen. Im Baujahr der Kapelle starben fünf Einwohner. Drei Kinder kamen auf die Welt. 1894 wurde erstmals ein Annafest gefeiert. Im Jahre 1900 ist die Kapelle im Innenraum neu angestrichen worden. Dieser Anstrich kostete 57 Mark und 20 Pfennig. Im selben Jahre wurden Fahnenstangen angeschafft, das Stück für 20 Pfennig. Anfang der 50er Jahre ging Grund und Boden sowie die Kapelle in das Eigentum der Gemeinde Oberpleis über. Finanzielle Schwierigkeiten waren die Gründe dazu. Seit 1969 ist die Kapelle Eigentum der Stadt Königswinter. Damit ist wohl Königswinter weit und breit die einzige Stadt, die eine eigene Kirche besitzt. Die letzte größere Reparatur wurde 1977 durchgeführt. Die Kosten dafür betrugen an die 30 000 DM. Den größten Anteil bezahlte die Stadt Königswinter. Die restlichen Beträge beglichen das Generalvikariat und die Nachbarschaft aus einer Haussammlung. Außerdem wurden erhebliche Eigenleistungen erbracht. Nun hat kürzlich die Stadt den Pleiserhohnern die Rückgabe der Kapelle wieder in den Privatbesitz der Nachbarschaft angeboten. Doch dies lehnten die Pleiserhohner ab. Das I00-jährige Bestehen wird am 4. August gefeiert. Das Fest beginnt um 10 Uhr mit einem Gottesdienst. Danach findet das Dorffest im alten „Losems Hof' statt.
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