Altar- und Innenraum der Marienkapelle in Eisbach mit der Strahlenkranzmadonna

Aufnahme: 1979

Altar- und Innenraum der Marienkapelle in Eisbach mit der Strahlenkranzmadonna

Priesterberufungen aus Oberpleis seit der Mitte des 19. Jahrhunderts

Dieses Thema in der Festschrift zum 50-jährigen Bestehen der Kolpingsfamilie Oberpleis besitzt aus mehrfachem Grunde seine Berechtigung:

1.) Erst in seiner Gesellenzeit hat Adolph Kolping den Weg zum Priestertum gefunden, dem er dann aber die volle Kraft seines Herzens und Geistes seiner ganzen Persönlichkeit geschenkt hat, nicht ohne die Liebe und Unterstützung von Oben, von Gott.

2.) Der Priester hat im Bereich von Kirche und Welt seine sehr spezielle und nicht immer leichte Rolle zu „spielen", die Adolph Kolping auch in der Funktion eines Präses (geistlichen Beirates) einer jeden Kolpingsfamilie zugeordnet hat. Dabei wollte Adolph Kolping die Aufgabe einer Kolpingsfamilie innerhalb der Kirche, also jeder Pfarrfamilie, die an der Welt mitzugestalten hat, beheimaten. Von hier aus scheint mir das Umfeld für die Frage nach den Priestern gegeben, die - begrenzt auf die Zeit seit der Mitte des 19, Jahrhunderts bis zum heutigen Tag - aus der Pfarrgemeinde St. Pankratius, Oberpleis hervorgegangen sind. Darum erfolgt zunächst eine listenmäßige Aufzählung:

1) Dr. Johannes Kirschbaum
geb. 25.9.1844 zu Eisbach,
getauft 27.9.1844 zu Oberpleis,
Priesterweihe 27.3.1869 zu Rom,
gest. 2.3.1919 zu Büderich.

2) Dr. theol. et phil. Peter Gratzfetd
geb. 5.9.1857 zu Hartenberg,
getauft 7,9.1857 zu Oberpleis,
Priesterweihe 28.10.1883 zu Rom,
gest. 5.5.1922 zu Honnef.

3) Wilhelm Neuhöfer
geb. 11.12.1871 zu Oberpleis,
getauft 12.12.1871 zu Oberpleis,
Priesterweihe 1896 zu Köln,
Redemptorist
gest. 5.7.1961 in Heiligenstadt.

4) Johannes Weber
geb. 20.2.1876 zu Eisbach,
getauft 22.2.1876 zu Oberpleis,
Vinzentiner
Priesterweihe 27.2.1904 zu Theux (Belgien)
gest. 13.1.1944 in Josefsthal b. Herbesthal

5) Franz Bröhl
geb. 1.11.1876 zu Oberpleis,
getauft 6.11.1876 zu Oberpleis
Priesterweihe 1.6.1901 zu Rom,
gest. 23.7.1942 zu Braschoß (Siegkreis).

6) Peter Buchholz
geb. 31.1.1888 zu Eisbach,
getauft 2.2.1888 zu Oberpleis,
Priesterweihe 10.8.1911 zu Köln,
gest. 4.5.1963 zu Bonn.

7) Josef Kreutz
geb. 20.3.1890 zu Warth,
getauft 23.3.1890 zu Geistigen,
Kindheit und Schulzeit verbracht zu Oberpleis,
Redemptorist
Priesterweihe 5.3.1922
gest. 5.4.1962.

8) Paul Peter Maria Meinen
geb. 3.3.1904 zu Oberpleis,
getauft 8.3.1904 zu Oberpleis,
Priesterweihe 6.8.1929 zu Köln.

9) Josef Schoroth
geb. 12.10.1912 zu Sandscheid,
getauft 18.10.1912 zu Oberpleis,
Benediktiner
Priesterweihe 24.3.1937 zu Geistingen

10) Heinrich Wasserheß
geb. 20.8.1913 zu Berghausen,
getauft 23.8.1913 zu Oberpleis,
Benediktiner
Priesterweihe 1.3.1939 zu Siegburg,
vermißt bei Stalingrad.

11) Franz Weber
geb. 11.11.1918 zu Eisbach,
getauft 24.11.1918 zu Oberpleis,
Priesterweihe 17.7.1949 zu Köln.

(Quellen: Taufbuch, Totenzettel u. mündl. Mitteilungen).

Insgesamt also 11 Priester, von denen sechs dem Weltklerus und fünf dem Ordensklerus angehören. Diese Verteilung hält sich angesichts der kleinen Zahl elf in einem normalen Rahmen.

Auffallend ist die Verteilung auf die Zeit:

In dem halben Jahrhundert vor Neunzehnhundert sind es sieben, nach Neunzehnhundert nur noch vier. Bedenklich aber ist die totale Abnahme in den letzten Jahrzehnten, also seit 1920 bis 1950 und darüberhinaus. Kein in diesem Zeitabschnitt zu Oberpleis Getaufter ist zum Priester geweiht worden. Niemand ist derzeitig Priesteramtskandidat.

Hierzu seien einige Erwägungen erlaubt:

Ein altes Wort sagt: Die Gemeinde bringt die Priester hervor, die sie verdient. Ob dieses Wort allgemein Gültigkeit beanspruchen darf, sei dahingestellt. Wenn wir es aber abgeschwächt - hier nur auf die Zahl der Priester beschränkt auf unsere jüngste Zeit anwenden wollen, fällt das Urteil über große Teile der Kirche, besonders in Europa, schlecht aus. Nicht nur für Oberpleis, für die Erzdiözese Köln, ganz Deutschland und die meisten Länder Europas ist der Priestermangel ein derzeitiges Charakteristikum. Ist damit allein aber die geistige Lage der Kirche gekennzeichnet?

Ich sehe auf der anderen Seite in vielen Ortskirchen - soweit ich sie überschauen kann - einen Aufbruch von der Basis her. Viele Gläubige, denen die Sache Christi am Herzen liegt, sind bereit Funktionen zu übernehmen die früher Geistlichen allein vorbehalten waren.

Was Oberpleis angeht, möchte ich behaupten, daß es innerhalb der Gemeinde noch ein großes Reservoir von Bereitwilligen gibt oder gäbe, die auf Aufgaben für die Erhaltung und Vertiefung des Glaubens zu erbeten bereit sind bzw. darauf warten, sicher nicht ohne Einfluß von seiten der Kolpingsfamilie. So haben im letzten Halbjahr fünfzehn Helfer(innen) die Vorbereitung der Erstkommunikanten begleitend mit übernommen. Dieser schöne Glaubens- und Opferbereitschaft zeigende Einsatz kommt beiden Seiten zu gute, den Erstkommunikanten und den Helfern selbst. Das soll nur ein Beispiel sein. Viele andere sind für jeden Sehenden offenkundig und werden erprobt.

In diesem Zusammenhang sei die Frage erlaubt, ob uns Gott - wie wir den
Herrn der Geschichte nennen dürfen und auch können - nicht in der gegenwärtigen priesterarmen Situation der Kirche die Absicht zeigen will, daß er wieder mehr die gläubigen Menschen berufen will, die - ähnlich wie in Not und Verfolgungszeiten der Kirche in ihrer langen Geschichte - auf vielfache Weise der Verkündigung und Erbauung des Glaubens dienen sollen? „Wenn die Not am größten ist, ist Gottes Hilf am nächsten"!

Damit soll keineswegs das stetige Bemühen um Priesterberufe heruntergespielt und aus unserem Gebetsanliegen gestrichen werden. Im Gegenteil: Schauen wir auf unseren derzeitigen Papst Johannes Paul II., auf den wir alle große Hoffnungen setzen. Er kommt aus Polen, einem Land, in dem es keinen Priestermangel gibt. Dort identifiziert sich noch immer der größte Teil des Volkes mit der Kirche, aber nur und allein auf dem Hintergrund einer christlichen Glaubenfreude und Opferbereitschaft in einem aktiven Gemeindeleben. Aus solchem Klima kommend ist der Bischof Wojtyla zum Papst berufen worden, die Kirche in unseren Tagen zu leiten.

Und noch eins: Der jetzige Papst führt auf seinem Wappen - entgegen früherem Brauchtum - ein großes M = Maria. Sie, Maria ist seit eh und je als die Mutter unseres Herrn Jesus Christus, des Ewigen Hohenpriesters in unser Credo aufgenommen worden. Sie ist aber auch zu allen Zeiten als Mutter der Gläubigen (Joh. 19,26-27) und in besonderer Weise als Mutter der Priester und Priesterberufungen verehrt worden. Soll das nicht wieder auf eine bewährte Tradition verweisen, die in unseren Tagen so schnell zu kurz gekommen ist?

Quelle
Festschrift 50 Jahre Kolpingsfamilie Oberpleis 1979, Seiten 101 - 104, von Pfarrer Josef Weyler, Präses
Zur Verfügung gestellt von
Willi Joliet, Bericht und Foto Strahlenkranzmadonna in der Eisbacher Marienkapelle - Standort der Marienkapelle bei Google Maps - 360° Rundblick in der Marienkapelleapelle
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