Fränkisches Prinzenpaar herrscht in Bockeroth

Aufnahme: 1983

Fränkisches Prinzenpaar herrscht in Bockeroth

gst. Seit Samstag, 15. Januar, bis zum Aschermittwoch ist Bockeroth ganz in fränkischer Hand. Bockeroths Narrenthron bestieg nämlich ein aus dem Frankenland stammendes Ehepaar, das aber schon seit zehn Jahren in Bockeroth wohnt. „Wir haben uns gut akklimatisiert. Die Franken und die Rheinländer verstehen sich ausgezeichnet", meinte Prinz Hermann-Friedrich I. vor seiner Inthronisation in einem Gespräch mit der Presse. Sein Motto: „Karneval mit Sack und Pack". Das Prinzenpaar trägt nämlich den Familiennamen Sack

In seiner Regierungserklärung betonte der rheinisch-fränkische Herrscher: „Bereits vor 1000 Jahren siedelten hier in diesem Raume die ersten Franken, so daß also eine Beziehung zwischen Franken und Rheinländern schon geraume Zeit besteht. Wir sind also in das Land unserer Väter zurückgekehrt". Präsident Rudolf proklamierte das neue Prinzenpaar und überreichte Hermann-Friedrich I. und ihrer Lieblichkeit Birgit I. die Zeichen ihrer Macht.

Am Theater haben sich die Beiden kennengelernt, wo sie einen Job als Statisten hatten. Vor knapp 20 Jahren wurde geheiratet. Der Ehe entstammen zwei Kinder, die über das jetzige Amt ihrer Eltern hocherfreut sind. Wenn Vater Sack nicht Prinz spielt, übt er den Beruf eines Diplom-Volkswirtes aus. Sie ist Hausfrau und gelernte Technische Assistentin. Sieben Jahre spielt der Prinz Geige, heute übt er nur noch passiv Musik aus, er hört gerne Musik vom Fernsehen, und Platten. Prinzessin Birgit geht gerne ins Theater.
 
Erstmals auf einer Sitzung in Bockeroth ist auch ein Pfarrer, nämlich Pfarrer Leo Veta-Diez. Bürgermeister Hank, der genau wie der Geistliche den Orden der Gesellschaft „Mer komme met“ erhielt, bekam Beifall, als er erklärte, die Stadt werde 1984 einen Zuschuß zur Renovierung des Saales „Op dr Hüh“ zahlen, da diese gastliche Stätte der einzige Trefflpunkt von Bockeroth und Düferoth sei. Der Bonner Entertainer Hans Müller eröffnete den Reigen der Büttvorträge. Gleich vier Lieder sang die Siegburger Schlagersängerin Simone Mück.

Zu Ehren des Prinzenpaares, das mit dem Musikzug und den „Sternschnuppen“ in den Saal einzog, erfreuten die schmucken Tänzerinnen und Tänzer der Sternschnuppen mit zwei artistischen Tanzdarbietungen. Begeisterung der Narrenschar auch für Hans Remig als „Aushilfsmetzger". Das Damenkomitee „Mer senn do" karn ganz mexikanisch und Raketen stiegen in den Himmel für die beiden Käthes (Lehmacher und Schäfer) als „Ideales Ehepaar" in einem Zwiegespräch.

Aus Eudenbach erfreuten die Rot-Weißen Funken. Ihre Erlebnisse als „vielgeplagter Familienvater" gab Monika Bonerath preis. Rauschendorfs Büttredner Rainer Henseler glänzte als „Drühe". Kein Auge blieb trocken beim Tanz des Bockerother Herrenballetts. Zum heiteren Finale stimmten alle Mitwirkenden auf der Bühne Schunkellieder an. Dreierlei Orden wurden an diesem Abend vergeben: der normale Gesellschaftsorden, Prinzenorden, und Bauer Josef Wicharz stiftete zu seinem zehnjährigen „Buurejubiläurn" einen Orden, der seinen Narnenszug trägt.

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 3 vom 21.01.1983; Foto und Bericht: Günther Steeg
Zur Verfügung gestellt von
Rudolf Pieper (SZ)
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