Aufnahme: 1984
Letzte Vorbereitungen vor der Eröffnung im neuen Versicherungsbüro an der Schulstraße 30. Links im Hintergrund Matthias Radermacher, vorne Marlene Radermacher
LVM-Versicherungsbüro Radermacher in Eudenbach.
Als 1957 der Landwirtschaftliche Versicherungsverein Münster (LVM) per Inserat einen Vertrauensmann für die Region suchte, zeigte der Junglandwirt Matthias Radermacher Interesse. Doch da er aufgrund seines Alters - er war erst 19 Jahre alt und somit noch nicht volljährig - noch keine Versicherungs-Agentur führen durfte, eröffnete zunächst sein Vater Matthias pro forma auf dem Familienhof in Rostingen das erste LVM-Versicherungsbüro der Region. Das Büro befand sich im Esszimmer der Familie. Anfangs wurden nur landwirtschaftliche Gebäude, Traktoren und landwirtschaftliche Maschinen versichert.
Ab 1959 übernahm Matthias Radermacher Junior offiziell als LVM-Vertrauensmann das Versicherungsbüro. Nach der Hochzeit 1965 kümmerte sich Ehefrau Marlene, die zuvor als Agfa-Vertreterin in Windhagen tätig gewesen war, vorrangig um die Büroarbeiten, während Matthias den Hof bewirtschaftete und nebenbei die Außentermine wahrnahm. Sie erinnert sich jedoch, dass sie in dieser Zeit zahlreiche Kühe gezählt und Stallungen abgeschritten hat, um die Größe der Höfe festzustellen. Inzwischen konnten auch Wohnhäuser, Autos, Mopeds und andere Objekte versichert werden. Der Kundenstamm wuchs stetig. Marlene Radermacher, die in fast jedem Haushalt einmal ein Kundengespräch gehalten hatte, kannte inzwischen so gut wie jeden Oberhauer.
Nachdem die Familie in Eudenbach neu gebaut hatte, zog sie am 4. Dezember 1971 mit dem Versicherungsbüro in die Schulstraße 25. Mittlerweile war die Arbeit so stark angewachsen, dass der erste Mitarbeiter, Jürgen Heinz, eingestellt wurde. Im neuen Wohnhaus gab es einen 25 Quadratmeter großen Raum für das Versicherungsbüro samt Wartebereich. „Wir saßen wie die Heringe“, erinnert sich Marlene Radermacher. Als stundenweise noch eine zweite Mitarbeiterin dazukam, wurde es besonders eng. Da war es kein Wunder, dass mancher Kunde lieber in der Küche saß, um dort ungestört von Marlene Radermacher bedient zu werden.
Um 1980 gab Familie Radermacher den landwirtschaftlichen Betrieb auf, und Matthias konzentrierte sich nun voll auf das Versicherungsbüro. Die weiter wachsenden Aufgaben machten größere Geschäftsräume notwendig, und Familie Radermacher baute auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein neues Gebäude. 1984 bezog die LVM-Agentur in der Schulstraße 30 ein Großraumbüro mit mehreren Nebenräumen. Der Mitarbeiterstab wuchs, und mit einem großen Computer, der die Arbeit enorm erleichterte, zog auch die EDV in die Geschäftsräume ein.
Aufgrund seiner langjährigen Versicherungstätigkeit durfte Matthias Radermacher schließlich auch Lehrlinge ausbilden. So wurde der jüngere Sohn Elmar, nachdem sein Bruder Richard von 1984 bis 1987 eine Ausbildung in der LVM-Zentrale in Münster absolviert hatte, von 1987 bis 1990 im väterlichen Betrieb ausgebildet. Beide Söhne stiegen nach der Ausbildung in den väterlichen Betrieb ein.
Marlene Radermacher arbeitete bis zum 70. Lebensjahr mit, und Matthias Radermacher, der einen Vertrag auf Lebenszeit hatte, konnte sogar als einziger LVM-Vertrauensmann sein 50-jähriges Agentur-Jubiläum feiern.
2009 übergab er die Agentur an seine Söhne. Elmar Radermacher schied jedoch nach zwölf Jahren aus dem Betrieb, um andere Interessen zu verwirklichen. Richard Radermacher zog 2023 mit dem LVM-Büro und zwei Mitarbeiterinnen nach Oberpleis in größere Räume in der Humboldtstraße 4.
Matthias Radermacher engagierte sich gerne im und für den Oberhau. 25 Jahre lang gehörte er der Freiwilligen Feuerwehr an, die sein Vater 1924 mitgegründet hatte, und 15 Jahre lang war er aktiver Sänger im Männerchor Quirrenbach. Noch bevor er das Versicherungsbüro an die Söhne übergeben hatte, dachte er sich: „Ich will noch etwas fürs Dorf tun.“ Er kaufte 2002 von Heinz Meurer das Gasthaus „Zum Siebengebirge“, um durch Erweiterungs- und Umbauten eine zeitgemäße, repräsentative Gastronomie für den Oberhau zu schaffen. Ab 2005 erweiterte er das Sälchen und baute einen Wintergarten mit bis zu 200 neuen Sitzplätzen, erweiterte die Terrasse für einen Biergarten, baute zwei Kegelbahnen und gestaltete den Thekenraum um. Doch mit diesem Projekt hatte die Familie Radermacher kein Glück. 2007 eröffnete der erste Mieter das von Radermachers behaglich ausgestattete Gasthaus. Eine Reihe unterschiedlicher Gastronomen folgte. Alle schafften es nicht, das Gasthaus erfolgreich zu führen. Zeitweilig fanden dort Blutspende-Aktionen des Deutschen Roten Kreuzes statt, hin und wieder fand sich ein Verein, der dort eine Veranstaltung durchführte, doch der Betrieb rentierte sich nicht. Die letzte Veranstaltung, die in dem Gasthaus stattfand, war 2018 der Kaffee anlässlich Matthias Radermachers Begräbnis. Zum Jahreswechsel 2023/ 24 wurde das Gebäude verkauft.
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