Aufnahme: 1980

Der „Hedehof“

Als „Hedehof“ ist behördenseitig seit dem in den 1950-er Jahren durchgeführten Umlegungs- bzw. Grundstückszusammenlegungsverfahren der im östlichen Zipfel von Berghausen an der Ortsgrenze zu Willmeroth gelegene, von Kaspar Hedemann und seiner Frau Helene geb. Hallerbach betriebene, arrondierte Bauernhof benannt. Über seine Geschichte und seine Geschichten wissen wir eigentlich so gut wie nichts, weil es kaum Aufzeichnungen und schon gar kein Hofbuch bzw. keine Chronik gibt, in denen üblicherweise größere landwirtschaftliche, seit Jahrhunderten bestehende Höfe, alles aufgezeichnet haben, was sich familiär und bewirtschaftungsmäßig und sonst wie Wichtiges getan hat.

Der Hof umfasste etwa 60 Hektar Land und Waldbesitz und wurde vermutlich Ende 1700 errichtet. In diesem autarken Gehöft gab es alles, was man sich so auf einem Bauernhof vorstellt, so etwa 20 Weidetiere, Milchkühe und Rinder, einen Stier, ein paar Schweine, Hühner und Gänse, und ein  Pferd und die notwendigsten Maschinen.

Voreigentümer war der aus Quirrenbach aus einer alten Bauernfamilie stammende, 1872 geborene Peter Wiesgen, (+1952), der mit der Heirat der in Berghausen wohnenden Christine Limbach – wie man es so ausdrückt – in den Bauernhof der Familie Limbach einheiratete. Die Ehe blieb leider kinderlos. Mitbetreiber des Hofes war Christines Bruder, der 1871 geborene und 1957 verstorbene Wilhelm Limbach (als römisch II bezeichnet, weil es noch drei weitere Wilhelm Limbach in Berghausen gab, die aus postalischen Gründen als römisch I, III und IV benannt wurden). Beim Eigentumsübergang auf Wiesgen gab er sich mit der überkommenen Rolle eines Altknechtes zufrieden.
Dieser Wilhelm Limbach war Mitbegründer des Junggesellenvereins Einigkeit Berghausen und deren Ehrenmitglied bis zu seinem Tode. Er hat nie geheiratet und blieb „ewiger“ Junggeselle.

Da somit diese Familienlinien Wiesgen wie auch Limbach keine Nachfolger hatten, übertrugen sie das Eigentum an die seit etwa 1935 als Wirtschafterin und Magd auf dem Hof wirkende Helene Hallerbach. Diese heiratete 1945 den vorgenannten Kaspar Hedemann aus Niedermenden, den es kriegsbedingt nach Berghausen verschlagen hatte. Das Ehepaar Kaspar Hedemann und deren Sohn Hans-Peter modernisierten den Hof mit Maschinen und Traktoren und bauten noch eine Lagerscheune, eine offene Geräteunterstellscheune und eine große Halle an.

Der Hof trug vermutlich seit über 200 Jahren den Beinamen „Dellejen“, was auch auf die Bewohner bezogen wurde und insbesondere auf Helene Hedemann und Wilhelm Limbach, die im Ort nur als „Delleje Lena“ und „Delleje Wellem“ bekannt waren und benannt wurden.
Der Beiname „Delleje“ ist vermutlich abgeleitet vom Vornamen „Odilia/Ottilie“, und eine solche fand sich in den Kirchenbüchern als Maria Odilia Bender aus Willmeroth, deren Tochter im Jahre 1828 den Theodor Limbach aus Berghausen ehelichte. Hieraus kann abgeleitet werden, dass der Hof, benannt nach "dämm Dell sengem Hoff/de Delleje Hoff", vor 1800 bestanden hat und mit dieser Heirat auf die Familie Limbach überging, die ihn über drei Generationen bewirtschaftete, bis er durch die Heirat der Christine Limbach mit Peter Wiesgen  von diesem übernommen wurde.

Wegen Unrentabilität und aus Altersgründen ist der Hof heute stillgelegt; die weitere Verwendung ist ungewiss.

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Paul Winterscheidt (Foto und Stammbaum) Lage auf Karte anzeigen
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