Aufnahme: 1982

Bericht über das Fachwerk-Kapellchen in Wahlfeld

Bericht eines unbekannten Verfassers.

Ein Bericht über das Fachwerk-Kapellchen, das nun bald in Wahlfeld wieder errichtet wird, ist gar nicht so einfach. Wo alle schriftlichen Unterlagen fehlen, kann man nur Vermutungen aufschreiben:
Woher kommt dieses Kapellchen?
Aus Wahlfeld, das sagt die mündliche Überlieferung, und das wird wohl so sein! Da Wahlfeld ein Ort mit alter Tradition ist, so ist anzunehmen, daß dort auch ein kleines Gotteshaus gestanden hat. Im Jahre 1131 wurde nämlich „der Bönnsche Hof zu Wahlfeld“ dem Stiftskapital von Sanct Cassius und Florentius in Bonn vom Papst Innocens II. bestätigt. Dieser fränkischen Hof-Anlage, bis zu den 30-er Jahren unseres Jahrhunderts noch ganz aus Fachwerk, müßte dieses Kapellchen zuzuordnen sein, ähnlich wie das erneuerte Backhaus am Hinsbergweg. Aus der Tradition von Wahlfeld sei noch gesagt, daß Johann von Wahlfeld im Jahre 1443 Schöffe des Gerichts zu Siegburg war, und daß die Hohnschaft, jetzt Gemarkung Wahlfeld, bereits im 13ten Jahrhundert erwähnt, heute noch das Gebiet zwischen Ölinghoven-Land, Bennerscheid und Oberpleis-Niederbuchholz umfaßt.

Nun aber wieder zum Kapellchen zurückzukommen:
Daß es bereits einmal versetzt worden ist, haben drei Zimmerleute, unabhängig voneinander, bestätigt. Beim Abbruch im Jahre 1976 konnte man dies an der Verzapfung gut erkennen. Fachwerk wurde nämlich nicht genagelt, weil Nägel ja rosten. Auch das verwendete Holz, die Eckpfeifer und die Schwellen aus Eiche, das übrige Gerüst aus Fichtenholz, soll nach Aussagen von Experten mehr als 300 Jahre alt sein.

Auf welche Weise das Kapellchen nach Uthweiler gekommen ist, ist nicht zu sagen. Es kann durch eine Real-Teilung, die nach napoleonischem Recht erfolgte, einfach an einen Eigentümer gegangen sein, der kein Interesse daran hatte. Wahrscheinlicher ist aber, daß es dem Bau der Pleistalstraße, die im Jahre 1866 begonnen wurde, zum Opfer fiel. Das weiß ich von meiner Mutter, die vom Bönnschen-Hof zu Haus darüber in alten Papieren gelesen hat. Leider sind diese Schriften von Herrn Kaplan Düster bei der Abfassung der Chronik zur 1000-Jahrfeier von Oberpleis verwendet, aber nicht zurückgegeben worden. Sie sind auch im Pfarrarchiv nicht zu finden. Jedenfalls ist in den Jahren 1885/86 in Uthweiler das Kapellchen wieder aufgebaut worden, die der Pfarrer Osterwald von Stieldorf im November 1886 eingesegnet hatte.

Und zwar hatten die Geschwister Schreckenberg (als „Bennesköpp“ bekannt, - das heißt zu Hochdeutsch, sie waren dickköpfig, heute sagt man stur), die Anfangs für den Bau der Uthweiler Kapelle 1879 gestimmt hatten, aber dann mit den Oberpleiser-Uthweilern nicht einig blieben. Sie als Stieldorfer-Uthweiler hatten eigene Pläne. Sie hatten gesammelt und das Fachwerk-Kapellchen in Uthweiler wieder neu errichtet. Seitdem heißt es „das Schreckenberg-Kapellchen“. Der heilige Antonius wurde zwar dort verehrt, aber seinen Namen bekam es nicht.

Die Fächer im Fachwerk wurden aber mit Bims-Steinen ausgefüllt. Im ersten Aufbau waren die Fächer ausgefüllt durch Holz-Staken mit Quer-Geflächt aus Weiden und Lehmfüllung, die mit Stroh und Schweineborsten verfestigt wurden. Die Löcher für die Staken, die hier Riffel genannt wurden, sind in dem alten Fachwerk noch zu sehen. Wer die Kapelle später geerbt hat, ist nicht erwiesen. Im Jahre 1952 wurde das Grundstück von 70 qm Größe mit dem aufstehenden Gebäude im Zuge der Zusammenlegung der Familie Heinrich und Katharina Müllenholz zugeteilt.

Kurz nach dem 2. Weltkrieg hat der Kölner Holzschnitzer Alfons Achilles, der nach Uthweiler evakuiert war, in dem Kapellchen seine Werkstatt aufgeschlagen und dort das Altarkreuz, den Hl. Michael mit dem Drachen und die Madonna mit dem Kind geschnitzt, die heute in der neuen Kirche in Uthweiler sind. Nachdem der Meister Achilles aus seiner Werkstatt ausgezogen war, haben Uthweiler Mädchen einen Gruppenraum daraus gemacht. Es wurden später einige Verstorbene darin aufgebahrt. Die Glocke war bereits von Herrn Müllenholz aus dem Türmchen genommen worden, da Uthweiler Jungen einen Bindfaden daran befestigt hatten und öfters das Nachts „Glöckner“ spielten. Herr und Frau Müllenholz, deren beide Söhne in jungen Jahren verstarben, haben das Kapellchen in Ordnung gehalten, die Balken geschwärzt und die Flächen geweißt, so daß es immer ein schmuckes Aussehen hatte. Da sie aber auf die Dauer nicht dafür sorgen konnten, boten sie es der Kapellengemeinde zu Erwerb an. Von den 5 Vorstandsmitgliedern stimmten 2 dafür und 3 gegen den Erwerb. Also blieb alles wie es war.

Und nun werde ich die neue Geschichte des Schreckenbergs-Kapellchen erzählen:
In Wahlfeld war es üblich, daß bei einem Sterbefall 7 Mädchen an 7 Kreuze gingen und für den Verstorbenen beteten. In den letzten Schreckenstagen des zu Ende gehenden 2. Weltkrieges wurden 4 Kreuze von Granaten zerschlagen, das Heiligenhäuschen auf dem Hartenberg war durch schlechte Wege kaum zu erreichen. Da war es Agnes Behr, die den Wunsch nach einer Gebetsstätte äußerte, und viele Wahlfelder schlossen sich ihr an.

Es wurden auch schon Pläne gemacht, die aber wegen der Standortfrage nicht zur Ausführung kamen. Als Agnes Behr am Montag nach dem Passionssonntag 1958 nach langer Krankheit im Alter von nur 39 Jahren starb, wurde ihr Wunsch erneut aufgegriffen. Bei der üblichen Haussammlung für einen Kranz und 2 heilige Messen blieb so viel Geld übrig, daß davon ein Sparbuch mit dem Grundbetrag von 37,50 DM für den Bau einer Kapelle als Anfangsbetrag angelegt werden konnte. In den folgenden Jahren kamen auf diese Art größere und kleinere Beträge zusammen, bis jetzt etwas 2.500 DM.

Quelle
Archiv Thomas Lissek
Zur Verfügung gestellt von
Irina Wistoff: Aus dem Nachlass von Thomas Lissek
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